Das Glöcklein im Herzen

 

Es pocht dein Herz den ganzen Tag;

Was nur es meinen und sagen mag?

Es pocht dein Herz die ganze Nacht;

Sag, hast du das auch schon bedacht?

 

Und pochts so lang, oft laut, oft still,

Hast du gefragt, was das Herz wohl will?

Ein rührig Glöcklein ist es eben,

Vom lieben Gott dir zu eigen gegeben;

 

Er hings an deiner Seele Tür

Und läutet es selber für und für,

Und stehet draußen und wartet still,

Ob deine Liebe ihm öffnen will.

 

„Ach, steh vor der Tür und klopfe an;

Mach auf! Es steht dein Heiland dran!“

Er läutet weiter und wartet dein.

Ob du willst rufen: „Herein! herein!“

 

So pocht dein Herz wohl Tag für Tag,

Und endlich tuts den letzten Schlag.

Und mit dem letzten, den es getan,

Da pocht es selber am Himmel an;

 

Und stehet draußen und wartet still,

Ob ihm sein Heiland öffnen will.

Und stehet draußen und wartet sein,

Er wolle rufen: „Herein! herein!“

 

Und wolle sprechen: „Komm lieber Gast,

Ich fand bei dir auch stets Rast.

Wie du getan, so gescheh dir heut:

Geh ein in des Himmels Seligkeit!“