Lesejahr B

 

1. Adventssonntag - B

 

Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7

1 Kor 1,3-9

Mk 13,33-37

 

2. Adventssonntag - B

 

Jes 40,1-5.9-11

2 Petr 3,8-14

Mk 1,1-8

 

3. Adventssonntag - B

 

Jes 61,1-2a.10-11

1 Thess 5,16-24

Joh 1,6-8.19-28

 

4. Adventssonntag - B

 

2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16

Röm 16,25-27

Lk 1,26-38

 

Die 3 Weihnachtsmessen

Siehe Lesejahr A

 

Fest der Heiligen Familie - B

 

Gen 15,1-6; 21,1-3

Hebr 11,8.11-12.17-19

Lk 2,22-40

 

Neujahr: Maria Gottesmutter

Siehe Lesejahr A

 

2. Sonntag nach Weihnachten

Siehe Lesejahr A

 

Erscheinung des Herrn

Siehe Lesejahr A

 

Taufe des Herrn - B

 

Jes 42,5a.1-4.6-7

Apg 10,34-38

Mk 1,7-11

 

2. Sonntag im Jahreskreis - B

 

1 Sam 3,3b-10.19

1 Kor 6,13c-15a.17-20

Joh 1,35-42

 

3. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jon 3,1-5.10

1 Kor 7,29-31

Mk 1,14-20

 

4. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Dt 18,15-20

1 Kor 7,32-35

Mk 1,21-28

 

5. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Ijob 7,1-4.6-7

1 Kor 9,16-19.22-23

Mk 1,29-39

 

6. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46

1 Kor 10,31-11,1

Mk 1,40-45

 

7. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jes 43,18-19.21-22.24b-25

2 Kor 1,18-22

Mk 2,1-12

 

Aschermittwoch

Siehe Lesejahr A

 

1. Fastensonntag - B

 

Gen 9,8-15

1 Petr 3,18-22

Mk 1,12-15

 

2. Fastensonntag - B

 

Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18

Röm 8,31b-34

Mk 9,2-10

 

3. Fastensonntag - B

 

Ex 20,1-17

1 Kor 1,22-25

Joh 2,13-25

 

4. Fastensonntag - B

 

2 Chr 36,14-16.19-23

Eph 2,4-10

Joh 3,14-21

 

5. Fastensonntag - B

 

Jer 31,31-34

Hebr 5,7-9

Joh 12,20-33

Palmsonntag - B

Lesungen siehe Lesejahr A

Passion nach Mk 14,1-15,47

Gründonnerstag

Siehe Lesejahr A

 

Karfreitag

Siehe Lesejahr A

 

Osternacht - B

 

Lesungen wie in A

Evangelium Mk 16,1-7

 

Ostersonntag

Siehe Lesejahr A

 

Weißer Sonntag - B

 

Apg 4,32-35

1 Joh 5,1-6

Joh 20,19-31

 

2. Sonntag der Osterzeit - B

 

Apg 3,12a.13-15.17-19

1 Joh 2,1-5a

Lk 24,35-48

 

4. Sonntag der Osterzeit - B

 

Apg 4,8-12

1 Joh 3,1-2

Joh 10,11-18

 

5. Sonntag der Osterzeit - B

 

Apg 9,26-31

1 Joh 3,18-24

Joh 15,1-8

 

6. Sonntag der Osterzeit - B

 

Apg 10,25-26.34-35.44-48

1 Joh 4,7-10

Joh 15,9-17

 

Christi Himmelfahrt - B

 

Apg 1,1-11

Eph 1,17-23

Mk 16,15-20

 

7. Sonntag der Osterzeit - B

 

Apg 1,15-17.20ac-26

1 Joh 4,11-16

Joh 17,6a.11b-19

 

Pfingsten - A(BC)

 

Apg 1,1-11

Gal 5,16-25

Joh 15,26-27; 16,12-15

 

Dreifaltigkeitssonntag - B

 

Dt 4,32-34.39-40

Röm 8,14-17

Mt 28,16-20

 

Fronleichnam - B

 

Ex 24,3-8

Hebr 9,11-15

Mk 14,12-16.22-26

 

Herz-Jesu-Fest - B

 

 Hos 11,1.3-4.8a.c-9

Eph 3,8-12.14-19

Joh 19,31-37

 

8. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Hos 2,16b.17b.21-22

2 Kor 3,1b-6

Mk 2,18-22

 

9. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Dt 5,12-15

2 Kor 4,6-11

Mk 2,23-3,6

 

10. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Gen 3,9-15

2 Kor 4,13-5,1

Mk 3,20-35

 

11. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Ez 17,22-24

2 Kor 5,6-10

Mk 4,26-34

 

12. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Ijob 38,1.8-11

2 Kor 5,14-17

Mk 4,35-41

 

13. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Wh 1,13-15; 2,23-24

2 Kor 8,7.9.13-15

Mk 5,21-43

14. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Ez 2,2-5

2 Kor 12,7-10

Mk 6,1-6a

 

15. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Am 7,12-15

Eph 1,3-14

Mk 6,7-13

 

16. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jer 23,1-6

Eph 2,13-18

Mk 6,30-34

 

17. Sonntag im Jahreskreis - B

 

2 Kön 4,42-44

Eph 4,1-6

Joh 6,1-15

 

18. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Ex 16,2-4.12-15

Eph 4,17.20-24

Joh 6,24-35

 

19. Sonntag im Jahreskreis - B

 

1 Kön 19,4-8

Eph 4,30-5,2

Joh 6,41-51

 

"Unser tägliches Brot gib uns heute." Das Brot ist das unbedingt notwendige Lebensmittel für uns. Die Vater-unser-Bitte will aussprechen, wie nötig wir das tägliche Brot brauchen. Aber der Herr ist für uns in gleicher Weise lebensnotwendig. Er sagt von sich, dass er das "Brot des Lebens" ist, er ist das "Brot, das vom Himmel herabkommt". Aber welches Leben ist hier gemeint? Der Herr meint zuerst das ewige Leben, das uns niemand geben kann als Gott allein. Und darum sagt er von der heiligen Kommunion: "Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit." Er lädt uns in der heiligen Kommunion ein, sein Fleisch zu essen. Diese Einladung klingt sogar wie ein Gebot. Sein Wort ist von einer so leuchtenden Einfachheit und Deutlichkeit, dass jeder Versuch, es zu verbiegen oder abzuwerten oder es als bloßes Symbol anzusehen, eine schwere Sünde ist, ein Ungehorsam Gott gegenüber.

 

Es ist gut zu verstehen, dass an dieser Stelle viele über den Herrn schimpfen oder sich von ihm abwenden. Es ist so schwer zu begreifen, was er da sagt. Aber er will nicht, dass sie "murren", dass sie schlecht denken und reden über ihn und miteinander tuscheln. Es ist damals und heute so und zu allen Zeiten: Sein Fleisch essen? Wie soll das gehen? Aber die Menschen sollen das leise Murren sein lassen, sondern ihre Kritik soll so hörbar für alle werden, dass der Heiland sie auch hört und Gelegenheit bekommt, zu antworten. Genau so soll auch bis zum Ende der Welt die Kritik an der Kirche laut ausgesprochen werden, damit die Kirche die Möglichkeit bekommt, sich dazu zu erklären. Die Kritik von außen wird von der Kirche nur gehört und beantwortet, wenn sie laut und deutlich gesagt wird. Der Herr lehnt hier nicht generell die Kritik ab, sondern er lehnt das böse Getuschel ab, das Schwatzen und Tratschen und Murren im Geheimen, das sich nicht dem Gespräch stellt. Denn solange die Kritik ein leises Geschwätz ist, hat sie auch die Möglichkeit, sich unter vielen anderen Menschen auszubreiten, wie sich eine ansteckende Krankheit im Leib des Menschen ausbreitet. Die Kritik am Herrn, an seiner Kirche und an den heiligen Sakramenten kann so raffiniert und verderblich werden, dass man die ursprünglichen Zusammenhänge gar nicht mehr erkennen kann. Kritik gehört zum Leben dazu, aber sie soll anständig bleiben. 

 

Beim Empfang der heiligen Wegzehrung erhob sich der heilige Johannes Berchmans, auf die Arme seiner Mitbrüder gestützt, von dem ärmlichen Lager, auf dem er nach seinem Wunsch am Boden ausgestreckt den Tod erwartete. Er kniete nieder und brach nach dem Beten des Confiteor plötzlich in tiefer Ergriffenheit in das Bekenntnis aus: "Ich bekenne, dass hier der wahre Sohn Gottes des allmächtigen Vaters und der seligsten, allzeit jungfräulichen Mutter Maria zugegen ist. Ich beteure, dass ich als wahres Kind der seligsten Jungfrau Maria leben und sterben will..."

  

Auch wir erleben, wie wir uns selbst den Blick auf das Wesentliche verbauen. Sehen wir Jesus nur als immer hilfsbereiten aber besitzlosen Wanderprediger oder als Gottes Sohn? Erkennen wir in den Gaben von Brot und Wein nur Symbole der göttlichen Liebe oder die Realpräsenz Christi mit Fleisch und Blut? Ist die Kirche für uns nur eine sozial tätige Institution neben vielen anderen oder ist sie das vom Herrn selbst gegründete Heilswerk für die Menschen. Nur durch den glaubenden und anbetenden Blick sehen wir klar und deutlich, dass uns Gott nicht betrogen und belogen hat und die Kirche nicht irren kann. Wir erleben die übernatürliche Wirklichkeit als gläubige und "mit dem Herzen sehende" Kinder unserer heiligen Mutter, der katholischen Kirche. 

 

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20. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Spr 9,1-6

Eph 5,15-20

Joh 6,51-58

 

Da stritten die Menschen miteinander und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Die Menschen verstehen nichts, weil sie alles fleischlich deuten - die Juden damals, die Menschen heute. Mit jedem Wort des Herrn verbinden Menschen eine Vorstellung, die sich in den Grenzen ihres gewohnten bisherigen Denkens befindet. Sie halten ihr eigenes Denken für das Maß aller Dinge. Ihre eigene Erfahrung ist ihnen immer die gesetzte Grenze und die Norm des Begreiflichen wie des Unbegreiflichen. Und alles, was sie Neues lernen, wird in den Lehrplan eingefügt, den sie selber entworfen haben. Dass es einen Plan geben könnte, in dem sich nicht mehr alles um die eigenen Gedanken und Vorstellungen dreht, das ist ihnen nicht nur unbekannt, sondern auch unerwünscht. Aus dieser Perspektive heraus streiten sie miteinander. Sein Fleisch essen? Sie haben vom Leben und vom Essen keine andere Vorstellung als eine animalische, und daher auch keine andere vom eigenen Fleisch und vom Fleisch des Herrn.

 

Die kleine Theresia, später die heilige Theresia vom Jesuskind, war dreieinhalb Jahre alt und ihre Schwester Celine sieben Jahre, als ihre Mutter eines Tages folgendes Zwiegespräch der beiden Kleinen belauschte. Celine fragte ihre jüngste Schwester: "Wie ist es möglich, dass der liebe Gott in einer so kleinen Hostie ist?" Theresia antwortete: "Da ist doch nichts dabei, der liebe Gott ist doch allmächtig!" "Und was heißt das, er ist allmächtig?" fragte die Schwester als kleiner Katechet weiter. "Das heißt, er tut und kann alles was er will." 

 

Der Herr wiederholt, was er schon gesagt hat: wer ihn als das lebendige Brot anerkennt und empfängt, für den wird das Leben des Herrn zu seinem eigenen Leben. Alles, was der Mensch bisher als Leben angesehen hat, war nur eine animalische Funktion. Dieses alte Leben hatte zum Gesetz den Trieb der Selbsterhaltung und der Fortpflanzung, mit Genuss, Geselligkeit und Arbeit verbunden. Das Leben dagegen, das der Herr geben will, ist Leben innerhalb von Glaube, Liebe und Hoffnung. Und der Zugang zu diesem neuen Leben ist er selber. Er spendet sich uns in den heiligen Sakramenten. 

 

Am 7. Juli 1860 zeigten sich die Türken in Damaskus ungewöhnlich unruhig und ließen ihrem

Hass, der mühsam niedergehaltenen Verachtung gegen Christus und die Christen, offen die Zügel schießen. Kurz darauf brach der Sturm los. Die christlichen Häuser wurden geplündert und in Brand gelegt. Hellauf loderten die Flammen durch den dämmernden Abend, durch die Nacht und lockten die draußen lagernden Drusen und Beduinen in die Stadt. Ein furchtbares Gemetzel begann. Die Straße der Christen war eine einzige Feuerzeile und Blutlache. Die Klöster der Lazaristen, der Schwestern der Ewigen Liebe, das Haus des Patriarchen standen in Flammen. Schon rückte die wütende Rotte gegen das Franziskanerkloster an. Der Superior, P. Emmanuel el Ruiz, hatte das Allerheiligste aussetzen lassen, um bei dem einzigen Helfer und Schützer Rat und Stärke und, wenn es Gottes Wille war, Rettung zu suchen wie einst St. Klara vor den anstürmenden Sarazenen. Doch in Gottes unerforschlichem Ratschluss war es anders beschlossen. Pater Emmanuel hatte gerade noch Zeit, das heilige Geheimnis des Tabernakels durch Konsumieren vor Verunehrung zu retten, als die fanatische Meute in die Kirche drang. Er führte sie ruhig, in priesterlicher Hoheit und Würde, an den Hochaltar. Dann legte er sein Haupt auf das weiße Linnen und sprach: "Nun haut es ab!" Im gleichen Augenblick sauste ein Krummsäbel nieder und trennte das Haupt vom Rumpf. Ihm folgten unmittelbar in den glorreichen Bekennertod alle 6 anwesenden Franziskaner-Patres. 

 

Im letzten Vers des Evangeliums zeigt der Herr noch einmal den Zusammenhang zwischen seinem himmlischen Leben, dem Leben dessen, der ihn isst, und dem künftigen ewigen Leben. Das Leben der Menschen ist endlich und sterblich. Es gab darin die kleine Überraschung des Manna, das kleine Wunder, die kleine Öffnung zu Gott, die sich aber sogleich wieder schloss durch den Tod. Das neue Leben, das kein Manna mehr braucht, weil das körperliche Leben sein Gewicht verloren hat, weil das Gewicht nun allein auf dem Leben des Herrn liegt, ist ein Leben in Gott und aus Gott. Zwischen dem Empfang des Brotes und dem ewigen Leben ist alles nur noch eine einzige, ununterbrochene Bewegung. In ihr hat der Tod keinen Raum mehr. Dieses ewige Leben wird zwar nicht beschrieben, man weiß nur, dass es Leben ist und Ewigkeit. Aber noch eins weiß man doch: dass es schon jetzt ewiges Leben ist für den, der den Herrn und mit ihm den Vater empfängt. Danken wir dem Herrn für diesen Zugang zum ewigen Leben, für die heilige Kommunion. Und nach seinen Worten wird keine andere Bedingung aufgestellt als die eine, immer wiederholte: sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken.

 

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21. Sonntag im Jahreskreis - B

 

 

Jos 24,1-2a.15-17.18b

Eph 5,21-32

Joh 6,60-69

 

In den Texten dieses Sonntags geht es immer wieder um die wahre Gemeinschaft in der Kirche. Im Tagesgebet heißt es: "Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben, zum gemeinsamen Streben." Die Gemeinschaft in der Kirche findet sich nicht, weil die Menschen sie wirken und wollen, sondern sie kommt allein durch Gott als ein Geschenk. Er verbindet die, die er berufen hat, mit ihm und untereinander und fügt sie zur Gemeinschaft in seiner Kirche zusammen. In der alttestamentlichen Lesung wird gezeigt, wie die Gemeinschaft gefährdet werden kann und wie solch eine Gefährdung überwunden wird. Die Lesung aus dem Neuen Testament lässt uns dann hineinschauen in die Gemeinschaft der Kirche. Wir hören vom Wetteifer in der dienstbereiten Liebe, vom Gehorsam Gott und Menschen gegenüber und von der Unterordnung in Freude. Schließlich lässt uns das Evangelium verstehen, dass es wahre Gemeinschaft in der Kirche nur für den geben kann, der den ganzen Jesus Christus und sein unverkürztes Evangelium annimmt. Der, der Jesu Worte unerträglich findet und sich lieber selbst auswählt, was er davon behalten will und was nicht, wer sich seinen eigenen Jesus zurechtbiegt, der verliert den Herrn und der verliert die Gemeinschaft der Kirche, er geht nicht mehr mit Jesus durch das Leben und verliert dabei auch die aus dem Blick, mit denen er Gemeinschaft haben sollte. Jesus selbst ist es, der die Gläubigen in der Gemeinschaft der Kirche zusammenbindet. Je enger wir beim Herrn sind, desto näher sind wir uns auch im Miteinander. Im Gabengebet lenkt die Kirche unsere Blicke dann auf den Höhepunkt, auf das Opfer Christi, durch das Gott sich die Gemeinschaft seines Volkes in der Kirche erworben hat. Wir verstehen wie kostbar diese Gemeinschaft der Berufenen ist. Wie sehr muss diese Gemeinschaft der Kirche Gott am Herzen liegen. Er schenkt ihr Einheit und Frieden und hat für sie seinen eigenen Sohn, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus, hingegeben in das Opfer am Kreuz. 

 

Die berühmte englische Schriftstellerin Adeline Sergeant, die am 23. Oktober 1899 in den Schoß der römisch-katholischen Mutterkirche zurückkehrte, schreibt über diesen Schritt: "Geist, Herz und Gewissen haben Ruhe gefunden; nicht länger mehr wurde ich herumgeworfen auf dem Meer der Meinungen, ich bin fest verankert im Hafen der göttlichen Wahrheit. Ich kann aber nicht behaupten, dass ich ganz auf einmal volle Klarheit erlangte über den großen Gewinn, den ich gemacht hatte. Nur allmählich und Stück um Stück begann mir die Ordnung, Schönheit und der Gnadenreichtum der Kirche zu dämmern. Ich hatte ihren göttlichen Ursprung und ihre Autorität angenommen, noch ehe ich sie liebte; deshalb wurde mein Leben nach meiner Aufnahme in die Kirche sozusagen eine Reihe von Entdeckungen. Ich kann mich fast noch des Augenblicks erinnern, wo ich zum ersten Mal sagte: Das ist mehr als ich mir träumen ließ. Dieses ist in der Tat die Kirche, die Mutter von uns allen, das neue Jerusalem, die Braut Gottes!" 

 

Sehr deutlich wird in der Frage des Herrn: "Wollt auch ihr davongehen?", wie es um die Freiheit des Menschen im Herrn steht: dem Menschen wird die Möglichkeit gegeben, nach Gutdünken Ja oder Nein zum Angebot Gottes zu sagen. Aber Simon Petrus fühlt deutlich, dass in sein Leben das eingetreten ist, was vorher nicht da war: dass er im Herrn eine Heimat besitzt, dass er dem Herrn gehört, dass er für ihn lebt, und dass er auf der Erde nicht mehr über sein eigenes Leben verfügen kann. Er gehört dem Herrn, der in seinen Augen der Einzige ist, der zu Gott führen kann. Simon Petrus will von den Sicherungen des alten Lebens nichts mehr wissen. Er weiß, was in ihm begonnen hat, ist so beschaffen, dass es mit seinem früheren Leben nichts mehr zu tun hat. "Du hast Worte des ewigen Lebens." Das ist das einzige, was ihn jetzt noch fesselt: das ewige Leben. Und zwar genau das Leben, das der Herr verheißen hat: Glaube, Liebe und Hoffnung. In den Worten des Herrn spürt er das ewige Leben, er spürt, wie der Herr ihn hält und ihm hilft. Und gerade auch damit, dass er fragt: willst du gehen?, zeigt ihm, dass er, der Herr, ihn liebt und zu seiner Verfügung steht. "Du bist der Heilige Gottes", sagt Petrus. Vor deiner Heiligkeit liegen wir alle offen da. Du weißt ja, was du von uns zu halten hast: wenig bis nichts. Wir aber wissen, dass du der Sohn des Vaters bist und darum alle unsere Vorstellungen von Heiligkeit und von Liebe übersteigst. Simon Petrus kann vielleicht noch nicht sagen, dass Christus Gott ist. Aber er sieht den offenen Weg vom Herrn zu Gott. Er sieht, dass der Herr alles übertrifft.

 

"Was haben Sie in der Kirche gefunden?" Auf diese Frage gab ein angesehener amerikanischer Schriftsteller nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche folgende Antwort: "Den Frieden! Erstens den Frieden der religiösen Gewissheit, weil die katholische Kirche sich auf die göttliche Autorität stützt. Zweitens den Frieden, der aus der immerwährenden Wiederholung des Opfers von Golgatha in der Heiligen Messe und aus der immerwährenden Gegenwart Christi strömt. Drittens den Frieden des Menschen, der fühlen darf, seine Sünden sind ihm vergeben. Viertens den Frieden, der aus dem Gebet kommt. Die katholische Kirche hat mein von jeher ungeheuer großes Bedürfnis befriedigt, in Christi Gegenwart zu beten. Ich kann nun jeden Sonntagmorgen die Heilige Messe in inbrünstiger Anbetung Christi verbringen, ohne als religiöser Fanatiker zu gelten. Fünftens: Das gesteigerte Gebetsleben in der katholischen Kirche hat mir noch einen weiteren Frieden gebracht: es befreite mich von allen persönlichen Sorgen, nachdem ich jetzt mein Leben, meine Zukunft und mein Sterben vertrauensvoll in die Hände Gottes gelegt habe. Diesen Frieden kann man anderen nicht beweisen, man weiß nur aus innerster Überzeugung, dass er da ist. Der Katholizismus ist nicht eine bloße theologische Anschauung von Christus und seiner Lehre, er verkörpert Christus selbst und seinen Frieden. Das ist die wahre Macht des Katholizismus."

 

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22. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Dt 4,1-2.6-8

Jak 1,17-18.21b-22.27

Mk 7,1-8.14-15.21-23

 

Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte kommen zu Jesus mit der Absicht, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Sie kennen sich in ihren Gesetzen ganz genau aus und gehen davon aus, dass sie sich in ihrem Glauben ebenfalls gut auskennen. Aber diese Zeit ist mit Jesus vorbei. Jetzt hat der Neue Bund begonnen, der eine Erfüllung bringt, die so gar nicht mit dem in Einklang steht, was sie erwarten. Wir kennen das auch: Bei jedem Versprechen, das uns gegeben wird, machen wir uns ein Bild davon, wie das Versprechen gehalten werden sollte. Und oft sind wir von der Erfüllung enttäuscht. Wir sollten uns also in allem was wir tun, von den Pharisäern unterscheiden. Es gibt kein Stehenbleiben beim äußerlichen Verständnis der Regeln. Alles hat seine Wichtigkeit, auch der kleinste Vollzug, aber er muss im Geist der Regeln vollzogen werden. Das Gegenteil ist richtig: Wir verstoßen gegen die Regeln, wenn wir etwas nur oberflächlich tun und ohne Sorgfalt. "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz jedoch ist fern von mir", sagt der Herr. Zwischen dem Wort ihrer Lippen und dem Glauben ihrer Herzen haben sie die Einheit nicht vollzogen. 

 

In dem Buch "Mein Himmelreich" von Peter Rosegger findet sich eine einfache, eindrucksvolle Geschichte, die dem wirklichen Leben entnommen ist. Im steierischen Oberland lebte ein Bauer, dem man den Spitznamen "der Zweispannige" gegeben hatte. Auf der Straße sah man ihn immer allein gehen, aber so, dass zu seiner rechten Seite der beste Teil des Weges frei blieb, als ob dort jemand ging, den er ehren wollte. Im Wirtshaus ließ er zwei Glas Wein bringen, eins für sich und eins für einen vornehmen Gast. Dies letztere ließ er stehen und sagte zum Wirt, ein Durstiger möchte es austrinken. Zu Hause ließ er bei der Mahlzeit rechts von seinem Platz ein besonderes Gedeck auftragen. Es durfte aber niemand dort sitzen. Die Speisen, die dort aufgelegt wurden, bekam nachher ein Armer. Fragte man ihn, was das bedeute, so antwortete er: "Er ist ja da!" Er meinte Christus, den Herrn. Ihn ehrte er als seinen Weggenossen auf der Straße, als seinen Gast im Wirtshaus und daheim. Als er im Sterben lag, ließ er einen Sessel neben sein Bett stellen und führte leise Gespräche in dieser Richtung. Er wusste, dass die Gegenwart seines Heilandes ihn tröstete in seiner letzten Not. "Und ich selbst", so schreibt Rosegger, "war ergriffener Zeuge, wie Christus dem "Zweispannigen" in seiner letzten Not tröstend und verklärend zur Seite stand."

 

Nach der Zurechtweisung der Pharisäer und Schriftgelehrten ruft er das Volk herbei. Die, die es wissen müssten, wie Gottes Gebot zu verstehen ist, sind verhärtet, das Volk dagegen ist zwar nicht so gebildet, aber es ist aufnahmebereit, es vertraut und kommt herbei. Diese Menschen werden für seine Lehre ein besserer Ackerboden sein als die Spezialisten des göttlichen Gesetzes. Wir merken: Der Herr ist immerfort am Wirken. Mag er die Pharisäer aufklären, Wunder wirken oder dem Volk Gleichnisse erzählen. Immer ist er mitten im Zentrum seines Auftrages. Selbst wenn er betet oder ruht geschieht das in Einheit mit seinem Wirken, seinem Belehren und Predigen. "Hört mir alle zu und begreift, was ich euch sage!" Das ist ein Befehl. Wo fängt Gott eigentlich an zu befehlen? Wenn wir im Gehorsam des Glaubens stehen. Wenn wir nicht glauben, hören wir seine Stimme gar nicht. Wenn der Herr sagt: "Hört mir alle zu!", so setzt er voraus, dass wir seine Stimme hören können als die Stimme des Herrn. Heute befindet sich der Herr ja nicht mehr unter uns, aber er kann seine Stimme mit sehr bestimmten Forderungen an uns ertönen lassen. Aber um sie zu hören, müssen wir lebendig glauben und beten, sonst überhören wir sie oder verstehen sie nicht. Es kann trotzdem vorkommen, dass wir eine Forderung des Herrn hören, ihr aber nicht nachkommen. Das wäre dann sicher eine Sünde. Ungläubige Menschen haben es in diesem Punkt leichter: sie können überhören, sie können behaupten, dass es eine Täuschung ist, oder sie können ihre Gedanken so rasch abwenden von der Forderung des Herrn, dass sie nichts wahrnehmen. Aber weil sie nicht glauben und so den Zusammenhang zwischen der Forderung Gottes und deren Ausführungen nicht begreifen, sind sie nicht in dem Maß schuldig wie die Glaubenden. Nun aber will der Herr, dass alle Menschen verstehen. Alle sollen glauben, hören und gehorchen. Alle ohne Unterschied sollen Gott Antwort geben, sollen ihm vertrauen. Danach sehnt sich der Herr. 

 

Der heilige Thomas Morus bewahrte auch in der schweren Stunde seiner Kerkerhaft bis zuletzt ein starkes, ungebrochenes Vertrauen auf Christus, seinen Erlöser. Als seine Tochter Margareta einmal kleinmütige Gedanken äußerte, entgegnete er: "Ich bin ein schwacher Mensch, gewiss, aber der Güte Gottes will ich nicht misstrauen. Selbst wenn ich mir bewusst wäre, Christus verleugnet zu haben wie einst Petrus, so würde ich dennoch grenzenlos vertrauen, dass mir der Herr einen Blick des Erbarmens zuwerfen und mich wieder aufrichten würde, um von neuem die Wahrheit zu bekennen."

 

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23. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jes 35,4-7a

Jak 2,1-5

Mk 7,31-37

24. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jes 50,5-9a

Jak 2,14-18

Mk 8,27-35

25. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Wh 2,1a.12.17-20

Jak 3,16-4,3

Mk 9,30-37

26. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Num 11,25-29

Jak 5,1-6

Mk 9,38-43.45.47-48

 

27. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Gen 2,18-24

Hebr 2,9-11

Mk 10,2-16

28. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Wh 7,7-11

Hebr 4,12-13

Mk 10,17-30

 

29. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jes 53,10-11

Hebr 4,14-16

Mk 10,35-45

 

30. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Jer 31,7-9

Hebr 5,1-6

Mk 10,46-52

 

31. Sonntag im Jahreskreis - B

 

Dt 6,2-6

Hebr 7,23-28

Mk 12,28b-34

 

32. Sonntag im Jahreskreis - B

 

1 Kön 17,10-16

Hebr 9, 24-28

Mk 12,38-44

 

33. Sonntag im Jahreskreis - B

Dan 12,1-3

Hebr 10,11-14.18

Mk 13,24-32

 

Christkönigsfest - B

 

Dan 7,2a.13b-14

Apk 1,5b-8

Joh 18,33b-37