O König meiner Seele

 

Ich ging hinaus zu schauen

Den König, groß und mild,

Der allen, die ihm trauen,

Gerechte Klagen stillt.

 

Er ist zu mir gekommen,

Bevor ich zu ihm kam.

Mir ward die Brust beklommen

Und doch so wundersam.

 

Zu ihm hab ich gesprochen

Von allem, was mich drückt,

Er hat mein Joch zerbrochen

Und huldreich mich beglückt.

 

Er hat mit mir geschlossen

Den engsten Freundschaftsbund,

Er nahm mich zum Genossen

Seit dieser Feierstund.

 

Auf dass er mir erfrische

Den tiefgebeugten Geist,

Hat er an seinem Tische

Mich königlich gespeist.

 

O, er umschlang mich innig!

Wie hat er mich gekost!

Er herzte mich so minnig

Und gab mir Lust und Trost.

 

Mit ihm vereint vergaß ich

Des Lebens Not und Qual,

Durch seine Kraft genaß ich

Von Wunden ohne Zahl.

 

Jetzt darf ich zu ihm kommen

Zu jeder, jeder Zeit

Ich werde aufgenommen

Mit größter Herzlichkeit.

 

Damit ich nicht erschrecke

Vor seinem Königsglanz,

Weilt er, wie im Verstecke,

gar klein in der Monstranz.

 

O König meiner Seele,

O Herr der Liebe du,

Zu allen Zeiten zähle

Mich deinen Freunden zu.