Lesejahr C

 

1. Adventssonntag - C

 

Jer 33,14-16

1 Thess 3,12-4,2

Lk 21,25-28.34-36

 

Wenn all das geschieht, die Zeichen des Endes, das Wiederkommen des Herrn, dann sollen wir unsere Häupter erheben, denn unsere Erlösung ist nahe. Das ganze Gegenteil wollen wir aber angesichts des Elends und der Gefahren in unserer Welt tun: uns am besten ein- und abschließen und am liebsten wegducken anstatt unser Haupt zu erheben. Bei all den Gefahren durch Atheismus und Islamismus und Kriminalität und Sittenlosigkeit sollen wir keine Furcht haben, sollen wir nach vorn und nach oben schauen? Aber der Herr kommt uns entgegen und schaut uns an. Was für ein Blick! Aber wir können doch nicht alles aufgeben, was uns hier wichtig ist: das schöne Haus, das tolle Auto, die Urlaubsreisen, der Genuss beim modischen Kleiden und anderem Geldausgeben. Aber all das wird vergehen! Allerdings auch das wird vergehen, was uns hier und heute Sorgen macht: Krankheiten, Leiden, Einsamkeit, Unverständnisse, finanzielle Nöte, berufliche und familiäre Schwierigkeiten. Auch all das wird vergehen. Der Herr kommt uns entgegen und schaut uns an. Was für ein Blick! Wir können angesichts des Kommen des Herrn nicht so weitermachen wie bisher. Und wir sollten den Herrn auch nicht aus Angst oder weil wir uns seiner schämen verleugnen. 

 

Zur Zeit der Französischen Revolution, in der katholische Priester zu Hunderten hingerichtet wurden, fielen auch einige Priester aus Ehrgeiz oder um ihr Leben zu retten, vom Glauben ab. Unter diesen befand sich sogar ein Bischof namens Johann Joseph Gobel. Dieser erklärte vor dem Nationalkonvent, dass er die neue Religion der Freiheit und Gleichheit annehme. Bald darauf folgte der Lohn für seinen Verrat. Er fiel bei Robespierre im Ungnade, und dieser verurteilte den 77jährigen Greis 1794 zur Guillotine. Jetzt sah Gobel sein schweres Verbrechen ein und bereute zutiefst, dass er Volk und Priestern ein so furchtbares Ärgernis gegeben hatte. Am Tag vor seiner Hinrichtung schrieb er an seinen Vikar: "Morgen werde ich mein Verbrechen gegen Gott und die heilige Religion durch den Tod sühnen. Da ich mündlich nicht beichten kann, so schicke ich Ihnen hier schriftlich mein Sündenbekenntnis. Ich bitte Sie um Ihre geistliche Hilfe. Kommen Sie morgen unbemerkt zur Pforte des Kerkers und erteilen Sie mir in aller Stille die priesterliche Lossprechung. Bei der Lossprechung wollen Sie aber ja nicht die Worte vergessen: ab omni vinculo excommunicationis!" Hoffentlich wurde dem reuigen Apostaten die Pforte des Gefängnisses durch die priesterliche Lossprechung zum Tor in eine glückliche Ewigkeit.

 

"Richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe!" Das erhobene Haupt drückt auch schon jetzt und bei uns das christliche Selbstbewusstsein aus gegenüber einer geduckten und depressiven Haltung. Wir wollen angesichts der Bedrohungen durch den teuflischen Atheismus und der Gefahren durch die Unterwerfung unter den Islam nicht den Kopf hängen lassen. Das Evangelium fordert uns auf, die Übersicht zu behalten. Der Herr behält, was auch immer kommen mag, sein schöpferisches Schaffen und Gestalten fest in der Hand: er kommt wieder "mit großer Macht und Herrlichkeit". Er kommt uns entgegen und schaut uns an: Werdet mehr und mehr zu Heiligen, zu Menschen, wie Gott sie haben will, zu Menschen, die die materielle Wirklichkeit nicht verachten oder sich vor ihr fürchten, aber ihre Hoffnung ganz auf die himmlische setzen, werdet zu Menschen, die, weil sie den Herrn mit ganzem Herzen lieben, das endgültige Erscheinen seines Reiches ersehnen, und nach Kräften an seinem Kommen arbeiten, werdet endlich zu Menschen, die als Freunde Christi in dieser Welt leben und daher auch seine Gebote halten, auch wenn andere darüber spotten und lächeln mögen. So erheben wir zuversichtlich unsere Häupter, weil wir wissen, unsere Erlösung ist nahe, und verlassen wir uns bei all den Stürmen dieses Lebens auf unsere himmlische Schützerin.

 

Louis Veuillot, der französische Autor und Journalist, erzählt, wie er einmal auf dem Postschiff von Marseille nach Rom fuhr. Schon am ersten Tag erhoben sich die Anzeichen eines heftigen Sturms. Daher wurde manchem Mitreisenden ernstlich bang. Aber der Kapitän beruhigte sie: "Es wird ein heilloses Unwetter geben und es wird auch andauern, doch fürchten Sie nichts, der Kapitän hat Glück! Ich lebe jetzt fünfzig Jahre auf der See, aber noch nie hat mich ein schwerer Unfall betroffen. Gehen Sie also ruhig in Ihre Kabinen und schlafen Sie wohl, der Kapitän hat Glück." Dabei deutete er auf ein kleines Muttergottesbild, vor dem ein Lichtlein brannte: "Sehen Sie, sie ist es, die mich beschützt."

 

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2. Adventssonntag - C

 

Bar 5,1-9

Phil 1,4-6.8-11

Lk 3,1-6

 

Johannes, der Sohn des Zacharias, zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Der gottselige Jesuitenpater und Martyrer Alfred Delp hat den Satz geprägt: "Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst". Unsere Gewohnheiten sollen erschüttert werden, unsere Denkmuster, unsere Erstarrungen. Wir haben den kostbaren Schatz der Wahrheit unseres Glaubens, den wir bewahren müssen, aber wir dürfen dies nicht in Trägheit tun oder gar im Schlaf. Wir brauchen etwas, was uns lebendig und wach hält, was uns erschüttert. Und das will uns der Advent in der Buße geben: das Wachwerden und Wachbleiben hinsichtlich unseres Glaubens und eine Lebensgestaltung, die dem katholischen Glauben gemäß ist. Und solche Erschütterung meint der Bußprediger Johannes der Täufer, wenn er von Umkehr spricht. Wachwerden führt zur Wachsamkeit, damit wir nicht mit den Wölfen heulen, damit wir uns nicht ängstigen, wenn wir allein dastehen, weil wir uns eigene Gedanken machen, damit wir uns nicht wie ein Fähnchen drehen, damit wir vorm Zeitgeist wohl bestehen. Nur der wache Mensch, der bereut, bekennt und Buße tut, ist fähig zu hören und zwischen den Zeilen des Mainstream zu lesen, er ist fähig zum Aufnehmen, zum Handeln. Solch adventliches Erschüttert- und Wachsein fasst der heilige Augustinus in einem Gebet zusammen: "Gott, von dir sich abwenden heißt fallen, zu dir sich hinwenden heißt aufstehen, in dir bleiben heißt sicheren Bestand haben. Gott, dich verlassen heißt sterben, zu dir heimkehren heißt neu zum Leben erwachen, in dir weilen heißt leben."

 

Der heilige Joseph Labre pflegte zu sagen: "Die Sünder, die zur Beichte gehen, sind von dreierlei Art. Wenn sie aus dem Beichtstuhl herauskommen, teilen sie sich und bilden gleichsam drei Prozessionen, die in drei ganz verschiedenen Richtungen auseinander gehen. Die erste Prozession bilden die wahren Büßer. Sie haben ihr Gewissen gut erforscht, alle Sünden herzlich bereut, gut gebeichtet, einen festen Vorsatz gefasst, und nun nach der Beicht zeigen sie, dass es ihnen ernst ist mit Beichte und Genugtuung: durch Besserung des Lebens, freiwillige Bußwerke, Gewinnung von Ablässen usw. Sind diese Büßer treu, so kommen sie nach dem Tod gleich in den Himmel in Gottes Herrlichkeit. Aber die Zahl dieser Büßer ist sehr gering. Die zweite Prozession besteht aus halben Büßern. An ihrer Beichte fehlt vielleicht nichts, sie klagen sich demütig, aufrichtig, reumütig ihrer Sünden an, aber es fehlt ihnen am rechten Eifer, an der rechten Ausdauer in Abtötung und guten Werken. Und so sterben sie zwar in Gottes Freundschaft, aber sie dürfen vielleicht noch lange nicht vor ihm erscheinen, sondern müssen sich im Fegfeuer von ihren Sündenmakeln reinigen. Die dritte Prozession endlich bilden die falschen Büßer, und ihre Zahl ist sehr groß. Es sind alle die, die aus irgend einem Grunde unwürdig und darum ungültig beichten. Das Heilmittel des Sakramentes wird für sie ein tödliches Gift. Der Weg, der sie zum Himmel führen sollte, bringt sie in die Hölle. Dort werden sie ewig darüber seufzen, dass sie das Heilige missbraucht haben zu ihrem eigenen Unheil." In welcher der drei Prozessionen mag Gottes allwissendes Auge jeden von uns erblicken? 

 

Heute, in den Tagen des Überflusses und Konsums in unserem Land, erschallt die Stimme des Rufenden in der Wüste. Kaum einer will verzichten, kaum jemand etwas ändern, obwohl wir alle wissen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wir alle haben tief in uns ein Änderungsbedürfnis, aber kaum einer wird dies zugeben. Der Christ, der heute ernsthaft dem Herrn und Erlöser den Weg bereiten möchte, erkennt schnell, dass Jesus dank günstiger Modeströmungen hier und da mal gefragt ist, aber nicht, wenn zu Umkehr und Buße aufgerufen wird. Das Unglück der meisten Menschen heute besteht darin, keine Sehnsucht mehr zu haben nach Erlösung, nach Umkehr und Erneuerung. Der Mensch genügt sich selbst und verstopft sein Herz lieber mit selbstgemachten und ganz kleinen Erfüllungen, die nicht selten sittlichen Verirrungen entspringen. Und diese Verirrungen bauen dann auch Blockaden auf, die uns verschließen für den Anruf des Herrn und den Bußruf des Johannes. Johannes aber sagt unverblümt, dass diese Blockaden und Sperren abgerissen werden müssen.

 

Ein Mann der sogenannten gehobenen Gesellschaft, der schon seit Jahren keine Kirche mehr besucht und keine Sakramente empfangen hatte, kam gelegentlich eines Trauerfalles wieder in ein Gotteshaus. Gelangweilt musterte er Menschen und Dinge rings um ihn. Da fiel sein Bild plötzlich auf ein Bild: König David lag auf den Knien, Tränen flossen aus seinen Augen, und ein Engel fing sie in einer goldenen Schale auf, um sie vor Gottes Thron zu tragen. Unter dem Bild standen die Worte: "David hat nur einmal gesündigt und dann immer geweint, und du sündigst immer und weinst nie!" Text und Bild beeindruckten den sonst sehr nüchternen Mann merkwürdigerweise so sehr, dass er den ernsten Vorsatz fasste, diese Wahrheit mit all ihren Konsequenzen auf sich anzuwenden und von nun an ein wahrhaft christliches Leben zu führen.

 

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3. Adventssonntag - C

 

Zef 3,14-18a

Phil 4,4-7

Lk 3,10-18

 

"Das Volk war voll Erwartung", heißt es im heutigen Evangelium, "und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei." In dieser Erwartungshaltung kann uns das Volk von damals ein wirklich großes Vorbild sein. Denn als der Sohn Gottes, Jesus Christus, im Alten Bund noch verborgen war in der Stimme Gottes und sich nur im verheißenden Wort der Propheten vernehmen ließ, hatten die Glaubenden unter den Juden vielleicht einen wacheren Sinn für das Erscheinen des Messias als wir Christen heute es haben für das Kommen des Herrn zum Gericht, für seine angekündigte baldige Erscheinung. Wie oft überlassen wir, aufgeklärten Christen, die Sehnsucht nach und das Hoffen auf die Wiederkunft des Herrn lächelnd und großzügig den sogenannten Sekten. Die Gläubigen des Alten Bundes aber haben die Einheit dessen begriffen, was die Offenbarung, die Weissagungen, das Sichneigen Gottes über seine Schöpfung, was das Kommen des Messias mit all den dazugehörenden Verheißungen betrifft. Sie wussten: all das gehört zusammen. Und lebte der Jude im Glauben und in der Furcht Gottes, so verstand er dies doch auch als Vorfreude auf die Erscheinung des Herrn. Beides, das Alte, das was gerade geschieht und das Kommende ist für ihn ganz lebendig eins. Und so war er unter Umständen besser auf das Kommen des Herrn vorbereitet als manche Christen, deren Frömmigkeit sich immer mehr an Oberflächliches und Nebensächliches verliert, an einseitige Andachten, an abseitige Spekulationen oder an einseitige Sozialarbeit, was alles die Aufmerksamkeit für die eine große Erscheinung des Herrn für alle schwächt. 

 

Am 13. Oktober 1907 starb zu Innsbruck P. Franz Hattler SJ, der sein ganzes schriftstellerisches Wirken in den Dienst der Herz-Jesu-Verehrung gestellt hatte. Als ihm der Priester die heilige Wegzehrung reichen wollte, richtete sich der 78jährige Greis auf seinem Krankenlager auf und betete als letztes Bekenntnis seines Glaubens in tiefer Sammlung und mit gefalteten Händen die letzte Strophe des Hymnus "Adoro te devote": "Jesus, tief verschleiert seh` ich hier dein Bild, / gib, dass mein Verlangen einst in dir sich stillt! / Lass mich ohne Hülle schau`n dein Angesicht / und mich selig leben einst im Glorienlicht!"

 

Wie die gläubigen Juden im Alten Bund dem prophezeiten Kommen des Herrn in Geduld entgegensahen, so blieb auch der Sohn Gottes im gleichen Warten, bis die Zeit erfüllt war. Er wartete sozusagen auf sein eigenes Kommen. Jesus Christus war schon in der Ewigkeit beim Vater die Geduld, und er bringt die Geduld mit auf die Welt. Der Jude, der durch Jahrtausende die Erfüllung der Verheißung erwartet hat, muss, wenn er Christ wird, ein neues Bleiben in der Geduld des Herrn erlernen. Die Geduld der Juden und die Geduld des wartenden Herrn fließen im Neuen Bund wie zwei Ströme zusammen zur christlichen Geduld. Johannes sagt: "Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren." Zur Geduld des Wartens gesellt sich die tiefe Demut des hl. Johannes. Ohne die Demut kann keine Liebe zu Gott und zu Gottes Sohn entstehen. Keine Liebe würde wachsen, wenn sie nicht ihr Gegengewicht in der Demut hätte. Wer glaubt, der muss dem Herrn die Freiheit lassen, zu kommen, wann er will und wie er will. Der Mensch will vielleicht Anderes. Und dieses Freilassen ist die Demut. Es gibt sicher Formen der Demut, die der Mensch üben und von sich aus beherrschen kann, eine Art Meisterschaft in der Demut kann von Menschen veranstaltet werden. Aber die Größe der Demut liegt letztlich nicht beim Menschen, sondern im Herrn. Und wir wissen: Der Herr ist die Liebe! Darum demütigt er, und wenn er es tut, dann aus Liebe. 

 

Ein Geistlicher aus Deutschland kam in Ägypten mit einem jungen Mohammedaner ins Gespräch. Dieser hatte eine Zeitlang an der großen arabischen Universität Alkazar in Kairo studiert und außerdem in Berlin. So konnten sie sich ganz gut bald deutsch, bald französisch unterhalten. Der junge Ägypter - Bankbeamter von Beruf - war ein begeisterter Anhänger des Propheten, den er immer wieder den "Gottgesandten" nannte, der nach Allahs Willen über alles herrschen müsse, was zum wahren Glauben berufen sei. Jesus ließ er gelten als einen "anderen" Propheten. Auch stimmte er zu, dass "Isa" einst kommen werde zum Weltgericht. Hier kamen sie nun auf den Unterschied zwischen Christentum und Islam zu sprechen. Der Deutsche stellte dem jungen Moslem die Frage: "Mohammed hat den Kampf verkündet, den Glaubenskampf gegen alle Welt. Hat aber Mohammed auch nur einer einzigen Seele gedient?" "Gedient!" fragte der junge Mohammedaner erstaunt zurück. "Der Prophet dient nicht, er befiehlt, er herrscht. Er fordert Gehorsam." "Sehen Sie, Jesus aber kam nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Sein Leben war bis zum Tod ein einziges demütiges Dienen für andere. Hingabe und Demut bis ins Letzte, bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz." Da sprang der andere auf, und mit der heftigen Bewegung, die den sonst so geruhsam scheinenden Morgenländer plötzlich verwandelt, rief er in höchster Erregung: "Das kann ich nicht fassen! Das kann doch nicht wahr sein! Das will ich nicht glauben! Damit kann ich nichts anfangen!"

 

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4. Adventssonntag - C

 

Mich 5,1-4a (5,2-5a)

Hebr 10,5-10

Lk 1,39-45

 

"Aus der Chronika eines fahrenden Schülers" ist eine Erzählung von Clemens Brentano. Und der wahrhaft schönste Abschnitt in seinem Werk ist wohl der folgende: "So kam ich zur Armut, als ich zur Welt kam. Aber ich bin doch nicht lang arm geblieben; denn ich fand eine unaussprechlich liebe Mutter; die ließ mich an ihrem Herzen schlummern, und sah auf mich nieder mit sorgenden Liebesblicken, und weckte sie mich nicht mit ihren Tränlein, die auf mich niederfielen, so weckte sie mich mit Küssen.“ Auf das Kind, das Maria unter ihrem heiligen Herzen in die Berge zu Elisabeth trägt, wartet auch nicht Armut alleine, sondern auch eine unaussprechlich liebe Mutter. Maria klingen noch die Worte des Engels in der Seele, sein Gruß an die "Gnadenvolle". Und nun wird sie hier im Haus des Zacharias wieder begrüßt als "Gebenedeite". Sie jedoch sieht von sich ab und bedenkt vielmehr, was wir ihr im Lied singen: "Von deinem lieben Sohne kommt all das Leuchten dein". Von der gebenedeiten Frucht deines Leibes. Der Stall, das Stroh, die widrigen Umstände, die Tiere, der Schmutz, die Gefahren, der Geruch und die Kälte sind dabei nicht störend, wenn sie ihr Kind zur Welt bringt. Sie wickelt es in Windeln, die sie mitbrachte, damit ihr Kind weich liegt, und sie hüllt es ein in die wunderbare Wärme ihrer mütterlichen Liebe. Clemens Brentano:

"O Mutter halte dein Kindlein warm,

Die Welt ist kalt und helle,

Und trag es fromm in deinem Arm

An deines Herzens Schwelle."

Maria steht an der Schwelle zum Fest, zum hohen Fest der Geburt des Herrn, ihres göttlichen Kindes.

 

Das Hirtenmädchen Melanie von la Salette wurde als kleines Kind von ihrer Mutter unmenschlich verfolgt und gequält. Oft musste sie ganze Nächte in Sturm und Wetter außerhalb des Hauses zubringen, weil die Mutter nicht bei guter Laune war. Nie bekam sie ein liebes Wort oder eine Liebkosung. Da sagte ihr eines Tages das Jesuskind: "Ich werde dir eine gute Mutter geben!" Kurz darauf erschien der Kleinen die Mutter Gottes in wunderbarer Schönheit. Jetzt war das Kind überglücklich und brachte vor lauter Seligkeit nur das eine Wort heraus: "Mutter!" Sie hatte ihre wahre Mutter gefunden. 

 

Diese Begegnung zwischen dem Vorläufer Johannes und dem Herrn ereignet sich auf eine überaus wundervolle Weise. Beide leben noch im Schoß ihrer Mütter und dennoch geschieht schon Begegnung, heilige Begegnung schon vor der Geburt. So haben wir Gelegenheit an das ungeborene menschliche Leben zu erinnern, das so oft gefährdet ist. Nach Statistiken, die der Realität sehr nahe kommen, werden allein in Deutschland in jedem Jahr weit über 100.000  ungeborene Menschen abgetrieben - getötet, - insgesamt sind es in Deutschland seit der entsprechenden Gesetzgebung schon ungefähr 6 Millionen Babys, die nicht leben durften. In anderen europäischen Ländern sind es vielleicht noch höhere Prozentzahlen. Und die Zahl derjenigen, die sich über dieses Morden empören, scheint niedriger zu werden. In diesem Zusammenhang ist auch die verlogene Formulierung vom "werdenden Leben" im Mutterschoß zurückzuweisen. Es ist menschliches Leben, es ist ein Mensch, der da getötet wird. Und auf diesen Menschen trifft auch die Bestimmung des Grundgesetzes der Bundesrepublik zu: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schätzen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." (GG Art. 1/1)

 

Aus dem Brief einer Ehefrau und Mutter in der Schrift "Um das Leben der Ungeborenen" (Berlin, 1923) als trauriges Beispiel für den Einfluss des Ehemannes auf das Schicksal der Ungeborenen: "Es wird überall und immer geglaubt, dass Mütter die Schuld tragen, wenn sie ein keimendes Leben töten. Dem ist oft nicht so! - Ich fühlte mich zum dritten Mal Mutter und sagte dies eines Tages meinem Mann. Da sah er mich wütend an und sagte, dass er das auf keinen Fall dulden werde. Was sollte ich tun? Ich wusste nicht mehr was Recht und Unrecht ist in meiner Verzweiflung. Ein paar Tage vergingen. Ich unternahm nichts, weil ich im stillen hoffte, mein Mann würde anderen Sinnes werden. Da fragte er mich eines Tages, wie es sei. Als er die Wahrheit erfuhr, schimpfte und fluchte er ganz fürchterlich und sagte dann tagelang kein Wort zu mir. Da versprach ich ihm in meiner Verzweiflung, zu einer "Weisen Frau" zu gehen, und er antwortete, dass er mich begleiten werde, um sich zu überzeugen, dass ich wirklich hingehe. Nun lernte ich meinen Mann kennen. Grausam und brutal war er. Mir graute vor ihm. Ja, ich muss bekennen, es starb damals nicht nur das Kind unter meinem Herzen, sondern auch die Liebe zu meinem Mann! Kalt ist es in mir geworden, und gleichgültig lebe ich die Tage dahin. Es ist mir bitter schlecht gegangen. Der Arzt musste kommen, und ich verlor viel Blut. Lange Zeit konnte ich mich nicht erholen. Ich bin blutarm geblieben bis auf den heutigen Tag."

 

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Die 3 Weihnachtsmessen

Siehe Lesejahr A

 

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Fest der Heiligen Familie - C

 

1 Sam 1,20-22.24-28

1 Joh 3,1-2.21-24

Lk 2,41-52

 

Geboren wurde der Sohn Gottes in einem Stall auf den Feldern, nicht in der Geborgenheit einer warmen Herberge. Gott wird Mensch und die Welt hat keinen Platz für ihn. Er musste mit seinen Eltern flüchten. Die Eltern, Maria und Josef, waren eher arm als reich, der Junge lernte früh Arbeit und Not und Sorgen einer kleinen Familie kennen. Später dann war er ein Wanderprediger und führte zusammen mit seinen Jüngern ein rastloses und entbehrungsreiches Leben. Anerkennung und Erfolg sind nicht die treffenden Worte, wenn man dieses Leben der Heiligen Familie beschreiben will. Dann wurde er obendrein noch verfolgt, angeklagt, verraten und mit 33 Jahren gekreuzigt. Auf so vieles hat Jesus Christus in seinem Leben verzichtet, aber er hat nicht auf eine Familie verzichtet. Er sollte in einer Familie geboren werden, aufwachsen, lernen und spielen, von Eltern begleitet und beschützt werden. Ungefähr 30 Jahre hat er in seiner Familie gelebt und gearbeitet und gebetet. Er lernte in dieser Zeit von Maria und Josef alles über den jüdischen Glauben, über die Heilige Schrift, über die Bedeutung der frommen Zeremonien zu Hause, über den Gottesdienst in der Synagoge und über den Tempeldienst. Also eine fast ganz normale Familie vor 2000 Jahren im Heiligen Land. 

 

Papst Pius IX. gab einmal einem Maler den Auftrag zu einem Gemälde, das die Verkündigung des Glaubenssatzes von der Unbefleckten Empfängnis Mariens darstellen sollte. Als der Entwurf fertig war, legte der Maler ihn dem Hl. Vater vor. Der Papst betrachtete ihn aufmerksam, besonders die Gruppe, die Maria und Christus im Himmel darstellte. Da rief er: "Und der hl. Josef? Wo ist der hl. Josef?" Der Künstler deutete auf eine Gruppe hin, die sich in den Wolken verlor und sagte: "Heiliger Vater, hier werde ich ihn malen." Da versetzte der Papst entschieden, indem er mit dem Finger auf den Platz neben Jesus zeigte: "O nein, da und nur da soll er sein, neben Jesus und Maria! Denn auch im Himmel ist der hl. Josef dort!"

 

Das Seltsame an dieser Familie ist, dass keiner eigentlich das ist, was er nach außen hin zu sein scheint. Und seltsam ist auch, dass diese Familie nicht durch die Bindungen der menschlichen Geschlechtlichkeit beisammen gehalten wird, sonder durch einen göttlichen Auftrag, durch Gottes Heilsplan. Gott ist die Mitte dieser Familie. Alle handeln nach seinem Willen. Und so zeigt uns das Fest der Heiligen Familie auch den wahren Sinn jeder christlichen Familie, es weist zugleich auf das hohe Ziel jeder christlichen Familie hin: eben eine heilige Familie zu werden, in der geglaubt, gehofft und geliebt wird, in der gebetet wird, in Katechismus und Bibel gelesen wird, in der Maria, die Mutter Gottes, verehrt und geliebt wird, besonders im Monat Mai und im Oktober, in der die Heiligen und die Engel ihren besonderen Platz im Leben aller Familienmitglieder haben, in der alle regelmäßig zur hl. Beichte und sonntags, an Festtagen und auch sonst so oft wie möglich zur Heiligen Messe gehen. 

 

Pater Matteo war noch vor einigen Jahren bekannt als der unermüdliche Apostel der Familienweihe. In 10 Jahren besuchte er wiederholt 43 Diözesen Frankreichs, durchreiste zweimal Spanien und Italien, wirkte mit größtem Erfolg in Holland, außerdem in der Schweiz, in Belgien, Luxemburg, England, Schottland und Irland. Als er einmal in der von Zuhörern dicht gefüllten Kathedrale von Bologna über die Weihe der Familien gepredigt hatte und eben die Kanzel verlassen wollte, hielt ihn der Kardinal von Bologna zurück mit den Worten: "Bleiben Sie Hochwürden!" Dann fuhr er vor all den Zuhörern fort: "Sie haben uns eine große Wahrheit gepredigt, und ich möchte mein Amen dazu sprechen. Sehen Sie, an den hohen Festtagen ist die Kathedrale und so manche andere unserer Kirchen immer gefüllt, und doch sehe ich nicht, dass das Volk christlicher wird. Ich frage mich, woher das kommt. Und ich sehe den Grund darin: Weil man nur einige Augenblicke hier betet und damm heimgeht und dort das gewohnte, ganz natürliche und heidnische Leben weiterlebt; weil das Heim", dabei erhob der Kardinal seine Stimme, "nicht das ist, was Hochwürden gesagt haben - ein Tabernakel, wo man Jesus in den Familien findet. Das muss anders werden!"

 

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Neujahr: Maria Gottesmutter

Siehe Lesejahr A

 

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2. Sonntag nach Weihnachten

Siehe Lesejahr A

 

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Erscheinung des Herrn

Siehe Lesejahr A

 

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 Taufe des Herrn - C

 

Jes 40,1-5.9-11

Tit 2,11-14; 3,4-7

Lk 3,15.21-22

 

2. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jes 62,1-5

1 Kor 12,4-11

Joh 2,1-11

 

3. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Neh 8,2-4a.5-6.8-10

1 Kor 12,12-31a

Lk 1,1-4; 4,14-21

 

4. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jer 1,4-5.17-19

1 Kor 12,31-13,13

Lk 4,21-30

 

5. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jes 6,1-2a.3-8

1 Kor 15,1-11

Lk 5,1-11

 

6. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jer 17,5-8

1 Kor 15,12.16-20

Lk 6,17.20-26

 

7. Sonntag im Jahreskreis - C

 

1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23

1 Kor 15,45-49

Lk 6,27-38

 

Aschermittwoch

Siehe Lesejahr A

 

1. Fastensonntag - C

 

Dt 26,4-10

Röm 10,8-13

Lk 4,1-13

 

2. Fastensonntag - C

 

Gen 15,5-12.17-18

Phil 3,17-4,1

Lk 9,28b-36

 

3. Fastensonntag - C

 

Ex 3,1-8a.10,13-15

1 Kor 10,1-6.10-12

Lk 13,1-9

 

4. Fastensonntag - C

 

Jos 5,9a.10-12

2 Kor 5,17-21

Lk 15,1-3.11-32

 

5. Fastensonntag - C

 

Jes 43,16-21

Phil 3,8-14

Joh 8,1-11

 

Palmsonntag - C

 

Jes 50,4-7

Phil 2,6-11

Lk 22,14-23.56

 

Gründonnerstag

Siehe Lesejahr A

Karfreitag

Siehe Lesejahr A

 

Osternacht - B

 

Lesungen wie in A

Evangelium Lk 24,1-12

Ostersonntag

Siehe Lesejahr A

 

Weißer Sonntag - C

 

 Apg 5,12-16

Apk 1,9-11a.12-13.17-19

Joh 20,19-31

 

3. Sonntag der Osterzeit - C

 

Apg 5,27b-32.40b-41

Apk 5,11-14

Joh 21,1-19

 

4. Sonntag der Osterzeit - C

 

Apg 13,14.43b-52

Apk 7,9.14b-17

Joh 10,27-30

 

5. Sonntag der Osterzeit - C

 

Apg 14,21b-27

Apk 21,1-5a

Joh 13,31-33a.34-35

 

6. Sonntag der Osterzeit - C

 

Apg 15,1-2.6.22-29

Apk 21,10-14.22-23

Joh 14,23-29

 

Christi Himmelfahrt - C

 

 Apg 1,1-11

Hebr 9,24-28; 10,19-23

Lk 24,46-53

 

7. Sonntag der Osterzeit - C

 

Apg 7,55-60

Apk 22,12-14.16-17.20

Joh 17,20-26

 

Pfingsten - C

 

Apg 2,1-11

Röm 8,8-17

Joh 14,15-16.23b-26

 

Dreifaltigkeitssonntag - C

 

Spr 8,22-31

Röm 5,1-5

Joh 16,12-15

 

Fronleichnam - C

 

Gen 14,18-20

1 Kor 11,23-26

Lk 9,11b-17

 

Herz-Jesu-Fest - C

 

Ez 34,11-16

Röm 5,5b-11

Lk 15,3-7

 

8. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Sir 27,4-7 (5-8)

1 Kor 15,54-58

Lk 6,39-45

 

9. Sonntag im Jahreskreis - C

 

1 Kön 8,41-43

Gal 1,1-2.6-10

Lk 7,1-10

10. Sonntag im Jahreskreis - C

 

1 Kön 17,17-24

Gal 1,11-19

Lk 7,11-17

 

11. Sonntag im Jahreskreis - C

 

2 Sam 12,7-10.13

Gal 2,16.19-21

Lk 7,36-8,3

 

12. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Sach 12,10-11; 13,1

Gal 3,26-29

Lk 9,18-24

 

13. Sonntag im Jahreskreis - C

 

1 Kön 19,16b.19-21

Gal 5,1-13.18

Lk 9,51-62

 

14. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jes 66,10-14c

Gal 6,14-18

Lk 10,1-12.17-20

15. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Dt 30,10-14

Kol 1,15-20

Lk 10,25-37

 

16. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Gen 18,1-10a

Kol 1,24-28

Lk 10,38-42

 

17. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Gen 18,20-32

Kol 2,12-14

Lk 11,1-13

 

18. Sonntag im Jahreskreis - C

 

 

Koh 1,2; 2,21-23

Kol 3,1-5.9-11

Lk 12,13-21

 

19. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Wh 18,6-9

Hebr 11,1-2.8-19

Lk 12,32-48

 

20. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jer 38,4-6.8-10

Hebr 12,1-4

Lk 12,49-53

 

21. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Jes 66,18-21

Hebr 12,5-7.11-13

Lk 13,22-30

 

22. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Sir 3,17-18.20.28-29

Hebr 12,18-19.22-24a

Lk 14,1.7-14

 

23. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Wh 9,13-19

Phlm 9b-10.12-17

Lk 14,25-33

 

24. Sonntag im Jahreskreis - C

 

 Ex 32,7-11.13-14

1 Tim 1,12-17

Lk 15,1-32

 

25. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Am 8,4-7

1 Tim 2,1-8

Lk 16,1-13

 

26. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Am 6,1a.4-7

1 Tim 6,11-16

Lk 16,19-31

27. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Hab 1,2-3; 2,2-4

2 Tim 1,6-8.13-14

Lk 17,5-10

 

28. Sonntag im Jahreskreis - C

 

2 Kön 5,14-17

2 Tim 2,8-13

Lk 17,11-19

29. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Ex 17,8-13

2 Tim 3,14-4,2

Lk 18,1-8

 

30. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Sir 35,15b-17.20-22a

2 Tim 4,6-8.16-18

Lk 18,9-14

31. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Wh 11,23-12,2

2 Thess 1,11-2,2

Lk 19,1-10

32. Sonntag im Jahreskreis - C

 

2 Makk 7,1-2.7a.9-14

2 Thess 2,16-3,5

Lk 20,27-38

33. Sonntag im Jahreskreis - C

 

Mal 3,19-20b (4,1-2a)

2 Thess 3,7-12

Lk 21,5-19

 

Christkönigsfest - C

 

2 Sam 5,1-3

Kol 1,12-20

Lk 23,35-43