September

 

Der Regenbogen webt sein Kleid,

Der Stieglitz leiht ihm das Geschmeid.

Nussknacker, Apfelschmauser auch,

Liebt er des Hirtenfeuers Rauch

Und wärmt sich dran im Herbstgestürm.

St. Mang, der Drachen und Gewürm

Seit alten Zeiten kühn bestritt,

Zieht aus; St. Michael streitet mit.

Doch nahmen sie im deutschen Land

Gleich Heuschreckschwärmen überhand.

Komm, Herkules, mags dir gelingen,

Das Ungeziefer zu bezwingen!

 

 

Das Gesicht des Monats September

 

Aus dem Grün der Zweige lachen verlockend die buntbackigen Früchte. Die Körbe der Erntenden sind schwer von Äpfeln und Birnen, blauen und gelben Pflaumen, von Zwetschgen und Nüssen und den ersten Trauben. Aus den Bauerngärten leuchten die hellen Farben der Dahlien und Astern, letzter Sommerfarbenrausch. Bevor es Herbst wird. Ein Monat des Reichtums, der Fülle, der Farben.

Aber schon rüsten sich die Schwalben zum Flug in die wärmeren Länder, da sie den nahenden Winter fürchten.

Wenn uns der Sommer reich beschenkte, wollen wir den Geber aller Gaben danken, wollen aber auch selber von unserer Gabe weiterschenken an diejenigen, die nicht so reich mit den Gütern der Erde bedacht wurden. So wird dieser Monat der Ernte zur Mahnung, wohlzutun und das Hauptgebot der Liebe zu vergessen. Religion und Leben müssen innig verbunden sein.

Gleich zu Beginn des Monats lenkt ein Kreuzfest unseren Blick auf das Zentralgeheimnis der Erlösung und der opfernden Liebe. Eben daran erinnert auch das Fest der Sieben Schmerzen Mariä.

Dieser Monat ist reich an Marienfesten: Mariä Geburt, Mariä Namen, Maria von der Erlösung der Gefangenen. (Der Orden der Mercedarier, der sich Maria geweiht hatte, nahm sich der christlichen Sklaven in Nordafrika an.)

Die Martyrer sprechen uns von der Teilnahme an Christi Leiden: Cornelius, die beiden Cyprian, Januarius, Eustach, Linus, Cosmas und Damian, Wenzel.

Zur Lesung der Heiligen Schrift rufen uns auf der Evangelist Matthäus und der große Schriftausleger Hieronymus.

Michael, der Bannerherr der himmlischen Heere, der Sieger über den Satan, ruft uns zu: „Wer ist wie Gott?“

Und schließlich noch eine bedeutende Frau, die eingegriffen hat in die Geschicke der Kirche und der Welt: Hildegard von Bingen, die man die erste deutsche Ärztin genannt hat.

 

 

Ist's an Ägidi klar und hell,

so reift der Weinstock rasch und schnell.

 

Ägidius - 1. September

 

Als ob der Frühling wiederkommt, - verklärt

Das Licht vom Kühlen Himmel niederfährt

Und gibt den Äpfeln purpurroten Schein

Und taucht in goldnen Schmelz die Trauben ein

Und zeichnet, schwarz in Silberglanz gestellt,

Den Sämann, wie er schreitet übers Feld.

Noch einmal grüßt uns Schönheit, Pracht und Fülle,

Eh´ niedersinkt des Sommers welke Hülle.

 

 

Monatstugend: Sanftmut und Demut

 

Der heilige Chrisam, dessen sich gemäß apostolischer Überlieferung die Kirche Gottes bei der Firmung und anderen Segnungen bedient, besteht aus Olivenöl und Balsam; diese versinnbildlichen 2 Tugenden, die besonders unserm Heiland teuer waren, die an seiner göttlichen Person besonders hervorleuchteten und die er uns eindringlich empfahl, gleich als wollte er durch sie unser Herz auf besondere Weise seinem Dienst weihen und zu seiner Nachfolge anziehen. "Lernt von mir," sagt er, "denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen".

 

Früher hieß er Levi, und er war ein Zöllner. Als Jesus ihn berufen hatte, war er voll überströmender Dankbarkeit für die erwiesene Gnade und nannte sich Matthäus d.i. "Gottgeschenkter" oder "Gottesgabe". Er schrieb das erste Evangelium, in dem er vor allem die Milde und Demut des Heilandes erstrahlen lässt. Nachdem er zuerst in Judäa die frohe Botschaft vom Heiland verkündigt hatte, und das Evangelium auch schriftlich niedergelegt hatte, machte er Missionsreisen nach Arabien und Äthiopien. Dort starb er den Martertod.

Matthäus möge uns die Kostbarkeiten der bescheidenen Tugendpflanzen Sanftmut und Demut erkennen lehren!

 

 

 

Andacht im September: zum hl. Schutzengel / Mariä Geburt / St. Michael

 

Der 1. Sonntag im September ist vielfach der Schutzengelsonntag. Über den Schutzengel sagt ein frommer Gottesgelehrter, Hugo von St. Viktor: "Sie bewachen uns an allen Orten und zu jeder Stunde. Allzeit stehen sie uns bei und sind mit heiliger Sorgsamkeit auf unsere Bedürfnisse bedacht. Sie sind Mittler zwischen dir, o Gott, und uns; vor deinem Thron legen sie unsere Seufzer und Tränen nieder und erflehen uns deine Gnaden. Sie begleiten uns auf allen Wegen, gehen mit uns aus und ein und haben genaue Aufsicht über unser Verhalten inmitten eines verdorbenen Geschlechtes . . . Sie stehen uns bei in der Arbeit, sie beschützen uns in der Ruhe, ermuntern uns im Kampf und krönen uns im Sieg." Hegen wir daher eine vertrauensvolle Verehrung für unseren Schutzengel. Seine Gegenwart, deren wir durch den Glauben gewiss sind, soll uns Ehrfurcht und Achtsamkeit in unserem Wandel einflößen, dass wir nichts Unrechtes tun.

Ein besonderes Fest des Septembermonats ist Mariä Geburt. Da wollen wir Gott danken für die Gnaden, mit denen er Maria, unsere Mutter, ausgestattet hat, wollen aber auch an die uns verliehenen Gnaden denken, zu denen die Taufgnade und der Schutzengel gehören, die wir bald nach unserem Eintritt in die Welt erhalten haben.

St. Michael möge uns helfen, den Kampf gegen den höllischen Drachen, der Gott und seine Gnaden aus unserer Seele verdrängen will, allezeit siegreich zu führen in Erinnerung an seinen Schlachtruf: "Wer ist wie Gott?"

 

 

Stoßgebetlein:

 

Engel Gottes, mein Beschützer, dir hat Gottes Huld mich anbefohlen; drum erleuchte, leite, führe und beschirme mich. Amen.

 

Heiliger Erzengel Michael, beschütze uns im Kampf, damit wir im furchtbaren Gericht nicht zugrunde gehen.

 

 

Bauernregeln

 

Auf einen warmen September

folgt gern ein kalter und regnerischer Oktober.

 

Donner um Michaeli

bedeuten große Winde.

 

Wie der September ist,

so wird der künftige März.

 

Ist die Nacht von Michaeli recht hell,

kommt ein Winter kalt zur Stell.

 

Nord und Ost (Wind)

bedeuten starken Winterfrost,

und hat die Sonne keinen Rand,

hat das Wetter vier Wochen Bestand.

 

Viel Eicheln um Michaeli,

viel Schnee um Weihnachten.

 

Wer um Michaelis bestellt die Wintersaat,

eine reiche Ernte zu hoffen hat.

 

Nach Septembergewittern

wird man im Hornung vor Schnee und Kälte zittern.

 

Septemberregen ist dem Bauer gelegen,

wenn er aber den Winzer trifft,

ist er ebenso schlecht als Gift.

 

Gewitter in der zweiten Hälfte des September bringen viele Winde.

 

Regnets in die Hopfenstöcke (d.h. zum Pflücken),

wird das neue Bier nicht schmecken.

 

Aegidius hält sein Wetter vier Wochen lang fest.

 

Ziehen zu Mariä Geburt

die Schwalben noch nicht fort,

so wollen sie sehen,

wie die Blumen im Weinmonat stehen.

 

Fröste vor Wenzeslaus

zahlen sich nach Galli aus.

 

Weinhändler auf Matthäus achten,

des Michael Wetter auch betrachten.

 

Acht Tage vor und acht Tage nach Michaeli ist die beste Kornsaat.

 

Aus Michael und Hieronymus

mache aufs Weihnachtwetter Schluss.

 

Wenn die Eichäpfel früher als um Michaeli und in großer Menge wachsen,

so kommt ein früher Winter vor Weihnachten mit vielem Schnee.

 

Mariä geborn,

Bauer, säe dein Korn.