Karfreitag

 

Der Herzensschlag des Universums stockt,

Und bebend die Geschöpfe all sich neigen;

Am rauhen Kreuzesfuße wartend hockt

Das starre, atemlose Todesschweigen.

 

Es stirbt ein Gott! - Die Engel bargen tief

Ihr weinend Aug' im Antlitz, tränennassen,

Als todgeängstigt der Erlöser rief:

Mein Gott, mein Gott, wie hast Du mich verlassen.

 

Aus jammervollen Todeswunden fließt

Für uns das Heil in purpurroten Bächen.

Das Herz, das uns den Himmel neu erschließt,

Will heut' um unsre Schulden schuldlos brechen.

 

Zur Rechten ihm die Mutter steht und schweigt,

Unendlich jammerreich den Blick gewendet

Zum Kreuz, daran der Heiland sterbend neigt

Sein Haupt, und dann - hat er im Tod vollendet.

 

Da bebt die Erde, die sein Herzblut trinkt,

Die Felsenadern jäh im Weh zerspringen,

Anbetend Magdalena niedersinkt,

Das Kreuz in heißer Liebe zu umschlingen.

 

Es ist vollbracht! - Gesühnt die alte Schuld,

Zerbrochen fielen unsre Sklavenketten,

Als uns ein Gott in unnennbarer Huld

Durch seinen Tod zum Leben wollte retten.