Der Hirtenjunge

 

Als zu Betlehem im Stalle

Lag das zarte Jesulein,

Kamen, um es anzubeten,

Viele Hirten groß und klein.

 

Unter diesen auch ein Knabe,

Gar ein armes Waisenkind,

Dieser konnt´ die Flöte blasen

Wie ein Engel süß und lind.

 

Weil er nichts zu geben hatte,

Selber Not und Hunger litt,

Nahm er zu dem Kind im Stalle

Seine kleine Flöte mit.

 

Stellt sich schüchtern in den Winkel,

Blies daselbst ein sanftes Lied,

Eine schlichte Hirtenweise,

Aus dem innersten Gemüt.

 

Und das Kindlein, dem die Träne

Erst noch aus den Äuglein rann,

Musste lächeln und sich freuden,

Als der Musikant begann.

 

Hoch entzückt, dass solch ein Spielchen

Konnt´ das Jesulein erfreu´n,

Lud Maria drauf den Knaben

Gern zum Wiederkommen ein.

 

Alle Tage kam der Kleine,

Wenn Mariens Wink ihn rief,

Spielte auf der Hirtenpfeife,

Bis das Jesuskindlein schlief.