In banger Stunde

 

„Horch, Mutter, horch! es heult der Wind

Und die Sonne will nimmer scheinen.

O wär` zurück von der wilden See

Der Vater meiner Kleinen!“

       „Beten will ich, Kind,

       Zur Mutter unseres Herrn:

       O nimm ihn du in Schutz,

       Maria, du Meeresstern!“

 

„Horch, Mutter, horch, es tobt die See;

Hoch bäumen die Wogen und rollen.

Lass mich zum Strande, ob ich erspäh`

Die Heimkehr der Fischerjollen!“

       „Beten will ich indes

       Zur Mutter unseres Herrn:

       O nimm ihn du in Schutz,

       Maria, du Meeresstern!“

 

„Weh, Mutter, weh! Die Leute am Strand

Uns`re Boote verloren geben.

Sie sagen, aus solchem brüllenden Sturm

Rette keiner sein Leben!“

       „Bete, bete, Kind,

       Zur Mutter unseres Herrn:

       O nimm ihn du in Schutz,

       Maria, du Meeresstern!“

 

„Weh, Mutter, weh! Die Nacht bricht herein!

In deinem Schoss lass mich weinen

In der rasenden Angst, dass ich Witwe bin

Und Waisen sind meine Kleinen!“

       „Bete, bete, Kind,

       Zur Mutter unseres Herrn:

       O nimm ihn du in Schutz,

       Maria, du Meeresstern!“

 

„Horch, Mutter, horch! Ich hör durch den Sturm

Nahender Schritte Gewimmel.

Mutter, Mutter, sie bringen ihn!

Nun Gnade mir Gott im Himmel!“

       „Beten will ich, Kind

       Zur Mutter unseres Herrn:

       Dass sie dir Kraft verleih`,

       Maria, der Meeresstern!“

 

„Nein, Mutter, nein – da schüttert ein Schritt –

Den kenn ich heraus unter allen!

Er ist`s! Er lebt! O jauchzendes Glück,

Das mir vom Himmel gefallen!“

       „Ich hab gebetet, Kind,

       Zur Mutter unseres Herrn.

       Sie gibt ihn dir zurück,

       Maria, der Meeresstern!“