Die schmerzhafte Mutter am Pöstlingberg

 

(Friedrich J. Pesendorfer)

 

Es schaut vom Berg eine Kirche ins Land,

Die Donau rauscht im Tal.

O selig, wer diese Stätte fand

Mit einem Herzen voll Qual!

 

Dort wohnt des Pilgers Sehnsucht und Lust,

Sein Trost im bittersten Leid:

Mit sieben Schwertern in ihrer Brust

Die schmerzhafte Mutter und Maid!

 

Vom hohen Thron blickt tränenbleich

Sie hinab in das blühende Tal,

Sie segnet ihr Oberösterreich

Des Tags wohl tausendmal!

 

Zwei weiße, schlanke Türme stehn

Empor, schon sichtbar von fern.

Und die Glocken jubeln und locken und flehn:

Komm, Pilger, zur Mutter des Herrn!

 

Horch! Wallerlieder erklingen im Chor,

Die grüne Flut rauscht darein.

Auch du, mein Herz, zieh vom Tal empor,

Vom Dunkel zum Sonnenschein!

 

Aus der staubigen Tiefe zur reinen Höh,

Die Liebe beflügle den Fuß!

Und bringe der Dulderin all dein Weh

Mit Gebet und Liedern und Gruß!

 

Zwar rau ist der Pfad, ein Kreuzweg steil,

Doch droben – welch seliges Sein!

Der Blick wird so weit und das Herz wird heil,

Als zögest zum Himmel du ein!

 

Und spräche dein Leid jedem Trostwort Hohn

Und wär`s dir zu schwer und zu groß:

Stumm zeigt dir Maria den toten Sohn

Auf ihrem jungfräulichen Schoß!

 

O Herz! Lass den Kummer drunten im Tal,

Lass rauschen den Donaustrom!

Hier zieht aus der Brust dir das Schwert der Qual

Die Mutter beim sel`gen Willkomm!

 

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