Schutzengel

 

Durch graublau dämmerndes Abendlicht

Wandern die Engel mit stillem Gesicht,

Treten heimlich in jedes Haus,

Breiten die schneeweißen Flügel aus.

 

Neigen sich tief über jedes Kind,

Draußen geht lauschend der Abendwind.

„Kindlein, hast du gebetet zur Nacht?“

Fragen sie heimlich, dass niemand erwacht.

 

Wie es die Hand des Engels berührt,

Hat es im Traum die Mahnung verspürt,

Und es erwacht. Ein Mondenstrahl

Silbern sich in die Kammer stahl.

 

Und es faltet die Hände fromm:

„Der Tag ist vergangen, Schutzengel, komm

Und halte an meinem Lager die Wacht,

Dass kein Feind mir schadet in dunkler Nacht.“

 

Da huscht der feine, hellsilberne Strahl

Durchs nachtdunkle Zimmer so weiß und schmal

Und gleitet ans Bett, sitzt still auf dem Rand,

Ein lieber Gruß aus dem Sternenland.

 

Das Kind schließt die Augen und träumt und lacht;

Schutzengel sitzt still auf dem Bett und wacht,

Die silbernen Flügel gebreitet weit

Bis zur grauen, dämmernden Morgenzeit.