Flos florum!

 

Ein Blütenstrauß im Monat Mai, der lieblichen Gottesmutter gewidmet

 

Schon sank dahin des Winters Macht.

Wie weht die Luft so lau!

Es naht die Zeit der Blumenpracht

Im Garten, Wald und Au.

Dann möchte fragen mancher Mund:

Ist wohl das Paradies

So blütenreich, so schön, so bunt

Als Garten, Wald und Wies?

 

Mein lieber Christ, der Blütenflor,

Den Lenz und Sommer beut,

Schließt auf des zagen Herzens Tor,

Schafft Lebensmut und Freud.

Doch wie vergänglich ist der Schmuck

Der Blüten dieser Erd!

Nach kurzer Frist der schwere Druck

Von neuem wiederkehrt.

 

Willst schauen du ein Blümchen fein,

Das nie verwelkt, verblüht,

Dann richt` empor die Seele dein

Mit gläubigem Gemüt:

Im Himmelsgarten, stets betaut

Von Gnad und Seligkeit,

Da prangt ein Blümlein, hold und traut,

Auf unermess`ne Zeit.

 

Maria ist das Veilchen lieb,

Das bei des Engels Wort

Bescheiden und voll Demut blieb

Am stillverborg`nen Ort;

Das bei der allerhöchsten Ehr –

Hoch über Sonn und Stern –

Nur sprach, der stolzen Welt zur Lehr`:

„Ich bin die Magd des Herrn!“

 

Maria ist die Lilie zart,

So rein und fleckenlos,

Die stets der Tugend Schmelz bewahrt

Im Staub, im Sturmgetos`

Umgeben von der argen Welt

Blieb unberührt ihr Sinn.

Rein war im dorndurchwühlten Feld

Ihr Herz von Anbeginn.

 

Maria ist das Blümlein treu,

Das leis zur Seele spricht:

„Mir darfst du nahen ohne Scheu,

Drum Kind, vergiss mein nicht!

In jeder Not, die dich ereilt,

Schlägt warm für dich mein Herz.

Vergiss mein nicht und unverweilt

Blick furchtlos himmelwärts!“

 

Maria ist die Sonnenblum`:

Sie war im Erdenland

Im Streben für des Schöpfers Ruhm

Dem Lichte zugewandt.

Dem einzig wahren Lichte galt

Mariens Red` und Tat;

Noch heut ihr Gotteslob erschallt

In dem Magnifikat.

 

Maria ist die Rosenblüt

In königlicher Pracht;

Aus ihrem Kelch die Liebe sprüht,

Die Gott in ihr entfacht.

Als weißes Röslein sie ertrug

Der Erde größtes Leid;

Als Röslein Rot nahm sie den Flug

Zur ew`gen Herrlichkeit.

 

So kann ich forschen ringsumher

Durch Garten, Wald und Flur –

Es ist das ganze Blütenmeer

Ein Bild Mariens nur.

Der Blumen Blüte, preisgekrönt

In Paradiesesau,

Erfreut, durchflutet und verschönt

Den ganzen Himmelsgau.

 

Maria, höchste Blüte du,

Wie dien ich dir so gern!

Dir möcht ich singen immerzu,

Du Mutter unsres Herrn.

O dass ich dich, vieledle Zier,

Zu loben würdig sei!

Gott schenk mir diese Gnad allhier

Und in der Sel`gen Reich!

 

(Hermann Steinhausen)