Maria am Fuße des Kreuzes

 

Seht Ihr am Kreuze stehen

Die Mutter schmerzensreich?

Die nassen Augen sehen

Den Sohn – voll Blut und bleich,

Das Herz ist wie zerschnitten

Bis auf den tiefsten Grund;

Und trägt in seiner Mitten

Vom Sohn jedwede Wund!

 

Ein jeder Dorn der Krone

Bohrt sich ins Herz ihr ein,

Von all dem Spott und Hohne

Fühlt sie die schwerste Pein;

Die Nägel sind gedrungen

Ihr wie durch Bein und Mark,

Sie ist von Schmerz umrungen

Und dennoch still und stark!

 

So steht die Schmerzensreiche, -

Zu ihrem Sohn gewandt

Das Angesicht das bleiche, -

Gefaltet still die Hand;

Sie steht, und sieht es sterben,

Ihr einzig liebes Kind,

Und dieses Sohnes Erben,

Wir arme Sünder sind!

 

O Sünder, nehmts zu Herzen,

Wenn Ihrs noch nie bedacht:

Uns hat in Todesschmerzen

Er ihr vom Kreuz vermacht,

Sie hat es angenommen,

Das Erbteil, reich an Schmerz,

Und jeder darf nun kommen

An dieses Mutterherz!

 

Und quält Dich Deiner Sünden

So drückend schwere Last –

O komm! hier wirst Du finden

Vergebung, Ruh und Rast!

Bist Du von Kreuz umgeben,

Und weißt nicht aus, noch ein,

Hier wird Dein armes Leben

Doch reich an Frieden sein!

 

Ja, alles wird Dir werden

Dort, wo Maria steht; -

O drum, die Ihr auf Erden

Am Weg vorüber geht,

Mit Eurem Kreuze stellet

Zum Kreuz des Herrn Euch hin,

Maria zugesellet

Wird Leiden Euch Gewinn!