Nach der Trauung

 

Still brennen die Kerzen am Hochaltar, kein Lufthauch bewegt ihre Flammen;

An den Stufen im Nachmittagssonnenlicht kniet ein bräutliches Paar zusammen.

 

Noch knien sie still, die Stirnen gesenkt, ineinander geschlossen die Hände,

Darum sich die weiße Stola schlang. Das Wort von der Treu‘ bis zum Ende,

 

Das ernste Wort, das schwere Wort: „Bis dass einst der Tod euch scheidet . . .“

Das ist für sie – sie lächeln still – mit Friede und Glück umkleidet.

 

Durch hohe, bunte Fenster bricht der Sonne rotgoldenes Glühen;

Es nicken die Bäume und flüstern leis; sie stehen im ersten Blühen.

 

Ein Strauß von Rosen, der still und weiß unter Glas und Farnen erblühet.

Liegt auf dem Teppich am Hochaltar, der rot und warm sie durchglühet.

 

Der Mann hebt die Stirne und schaut ins Licht; ein Kreuz grüßt weiß aus der Höhe;

Er lächelt und nickt. „Ich weiß es wohl, du bleibst in unserer Nähe.

 

Komm immer zu mir und mahne mich, heb ich zu hoch meine Stirne;

Vergess‘ ich, was neben und unter mir ist, und greif nach dem höchsten Firne.

 

Doch schone die Blume, die neben mir blüht, gib ihr nur von deinem Lichte.“

Die Frau hebt die Augen und blickt empor, ein Lächeln im schönen Gesichte.

 

„Ich weiß, o Herr“, so betet sie still, „du schickst Freuden und Schmerzen;

Streu Rosen auf seinen Lebensweg; die Leiden gib meinem Herzen.

 

Du weißt es ja, ein Frauenherz kann ein Meer des Leidens ertragen;

Gib ihm die Rosen und mir das Kreuz; niemals, o Herr, will ich klagen.“

 

Durchs niedere, efeuumkränzte Tor gehen sie still ihrem Sommer entgegen.

Ein Leuchten auf ihren Stirnen liegt und Frühling auf allen Wegen!