Erbarmende Liebe

 

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“

 

Verrauscht die hehren Orgelklänge,

Die wunderbaren Lobgesänge.

Nur süßer Weihrauchduft

Durchschwängert noch die Luft;

Leer sind die heil`gen Räume

Im stillen Dämmerscheine.

 

Dort vorne aber an dem Gitter

Kniet eine Frau; sie weint so bitter.

Gebeugt von schwerer Last,

Die sie erdrücket fast:

„Zu wem, Herr, soll ich gehen?

Erhöre du mein Flehen!

 

Du hast gelitten tausend Schmerzen,

Du gabst mit deinem Gottesherzen

An Liebe uns ein Meer.

O blick, mich rettend, her,

Du hast ja für die Armen

Nur Mitleid und Erbarmen.“

 

Hier an der Säule blieb ich stehen,

Musst immer nach dem Weibe sehen.

Sein Herz im Flammenglanz,

Im duft`gen Blumenkranz

Schien sie an sich ziehen.

Die roten Lampen glühen.

 

In dieses ewigen Lichtes Strahle,

Da sah ich, wie mit einem Male

Die Frau sich rasch erhebt

Und wie in Freude bebt.

O, gläubiges Verlangen!

Erhört – ist sie gegangen.