Mai

 

Das Sonntagskind, der Hätschelknab

Sinkt zu der Mutter Erd herab.

Sie bettet ihn in Licht und Grün,

Und Vogellieder wiegen ihn.

Doch oft, wenn er so ganz verwöhnt,

Sie schüttelt ihn, dass bang er stöhnt,

Eismänner ruft sie, Eis und Schnee,

Die bringen seinen Blüten Weh.

Doch ob er froh, ob schmerzreich sei,

Die Himmelskönigin bleibt ihm treu,

Sie singt ihm wunderzart und süß

Und hebt ihn hoch zum Paradies;

Um seine goldnen Locken fluten

Des Gottesgeistes Flammengluten.

 

 

Das Gesicht des Monats Mai

 

„Der Mai tritt ein mit Freuden . . .“, „Wie schön blüht uns der Maien . . .“, „Der mayen, der mayen, der pringt uns Blümlein vil . . .“ Die Volkslieder können sich nicht genug tun im Preis dieses schönsten Monats, der noch ganz Verheißung ist, noch nicht Erfüllung, noch keine Früchte bringt, aber uns doch so froh werden lässt nach all der Winterkälte, der an jedem Baum und Strauch die Blüten wie helle Lichter entzündet. Es singt und jubelt überall: erwacht sind Feld und Flur!

Auch im Leben der Kirche ist der Mai ein Monat jubelnder Freude. Wir stehen noch in der großen Festzeit des Jahres, der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, wo wir den Sieg des Auferstandenen feiern. Himmelfahrt reißt unseren Blick nach oben, wo der Erhöhte zur Rechten des Vaters sitzt, Pfingsten kündet uns vom Gottesgeist, der in unsere Herzen ausgegossen wurde. Tag für Tag erklingt das Halleluja, der österliche Freudenruf, Tag für Tag wird der Gottesdienst in den weißen Gewändern der Freude gefeiert, bis das Weiß sich wandelt zum glühenden Rot des Feuers, erinnernd an die feurigen Zungen, in denen der Gottesgeist auf die Apostel niederstieg.

Selbst ein Kreuzfest wie Kreuzauffindung hat in dieser Zeit einen frohlockenden Feierklang, und auch durch die anderen Feste klingt das österliche Halleluja. Die Apostel Philippus und Jakobus, die Kirchenlehrer Athanasius, Gregor und Robert Bellarmin, die großen Erzieher Johannes de la Salle und Philipp Neri, die heilige Mutter Monika und der Märtyrer Johannes von Nepomuk gehen freudig im Siegeszug des ewigen Königs.

Einen besonderen Glanz aber erhält der Blütenmonat, durch die Maiandachten: Die schönsten Blüten werden der Mutter Maria dargebracht, die wir als Lilie ohnegleichen und Rose ohne Dornen feiern.

 

 

Urban bringt kein' Frost mehr her,

der dem Weinstock schädlich wär.

 

Papst Urban I. - 25. Mai

 

Die Erde blüht und prangt vor Frühlingslust,

Und droben stehn die Wälder grün im Blust;

Der Fliederstrauch viel weiße Sternlein streut

Auf traumversunkne selige Liebesleut.

Tanzfrohe Jugend um den Maibaum lärmt,

Wie Bienenvolk aus seinen Körben schwärmt;

Der Bauer kann mit Butter, Milch und Eiern

Bei Maigewittern frohe Pfingsten feiern.

 

 

Monatstugend: Eifer für die eigene und des Nächsten Heilung

 

Worin besteht aber der Eifer und die Eifersucht, die wir für die göttliche Güte haben sollen? Mein Theotimus, der für Gott Eifernde strebt danach, alles zu hoffen, zu fliehen, zu verhindern, zu verabscheuen, zu bekämpfen, und wo möglich alles niederzureißen, was Gott, das ist seinem Willen, seiner Ehre und der Heiligung seines Namens entgegenstrebt. "Ich hasse die Ungerechtigkeit", sagt David, "und verabscheue sie".

 

Der Heiland nannte ihn ob seines feurigen Eifers "Donnerkind". Das war aber nur der Brand einer liebeglühenden Natur. Johannes ist der Liebesjünger am Herzen Jesu. Keine irdische Liebe tat je seiner Liebe zu Gott und zum Heiland Eintrag und trübte die Vollkommenheit seiner jungfräulichen Seele. Unter dem Kreuz vertraute ihm der sterbende Meister sein Teuerstes in der Welt, seine Mutter an. Er war eine Stütze der Kirche in Kleinasien. Schon ein Greis, wurde er unter Domitian nach Rom geschleppt und vor der lateinischen Pforte in einen Kessel siedenden Öles geworfen.

 

 

 

Andacht im Mai: Maria Maienkönigin / Christi Himmelfahrt

und Pfingsten

 

Maria durchschreitet als Königin die blühenden Auen. Auf ihren Maialtären prangen die ersten Blumensträuße, und ihre treuen Kinder bringen ihr noch viel schönere Blumen dar, Blumen der Andacht, der Liebe und Verehrung. Weihen auch wir Maria die duftigsten Blumen des Gartens und die Huldigung unseres Herzens!

In dieser Zeit vollenden sich gewöhnlich die Schlussgeheimnisse der Osterzeit. Der Heiland fährt zum Himmel auf und sendet uns den Heiligen Geist. Die Jünger sahen unverwandten Auges dem Heiland nach, bis die Engel sie an seine Hinwegnahme mahnten. Blicken auch wir recht oft zur Herrlichkeit des Himmels auf und suchen wir nach den Worten des Apostels das, was droben ist, wo Christus sitzt zur Rechten Gottes. Mit Maria wollen wir uns alsdann vorbereiten auf das Pfingstfest, wie es die Apostel einst in ihrer Nähe getan haben. In jenen Tagen vor der Herabkunft des Heiligen Geistes hat sie sich als die Königin der Apostel gezeigt, weshalb wir früher am Sonntag zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten dieses schöne Fest gefeiert haben. Der Heilige Geist wird uns ganz gewiss mit Trost und Kraft erfüllen zu einem christlichen Leben und zum Apostolat.

 

 

Stoßgebetlein:

 

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen

und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

 

O Heiliger Geist, geliebter Gast meiner Seele,

bleibe bei mir und mache, dass ich immer bei dir bleibe.

 

Mutter Gottes, gedenke mein.

 

O meine Mutter, du bist meine Zuversicht.

 

O Maria, lass mich in Gott, mit Gott und für Gott leben.

 

Jungfrau Maria, Mutter Jesu, hilf, dass wir heilig werden.

 

Königin der Apostel, bitte für uns.

 

 

Bauernregeln

 

Pankratius, Servatius, Bonifazius,

der Gärtner sie beachten muss,

gehn sie vorüber ohne Regen,

dem Weine bringt es großen Segen.

 

So wie Urban sich verhält,

ist das Heuwetter auch bestellt.

 

Maientau

macht grüne Au.

 

Ein kühler Mai

und nass dabei,

bringt viele Frucht und gutes Heu.

 

Die Witterung auf Sankt Urban

zeigt des Herbstes Wetter an.

 

Wenn Urban gut Wetter und um Titus viel Regen,

so bringts im Felde viel Segen.

 

Mai kühl, Brachmonat nass,

füllen Scheunen und Fass.

 

Im Mai zartes und saftiges Gras,

gibt gute Milch ohn Unterlass.

 

Viel Regen im Mai zeigt auf trockenen September.

 

Ist es klar an Petronell,

messt den Flachs ihr mit der Ell.

 

Früher Donner,

später Hunger.

 

Vor Servati kein Sommer,

nach Servati kein Frost.

 

Je später der Schlehdorn nach dem 1. Mai blüht,

desto schlimmer solls um die Korn- und Heuernte stehen.

 

Singt die Grasmücke, ehe der Weinstock sprosst,

so verkündigt sie ein gutes Jahr.

 

Wenn die Zwetschenblüte schön weiß ist,

gibt es viel Obst;

ist sie mehr gelblich,

so solls wenig geben.

 

Welschkorn (Mais) soll man stecken, wenn der Apfel blüht,

Kartoffeln, wenn die Buchen grünen.

 

DEn Mai wünscht der Bauer kühl, aber nicht kalt,

Nachtfröste schaden, aber Winde sind gut.

 

Pfingstregen tun selten gut,

diese Regel fass in deinen Mut.

 

Regen in der Walpurgisnacht

hat stets Tenn und Keller voll gemacht.

 

Fronleichnam klar,

bringt gutes Jahr.