Im stillen Kämmerlein

 

So heiß kann keine Träne sein,

Gott wischt sie ab im Kämmerlein.

Drum eile, armes Menschenkind,

Zu Gott mit deinem Weh geschwind!

 

Will dir die Welt so enge sein,

Sie weitet sich im Kämmerlein!

Da wird sie groß, da wird sie weit,

Da schlägt das Herz der Ewigkeit.

 

Wenn deine Sünden gellend schrein,

Geh, geh nur Kind, ins Kämmerlein!

Da legt Gott auf dein klopfend Herz

Das Kreuz; das nimmt dir allen Schmerz.

 

Quält dich der Tod mit düsterm Schein,

Er lächelt süß im Kämmerlein!

Sieht wie ein Engel aus

Und trägt das müde Kind nach Haus.

 

Drum kann mir nirgends wohler sein,

Als bei dem Herrn im Kämmerlein;

Gebeugtes Knie, erhobne Hand

Ziehn Himmelsluft ins Erdenland!