Die kleine Schwalbe

 

An einem alten Kirchturm,

Vor Sturm und Regen geschützt,

Hängt sonnenwarm ein Nestlein,

Auf dem ein Schwälbchen sitzt.

 

„Nur mutig!“ sagt die Mutter,

„Öffne die Flügel dem Wind,

Breite sie ganz auseinander

Und schwinge dich vorwärts geschwind.“

 

Die kleine Schwalbe zögert:

„Siehst du die Tiefe nicht,

Wie klein und schwach meine Flügel?“

Die Mutter aber spricht:

 

„Als ich mich niederstürzte

Von unserm hohen Dach,

Hat der liebe Gott mich getragen,

Da ich wie du noch so schwach.“

 

Da öffnet die kleine Schwalbe

Die leichten Flügel dem Wind,

Breitet sie weit auseinander

Und schwingt sich vorwärts geschwind.

 

Und fliegt schon – welch ein Wunder!

Und fürchtet sich gar nicht mehr –

Rund um den ganzen Kirchturm

Zum Nestchen wieder her.

 

Und singt dann mit der Mutter

Voll Dank für den ersten Flug

Ihr schönstes Schwalbenliedchen

Dem Herrgott, der sie trug.