Allerseelen

 

Leise rauschen die Cypressen,

Und der Nebel wallt hernieder,

Wachet auf, ihr Menschenkinder,

Allerseelen ruft euch wieder.

 

Ruft euch wieder an die Grüfte,

Wo des Rosmarines Ranken,

Ernst und weich und mitleidsuchend

Um das stumme Kreuzbild schwanken;

 

Wo die weißen Leichensteine

Ernste Mahner steh`n, der Toten,

Die den Sonnentraum des Lebens

Tauschten mit dem feuchten Boden.

 

Vanitas! – Die Strahlen sinken,

Horch! schon weh`n die Abendglocken.

Niedersteigen zu den Grüften,

Altersschnee und blonde Locken.

 

Ruhet, ruhet in den Grüften,

Bis der Tag beginnt zu scheinen,

Der zu seligem Erwachen

Uns im Himmel wird vereinen.

 

Bis des Lebens matte Lampe

In des Todes Nacht verglommen,

Und der Heiland, den wir lieben,

Uns wird zu belohnen kommen.

 

Leise rauschen die Cypressen,

Und der Nebel wallt hernieder,

Ruhet sanft in kühler Erde,

Droben sehen wir uns wieder!