November

 

Ein Hutzelgreis, sein Tag ist karg,

Der Nebel spinnt ihm schon den Sarg,

Legt Kränze, Silberfäden drauf,

Altweibersommer weckt ihn auf;

Dann spricht im Traum er vor sich hin,

Die armen Seelen drängen ihn,

Und seufzend über Gräberreihn

Erzählen sie von Schuld und Pein.

St. Martin teilt mit ihm sein Kleid,

Sitzt frierend er und reifbeschneit.

Ein Vöglein singt noch unverzagt,

Cäcilia, die Gottesmagd.

Oft an sein Haus der Sturmwind prallt

Und ihm ein Dies irae schallt.

Dann sieht er bange schon im Wehen

Die alte, müde Welt vergehen.

 

 

Das Gesicht des Monats November

 

Nebel hängen am Morgen über dem Fluss. Regen trieft von den entlaubten Bäumen. Es ist kalt geworden. Der Sommer ist weit. Alle seine Blütenherrlichkeit ist tot.

Da gehen unsere Gedanken zu den Toten. Auf ihre Gräber legen wir die letzten Blumen des Herbstes. Und in den Kirchen betet die Gemeinde: „Das ewige Licht leuchte ihnen.“ Aber nicht vom Tod künden die Kreuze auf den Gräbern und die ernsten Gesänge der Kirche, sondern vom Leben, vom ewigen Leben. Gott ist das Leben, und keiner kann für immer tot sein, der in dem lebendigen Gott gelebt hat.

Darum feiern wir auch die Todestage der Heiligen als ihre Geburtstage zum ewigen Leben. In langer Reihenfolge stehen sie vor uns. Am ersten Tag dieses Monats treten alle vor uns hin, Bischöfe und Bekenner, Märtyrer und Jungfrauen, deren Namen der Kalender kündet, und die noch viel größere Schar der unbekannten Heiligen, die vor dem Thron Gottes stehen und für uns beten, auch wenn wir ihre Namen nicht kennen.

Aber auch einzelner Heiliger gedenkt die Kirche in diesem Monat: Da sind der Apostel Andreas und der Apostelschüler Klemens, der große Reformator Karl und der große Gelehrte Albert, der Wundertäter Gregor und der Kirchenlehrer der Mystik Johannes vom Kreuz, aus Rom die Märtyrerin Cäcilia, die zur Patronin der Musik geworden ist, aus Alexandrien Katharina, aus Deutschland die liebenswürdigen Gestalten der Heiligen Gertrud und Elisabeth.

Und am Martinstag sammeln sich die Kinder in vielen Gegenden mit Laternen und Lampions, um den großen Heiligen zu feiern, der seinen Mantel mit dem Bettler teilte.

 

 

St. Martin setzt sich schon mit Dank

am warmen Ofen auf die Bank.

 

Martin von Tours - 11. November

 

Der graue Mond mahnt an den kalten Tod

Und mahnt an unsrer armen Brüder Not;

Sankt Martin gab den halben Mantel her,

Wer teilt zur Hälfte, hilfsbereit wie er?

Wenn um dein Haus jagt der Novemberwind,

Denk aller, die heut ohne Heimat sind,

Die in der Winterkälte einsam frieren

Und sich wie Wanderer im Schnee verlieren.

 

 

Monatstugend: Selbstverleugnung und Kreuzesliebe

 

Jede Liebe, die nicht im Leiden des Erlösers wurzelt, ist eitel und gefährlich. Unglücklich ist der Tod ohne Liebe zum Erlöser. Unglücklich ist die Liebe ohne den Tod des Erlösers. Die Liebe und der Tod sind im Leiden des Heilandes so vereinigt, dass man die eine oder die andere nicht im Herzen haben kann. Auf Kalvaria kann man das Leben nicht besitzen ohne die Liebe, noch die Liebe ohne den Tod des Heilandes. Außerhalb dieses Berges ist alles entweder ewiger Tod oder ewige Liebe, und die ganze Weisheit des Christen besteht darin, während dieses irdischen Lebens gute Wahl zu treffen. Es gibt keinen Mittelweg: entweder die ewige Liebe oder den ewigen Tod.

 

Andreas war ein Bruder des heiligen Petrus und Schüler Johannes des Täufers. Als der auf den Heiland als das Lamm Gottes hinwies, folgte er ihm nach und schloss sich nach endgültiger Berufung völlig an. Er soll in Skythien nördlich vom Schwarzen Meer gewirkt haben und durch Thrakien nach Griechenland gekommen sein. Zu Patras in Achaia starb er den Martertod an einem Kreuz mit verschränkten Balken. Er brach bei dessen Anblick in die Worte aus: "O du heiliges, innigst geliebtes, langersehntes Kreuz, nimm mich von den Menschen und gib mich meinem Herrn und Meister, dass er mich durch dich empfange, wie er mich durch dich erlöste!"

Hegen wir eine ähnliche Gesinnung zum Kreuz!

 

 

 

Andacht im November: Fest Allerheiligen / das Lamm Gottes / Allerseelenmonat

 

Der November ist der Monat der letzten Dinge, Am Fest Allerheiligen öffnet sich uns der Himmel der Seligen und wir lauschen ihren Gesängen, die sie dem Lamm singen. Wie groß muss das Glück und die Herrlichkeit derer sein, die Gott in seine Freude und seine ewige Wohnung eingehen hieß! Alle Seligkeiten sind an ihnen erfüllt. Vergessen wir nie die Verheißungen unseres Heilandes und das uns im Himmel aufbehaltene Glück! "Im Hinblick auf die Ewigkeit - ist Spiel mir alle Müh` der Zeit", sang der heilige Franz von Assisi. Tragen wir gern und freudig unser Kreuz. Je größer das Leid, desto größer die Freud`. Hüten wir uns vor allem vor der schweren Sünde. Sie wäre unser größtes Unglück.

An den letzten Novembersonntagen, mit denen das Kirchenjahr zu Ende geht, hören wir die Evangelien vom Untergang der Welt und dem Gericht Gottes. Wehe uns, wenn wir dann zu den Verworfenen gehören würden!

Noch ist die gnadenreiche Zeit. Auch für die Armen Seelen im Fegfeuer. Lassen wir durch unsere Gebete und Opfer das Blut Christi, des Lammes Gottes, hinabträufeln in den Kerker ihrer Leiden wie einen erfrischenden Tau, der sie von aller Makel reinigt.

 

 

Stoßgebetlein:

 

Heiliger Namenspatron, gedenke meiner bei Gott und bitte für mich, dass ich stets gut lebe, den Glauben bewahre und im Kampf siege.

 

Mein Gott, ergieße deine Segnungen und Erbarmungen über alle Menschen und über die Seelen im Fegfeuer, für die ich aus Liebe, Dankbarkeit oder Freundschaft

beten soll und will.

 

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen!

Lass sie ruhen in Frieden. Amen.

 

 

Bauernregeln

 

Blühn im November die Bäume aufs neu,

dann währet der Winter bis zum Mai.

 

Wenn um Martini Nebel sind,

so wird der Winter meist gelind;

hat Martini aber weißen Bart,

dann wird der Winter lang und hart.

 

Wenn die Gans vor Martini auf dem Eise ausglitscht,

kann sie sich nach St. Martin ins Wasser tauchen.

 

Ist es um Mariä Opferung neblig, trüb und nass,

so wird der Winter unbeständig;

ist es aber klar und hell,

so kommt ein starker Winter.

 

Ist das Erdreich beim ersten Schneefall nass und offen,

so darf man sich keine reiche Getreideernte versprechen;

ist der Boden aber gefroren,

wird sie gut ausfallen.

 

Wenns zur Mitte November auf den Frost starken Schnee gibt,

so ist auf strengen Winter zu hoffen:

kommt der Schnee ohne Frost, so pflegt er nicht auszuhalten.

 

Wässert man im November die Wiesen nicht,

so gibt es wenig Heu.

 

Wenn das Weinholz wohl reift, braun wird, so hofft man übers Jahr viel Wein;

hat die Rebe noch Saft im Wintermonat, so vertrocknet sie gern im Frühjahr.

 

Schafft Katharina vor Frost sich Schutz,

so watet man lange draußen im Schmutz.

 

Morgenrot

mit Regen droht.

 

Allerheiligen Reif

macht zu Weihnachten alles starr und steif.

 

Sankt Martin:

Feuer ins Kamin.

 

Wolken am Martinitag,

der Winter beständig werden mag.

 

Andreasschnee tut dem Korne weh.