Die beiden Fenster

 

Es sind zwei kleine Fensterlein

In einem großen Haus,

Da schaut die ganze Welt hinein,

Die ganze Welt heraus.

 

Ein Maler sitzet immer dort,

Kennt seine Kunst genau,

Malt alle Dinge fort und fort

Weiß, schwarz, rot, grün und blau.

 

Dies malt er eckig, jenes rund,

Lang, kurz, wie´s ihm beliebt;

Wer kennet all die Farben und

Die Formen, die er gibt!

 

Ein Zaubrer ist´s, das sag ich kühn!

Was fasst der Erde Schoß,

Das malt er auf ein Fleckchen hin

Wie eine Erbse groß.

 

Auch was der Hausherr denkt und fleht,

Malt er ans Fenster an,

Dass jeder, der vorüber geht,

Es deutlich sehen kann.

 

Und freut der Herr im Hause sich,

Und nimmt der Schmerz ihn ein,

Dann zeigen öfters Perlen sich

An beiden Fensterlein.

 

Ist´s schönes Wetter, gute Zeit,

Da sind sie hell und lieb;

Wenn´s aber fröstelt, stürmt und schneit,

Dann werden sie gar trüb.

 

Und geht des Hauses Herr zur Ruh,

Nicht braucht er dann ein Licht;

Dann schlägt der Tod die Laden zu,

Und ach! das Fenster bricht.