Gruß an den Glauben

 

Glaube, frischer Gnadenbaum

In der Erdenwüste,

Der, als wir im Leben kaum,

Uns schon sanft begrüßte:

Stehst von Frühlingspracht durchblinkt,

Wo sonst Blüten fallen,

Deines Wipfels Krone winkt

Zu des Himmels Hallen!

 

Glaube, sichern Schutzes Bann

In gewalt`gen Fehden,

Wo mit gift`ger Lust umspann

Trautes Überreden:

Gibst dem Streiter Siegesmut

Unter Engelslächeln,

Hauchst ihm in die Kampfesglut

Lindes Palmenfächeln!

 

Glaube, weiser Gottesrat,

Mild wie Vatersegen,

Führst uns zu des Glückes Grat

Auf demütgen Wegen;

Zeigst dem Pilger, kreuzbeschwert,

Rast in Jesu Hürde,

Wo er sehnsuchtsvoll begehrt

Seine süße Bürde!

 

Glaube, Hellsten Lichtes Strahl

An den Lebensmarken,

Wo bei Särgen, öd und fahl,

Zittern auch die Starken:

Morgenstern, was traurig macht,

Was so bang bedrücket,

Dunkler Zukunft graue Nacht

Hast du uns entrücket!

 

Glaube, kräft`ge Himmelsluft,

Labst den müden Kranken,

Dass um ihn voll Osterduft

Hoffnungsblumen ranken;

Wiedersehensgruß wehst du,

Wo Verlassne weinen,

Und verbürgst die Gottesruh

Über Leichensteinen!

 

Anton Hungari