Maria, Meeresstern

 

Es steht ein Stern am Himmel

In einsam ruhiger Pracht,

Und rings herum sind Wolken,

Und rings herum ist Nacht.

 

Es schwimmt ein Boot am Meere,

Das wiegen die Wellen wild,

Die Fluten donnern und brausen –

Der Schiffer lächelt mild.

 

Er sieht nicht die schwarze Tiefe

Sich öffnen so oft, so oft,

Er blickt nur nach seinem Sterne

Und hofft und hofft und hofft.

 

Wird nicht der Stern versinken

Im schwarzen Wolkentod –

Und werden die Wellen trinken

Nicht endlich Schiffer und Boot?

 

O kommen sie je zusammen,

Meerwandler und Meeresstern –

Der Stern und des Herzens Flammen,

Bleiben sie ewig fern?

 

Ich frag es bang, ich selber

Bin ja ein Schiffer der Nacht,

Weiß nicht, was ohne Antwort

Mich doch so selig macht:

 

Ein Singen und ein Klingen

Her über die Wogen fließt

Auf leisen Engelsschwingen:

„Du Meerstern, sei gegrüßt!“