Heiliger Josef, Vielgetreuer!

 

Steht ein Bild vor meiner Seele,

Rührt mir stets das Herz aufs Neue:

In der niedern, armen Werkstatt

Josef steht, der Vielgetreue!

 

Heißes Tagwerk, schweres Mühen!

Von der Stirn ihm Tropfen rinnen;

Müde lässt die Hand er sinken,

Einen Augenblick zu sinnen.

 

Einen Augenblick zu schauen,

Um die Seele neu zu laben,

Nach der holden Jungfrau-Mutter

Und dem süßen Himmelsknaben.

 

Ehrfurchtschauernd, tief im Herzen

Hält er still sein Glück geborgen:

Dass des Gottessohnes zarte

Kindheit treu er darf umsorgen!

 

O, er kann´s ja nimmer fassen!

In den Staub er möchte sinken;

Demutsvoll in heißer Liebe

Dieses Kindes Anblick trinken.

 

O, er würde nimmer tauschen

Alles Glück des Erdenrundes

Um ein Kosen seiner Händchen,

Um ein Lächeln seines Mundes! . . .

 

Still, es schlummert! – Leise klingen

Unsichtbarer Englein Lieder - -

Neugestärkt zur harten Arbeit

Josef nimmt den Hobel wieder. –

 

Denk ich deiner großen Treue,

Will sich mir das Auge feuchten:

Josef, deine Vatergüte

Lass auch mir durchs Leben leuchten!

 

Henriette Brey