Ein Volkslied vom hl. Michael

 

Im Himmel tobte einst ein Streit,

Entfacht hat Hochmut ihn und Neid.

Der höchste Engel Luzifer

Wollt dienen Gott, dem Herrn, nicht mehr.

Längst war das Feuer angeschürt,

Gar viele Engel schon verführt,

Erfüllt von Stolz und eitlem Wahn,

Fing mit den andern Streit er an.

Ich bin wie Gott, so rief er laut,

Den guten Engeln vor ihm graut;

Scheu wichen sie vor ihm zurück,

Als jäh sie traf sein böser Blick.

Fest sprachen sie: „Wir bleiben treu.“

Die bösen riefen: „Macht euch frei

Und dient mit uns dem Luzifer,

Er sei von jetzt an unser Herr!“

Der Lärm und Streit ein Ende nahm,

Als Michael zu Hilfe kam,

Zeigt Luzifer den blanken Schild,

Der stürzt hervor, haut um sich wild.

St. Michael sein Schwert ergreift,

Der Himmel dröhnt, die Erde weicht,

Ein greller Blitz durchzuckt die Luft,

Weit tut sich auf die Höllenkluft.

Der Satan stürzt in sie hinein,

Sein ekler Anhang hinten drein.

St. Michael, umstrahlt von Licht,

Tritt hin vor Gottes Angesicht;

Gott hob ihn in den Fürstenstand,

Gab Schild und Schwert in seine Hand.

St. Michael, wir flehn dich an,

Wenn unsre Sterbestund tut nahn,

Der Satan uns mit Angst erfüllt,

Verteidige uns mit Schwert und Schild!

Führ unsre Seele himmelan,

Wo niemand mehr ihr schaden kann!

 

                                      Elise Schmid