Bitte an das Mutterherz

 

O allerreinstes Mutterherz,

Wie bist du doch so treu!

Du teilst der Menschheit Glück und Schmerz,

Wie wenn`s dein eigen sei.

Kaum sprach zu dir des Engels Mund

Von deiner Base Heil,

So stehst du auf zur selben Stund`;

Die Lieb` drängt dich zur Eil`,

Leiht dir Flügel; über Hügel,

Berg und Tal dein Fuß nun geht,

Um zu grüßen mit dem süßen

Segensgruß – Elisabeth.

 

Kaum hat sie deinen Gruß gehört,

Hüpft auf das Kind in ihr;

Sie aber schaut – vom Geist belehrt –

Den ew`gen Gott in dir.

„Gesegnet“ – ruft sie freuderfüllt –

„Aus allen Frauen du;

Gesegnet, was dein Leib umhüllt;

Gesegnet seine Ruh`!

Welche Ehre, dass die hehre

Mutter meines Herrn mir naht!

Hab`s verspüret, wie gerühret

Froh mein liebes Kind sich hat!“

 

„Und selig du, weil du geglaubt;

Sieh`, alles wird erfüllt! –

Du aber neigst das reinste Haupt,

Und deinem Mund entquillt

Das herrliche Magnificat,

Das schönste Lobgebet,

Was je ein Mund gesungen hat,

So lang` die Erde steht.

Hoch in Weisen will ich preisen

Den, der Großes tat an mir.

Meine Seele, sie erzähle

Sein Erbarmen für und für!“

 

O allerreinstes Mutterherz,

Wie bist du doch so treu!

Wie stehst du uns in Freud und Schmerz

So gnadenliebreich bei!

Das tust du uns noch heut;

Nimmst teil an unser`s Lebens Bahn,

Geh` sie durch Lieb`, durch Leid!

Ja, du eilest, dass du teilest

Freud` und Leid – nach Mutterbrauch –

Mit uns allen, und dein Wallen

Bring der Welt des Segens Hauch!

 

O allerreinstes Mutterherz;

Komm` auch in unser Haus;

Bring` Gnaden mit, heil` sanft den Schmerz,

Treib Not und Sorge aus!

Sieh`, jedes Herz schlägt froh bewegt,

Ziehst du zum Hause ein,

Wie einst Johannes sich geregt

Beim Ton der Stimme dein!

Wir empfangen durch dein Nahen

Die Gewährung jeder Bitt`;

Wo du weilest, o da teilest

Allen du den Himmel mit.

 

O allerreinstes Mutterherz,

Such ` heim uns jederzeit,

Und leit` uns mild durch Freud und Schmerz

Zum Heim der Ewigkeit!

Wenn dort das Herz einst Wohnung hat,

Macht jubelnd unser Mund

Im ewigen Magnificat

Des Herrn Erbarmen kund.

Herz der Milde, zum Gefilde

Sel`gen Heil`s führ` du uns ein! –

Dich zu lieben, hier und drüben,

Das soll uns`re Wonne sein!