Gebete

 

von M.Herbert

 

I.

Lass mich die ganze Welt vergessen

Und Dir zu Füßen stille sein!

Lass mich nur Deine Stimme hören,

Lass meine Seele zu Dir ein!

Zu Deinem Trost, der allgewaltig

Sie an sich zieht aus Sturm und Not,

An den sie sich so einsam klammert,

Wie sie einst sein wird nach dem Tod.

Lass mich das Leben überwinden,

Das tausendmal das Herz mir bricht,

Das schwache Herz, das tief verloren,

Sich aufwärts sehnt nach Deinem Licht.

Ich will von Deinem Worte zehren

Und seinem Ernst, der mich befreit;

Ob seine Flammen auch verbrennen

Die allerletzte Eitelkeit.

 

II.

Herr, es war nicht der Mühe wert!

In Demut komm ich, ernst und schlicht.

Der heiße Kampf, den ich gekämpft,

Er lohnte sich der Mühe nicht.

 

Ich gab mein Herz hin, Herr Du weißt,

In Hände, die es schlimm versehrt,

Die es verkritzelt und verstaubt.

Herr, es war nicht der Mühe wert.

 

Sie traten auf das arme Herz,

Als müsse es zertreten sein.

Sie gingen lachend ihres Wegs

Und ließen´s blutend und allein.

 

Doch was die Welt zertreten hat,

Und was sie tausendfach versehrt,

Das bring ich Dir zur Heilung dar.

Für Dich ist´s noch der Mühe wert.

 

III.

Um ein Linsengericht, um ein wenig Lust

Hab ich mein ewiges Erbteil verschwendet,

Habe mein heiliges Erstgeburtsrecht

Um einen flüchtigen Hunger verpfändet.

 

Wie ein Sklave und nicht wie ein Herr –

Hab ich in Leichtsinn und Kurzsicht gehandelt,

Bin auf dem breiten, dem lachenden Weg

Fern von den ewigen Zielen gewandelt.

 

Kehre nun doch, ein verlorenes Kind;

Küsse der Heimat verschlossene Schwelle,

Weine am Grab meiner Jugend und Treu,

Suche die längst schon verschüttete Quelle:

 

„Lebst Du noch, Vater, der mich erschuf?

Kennst Du des Kindes bitterlich Weinen?

Baust Du mir schützend die Hütte noch auf

Aus meines Glaubens verworfenen Steinen?“