Das Marienbild von Stepanowice

 

Der Kriegesbrand voll Macht und Graus

Zerstört auch hier ein Gotteshaus.

Da, wo gewohnt die ew`ge Lieb,

Eine Ruine nur verblieb.

Doch in den Trümmern hehr und mild

Erhalten blieb Marias Bild.

Ihr Mutterauge treulich wacht

Trotz Kampfestoben wilder Schlacht.

Hernieder in die Welt der Mängel

Blickt sie, die Königin der Engel.

Maria, Jungfrau der Jungfrauen,

Lass deiner Fürbitt uns vertrauen.

O mög durch dieses Himmelszeichen

Nun bald der Kampf dem Siege weichen.

Mögst du, wie dies schon oft geschehn,

Den Unsern treu zur Seite stehn.

Du heil`ge Mutter, hehr und rein,

O lasse dir befohlen sein

Das Volk, das treu an Gott geglaubt,

O schirm des Kaisers Silberhaupt.

Mög Gott in seiner Güte Walten

Den Teuren uns noch lang erhalten,

Dass er nach all den Schmerzensjahren

Mög Siegesruhm und Freud erfahren.

Hilf dort, wo Frau und Kinder klagen,

Dass christlich sie ihr Leid ertragen.

Verlass`ner Eltern nimm dich an

Auf ihrer rauhen Lebensbahn.

Wollst der Bresthaften, der Armen

In Muttertreue dich erbarmen. Und alle, die verlassen sterben,

Lass sie das Himmelreich erwerben;

Vom Schlachtfeld, aus dem Heldentod

Führ sie zu deinem Sohn und Gott!

Dir sei, schenkt uns der Herr den Frieden,

Des Herzens heißer Dank beschieden.

Drum rufen wir mit Herz und Sinn:

„Lob sei dir, Friedenskönigin!"

 

(aus „Ave Maria“, Heft 2, 1916, Rosa K.)