Freudenvolles Wiedersehen!

 

Auf Wiedersehn! O süßes Wort beim Scheiden,

Das uns der Trennung bitt`ren Schmerz versüßt!

Auf Wiedersehn! O Hoffnung voll des Trostes,

Der Balsam in die tiefen Wunden gießt!

 

O Mutter, die du jetzt ein Kind beweinest,

Das, ach! in schönstem Jugendflor erblich,

O sei getrost! – es spielt auf Himmelsauen

Und wartet dort voll Sehnsucht nur auf dich.

 

Wenn einst des Wiedersehens Morgen tagt,

Umarmt es dich mit wonnevollem Blick;

Und was das finst`re Grab dir neu gegeben,

Das nimmt der Himmel dir nicht mehr zurück.

 

Ja wiederfinden wirst du, arme Waise,

Die Eltern, die so früh dein Herz verlor;

Ich weiß, du schaust mit tränen feuchten Augen

In jeder Nacht zum Sternenlicht empor.

 

Geduld mein Kind! du kannst zu ihnen gehen,

Wenn einst für dich die Scheidestunde schlägt;

Vielleicht, dass früher, als du jetzt es ahnest,

Ein Engel dich zu deiner Mutter trägt.

 

O, trockne deine Tränen, fromme Gattin,

Und halte ein mit deiner Wehmutsklag;

Du wirst den treuen Gatten wiedersehen

Am großen, hehren Auferstehungstag.

 

Im Reich der Sel`gen gibt es nicht mehr Trennung,

Weil dort nur ewiges Wonneleben blüht;

Und jene, die die Liebe hier vereinte,

Sie sind auch dort von heil`ger Lieb durchglüht.

 

Ihr alle, die ihr jetzt an Gräbern stehet

Und schmerzdurchglüht um teure Tote weint,

O, tröstet euch, da nach des Grabes Nächten

Des Wiedersehens süßer Tag erscheint!