Die verlassene Kapelle

 

 

Es steht ein lockiges Jesuskind

In einem gläsernen Schrein.

Zur Türe pfeift der eiskalte Wind

Und Flocken wirbeln herein.

 

Wohl neigen die weißen Bäume sich

Wie Wächter treu und still –

Das heilige Kind friert bitterlich

Im Flitterröcklein aus Tüll.

 

Seine wächsernen Wangen sind so blass,

Die Finger verkrampft in Weh.

Der Sturmwind tobt ohne Unterlass

Um die Kapelle im Schnee.

 

Du armes, verstaubtes Jesulein,

So ganz verlassen bist du?

Kommt keiner mehr zum Beten herein

Und macht deine Türe zu?

 

Einst kamen sie scharenweis zu dir

Von nah und ferne heran.

Sie brachten dir tausend Bitten für

Und flehten um Wunder dich an.

 

Nun ist so kalt und nüchtern die Zeit;

Der Hass auf Erden regiert. –

Vergessen steht im silbernen Kleid

Das Jesuskindlein und friert.