Die segnende Priesterhand

 

Man braucht sie am Morgen des Lebens

Und auch, wenn uns nahet der Tod,

Wir fühlen so warm sie im Glücke,

Noch mehr in den Tagen der Not;

Der Reiche sowohl wie der Arme

Tritt schuldbeladen ins Land,

Dann streckt sich ihm hilfreich entgegen –

Die segnende Priesterhand.

 

Tagtäglich an Gottes Altare,

Wenn kaum noch der Morgen erwacht,

Da zeigt sich dem gläubigen Auge,

Wie groß der Herr sie gemacht:

Da trägt sie voll Ehrfurcht und Liebe

Den Heiland, so vielfach verkannt,

Da strahlet in himmlischer Würde –

Die segnende Priesterhand.

 

Und sind wir gestrauchelt und wandern

Auf Pfaden der Sünde und Scham,

Wer war es, der dann voll Erbarmen

So oft uns die Sünden abnahm?

Und wenn zwei Herzen sich finden,

Zu knüpfen das heilige Band,

Dann einigt und segnet sie wieder –

Die segnende Priesterhand.

 

Wenn krank wir uns winden in Schmerzen

Und Jammer und Elend uns plagt,

Dann ruft man den Priester der Kirche,

Weil menschliche Hilfe versagt:

Er bringt dann der Seele die Zehrung

Zur Reise als sicheres Pfand.

Dann salbt uns mit heiligem Öle –

Die segnende Priesterhand.

 

Gott! Segne mit himmlischem Segen

Des Priesters geheiligte Hand,

Die täglich in heiliger Demut

Das himmlische Manna umspannt!

Und naht einst am Abend des Lebens

Der Tod sich mit eisiger Hand,

Dann gebe uns Mut und Vertrauen –

Die segnende Priesterhand!