Glaube, Liebe, Hoffnung

 

Zwei Wege leiten hier uns durch das Leben;

Der erste lacht in goldner Zauberpracht,

Verspricht dem Herzen Freude stets zu geben,

Und auf dem zweiten sieht`s nur öde Nacht.

 

Es öffnen hier sich schauerliche Gänge,

Es winken dort Genüsse ohne Zahl;

Hier presst das Herz die fürchterliche Enge,

Dort glänzt ein blumenduft`ges Frühlingstal.

 

Doch wehe! kann die süße Lust dich blenden,

Dass bald dein Herz in ihrem Kelch versank;

Noch eh` du`s ahnst, wird sich die Sonne wenden,

Aus deren Glut das Herz Entzücken trank.

 

Und wo die Zauberstimmen hin dich riefen,

Steigt eine wüste Nachtgestalt herauf,

Es öffnen dir sich bodenlose Tiefen

Und endlich schließt Verzweiflung deinen Lauf.

 

Wohl ohne Kampf sieht keiner die Gebilde,

Die uns in Freud` und Lust entgegenziehn,

Und furchtlos blickt kein Aug` in die Gefilde,

Wo hehr der Tugend ew`ge Kränze blühn.

 

Und lockend bannt die trügerische Breite,

Die endlich sich in Schutt und Graus verliert. –

Ist keiner denn, der schützt in diesem Streite,

Der rettend zu dem Kanaan dich führt?

 

Ja, bei dem Eingang zu dem dunklen Pfade

Steht, von dem Heiland segnend hingestellt,

Ein sichrer Führer zu des Heiles Gnade,

Ein Glanzgestirn für`s Dunkel dieser Welt.

 

Und wenn aus deines Kreuzwegs bittern Leiden

Dein Auge tränenfeucht zum Vater blickt:

O! was umglänzt dich dann mit Engelsfreuden?

Es ist der Glaube, der den Dulder schmückt!

 

Wenn immer Dornen blutiger verwunden

Den Fuß, der kaum aus Dornen sich entwand:

Was träufelt dann dir Balsam in die Wunden?

Es ist der Liebe treue Mutterhand!

 

Und senkt des Pilgertages Sonne trüber

Sich in das Meer der Ewigkeit hinab;

Was führt dich hochbeseligt dann hinüber?

Es ist der Himmel-Hoffnung Trostesstab!

 

Sie trägt die Palmenkrone dir entgegen

Und aus dem Kampf für Wahrheit, Recht und Pflicht

Erfreut dich der Vollendung reichster Segen

Und deine Erdennacht wird – Himmelslicht!

 

Pauline von Bredow