Die heilige Zita Lombardo, Dienstmagd von Lucca, + 27.4.1287 - Fest: 27. April

 

Die heilige Zita wurde in einem etwa drei Stunden von der Stadt Luka in Italien abgelegenen unbedeutenden Ort von einfachen aber frommen und christlichen Eltern geboren und von diesen gottesfürchtig erzogen. Ihr Vater soll Johann Lambardus, ihre Mutter Bonissima geheißen haben, ihre Schwester als Zisterzienserin im Ruf der Heiligkeit gestorben sein, so wie der Bruder ihrer Mutter, Grazian, als heiligmäßiger Laie. Ein Beweis, dass Gottesfurcht und Frömmigkeit in der Familie Zitas zu Hause waren.

 

Schon mit zwölf Jahren wurde Zita von ihren Eltern angehalten, als Dienstmädchen ihr tägliches Brot zu verdienen, und Zita zeichnete sich in dieser Eigenschaft im Haus der Familie Fatinelli in Luka durch Frömmigkeit, gutes Betragen, Ehrfurcht, Höflichkeit, Fleiß, Treue und Achtsamkeit so vorteilhaft aus, dass ihre Vorgesetzten nicht bloß mit ihr zufrieden, sondern auch so gut waren, sie in allen Dingen unterrichten zu lassen, die gut für Zitas Leben waren.

 

Die ununterbrochene Beschäftigung war gleichsam zu ihrer anderen Natur geworden. Und hatte sie einmal nichts für ihre Herrschaft zu tun, so suchte sie sich selbst eine nützliche Beschäftigung. Denn Langeweile und Nichtstun mochte Zita überhaupt nicht, weil das, wie sie wusste, aller Anfang vom Bösen ist.

 

Mit der Frömmigkeit und dem Fleiß verband sie außerdem ein sehr mitleidiges Herz, besonders gegenüber armen Waisen und gebrechlichen Armen.

 

Wie sie nur konnte, sparte sie einen Teil der ihr zur Nahrung zugeteilten Speisen, um damit einem Hungrigen etwas zu geben. Von ihrem geringen Dienstlohn teilte sie das meiste den Armen aus, und hatte sie ein Kleidungsstück, dem sie entwachsen oder das sie abgenützt hatte, so versuchte sie es so gut wie möglich auszubessern, um es einem Armen geben zu können. Ja, Zita war darauf bedacht, immer etwas als Vorrat zu haben, um den Armen damit eine Freude machen zu können, und mit Dank nahm sie alles an, was man ihr für die Armen schenkte.

 

Eines Tages, als sie einmal gar nichts hatte, was sie einem Bedürftigen hätte reichen können, erflehte von ihr ein alter kraftloser Armer eine auch noch so geringe Gabe. Das Herz brach ihr beinahe vor Schmerz, weil sie gar nichts hatte. Doch die wahre, christliche Liebe ist erfinderisch. Zita eilte an den Brunnen, reinigt ein Trinkglas sehr sorgfältig, füllt es mit frischem Wasser, und im Gedenken der schönen Ermahnung des ehrwürdigen Tobias an seinen Sohn: „Sei barmherzig so gut du kannst! Hast du viel, so teile reichlich aus; hast du wenig, so bemühe dich, das wenige doch gerne zu geben,“ eilt Zita dem kraftvollen Armen liebend entgegen, sie reichte ihm den frischen Trank, und dieser trinkt das Gefäß mit großer Lust aus, denn es kam ihm so vor, als tränke er den köstlichsten Wein. Er fühlt sich gestärkt, dankt herzlich und geht nun zufrieden seinen Weg.

 

So voller Mitleid Zita war, ebenso liebevoll war sie. Niemals vergaß sie die ermunternden und belehrenden Worte Jesu: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“, und es war eine ihrer persönlichsten Sorgen, dem Sohn Gottes in allem so getreu als möglich nachzufolgen. Raue, harte, unverdient zornige Vorwürfe und Handlungen, die sie von anderen von Zeit zu Zeit erfuhr, nicht einmal falsche Anklagen und Verleumdungen konnten die Ruhe ihrer Seele trüben. Keine Klage über Unrecht, dass man ihr tat, konnte man aus ihrem Mund hören. Sie war vielmehr in den Sinn der Worte Jesu vollkommen eingedrungen, als der einst sagte: „Wenn du deine Gabe auf den Altar legst und du dich dort daran erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder.“ Oft fiel sie deswegen jenem, der sie ungerecht gekränkt, verleumdet oder gelästert hatte, zu Füßen und bat ihn um Vergebung der Schuld, die sie doch gar nicht begangen hatte.

 

Bemühte sich Zita auf solche Art liebevoll und demütig von Herzen zu sein, so war ihr andererseits nichts unangenehmer, als wenn man sie lobte, so sehr sie auch das Lob verdient hatte. Denn sie war vollkommen von der großen Wahrheit überzeugt, dass Demut zwar dem Stand gut anstehe, doch besonders dem dienenden Stand. Sie begriff ganz und gar die Worte ihres Heilandes: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, so sagt: wir sind unnütze Knechte, wir haben nur getan, was wir zu tun schuldig waren.“

 

Die vollkommenste Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten hatte sich Zita durch ihr gutes Betragen und wegen ihrer Treue und ihres Fleißes erworben. In einem noch höheren Grad erwarb sich aber Zita die Achtung auch aller ihrer Bekannten, selbst ihrer nächsten Umgebung, durch ihre gute und christliche Art. Denn erschrak sie schon vor jedem unreinen Gedanken, so erlaubte sie sich umso weniger ein zweideutiges Wort. Sie brachte es sogar so weit, dass sich niemand traute, ihr etwas Ungutes oder gar Sündhaftes zuzumuten. Als indessen einer der Hausbewohner es doch eines Tages wagte, ihr einen solchen Antrag zu machen, so beschämte sie ihn durch Zurechtweisung so sehr, dass er es nie mehr wagte, weder bei ihr noch bei einem anderen Mädchen ähnliche Worte zu sprechen. Auch andere Mädchen zur Reinheit des Herzens zu führen, gehörte mit zu den größten Anliegen Zitas. Jesu Worte: „Selig sind, die eines reinen Herzens sind“, versuchte sie ihnen mit aller Sorgfalt vor Augen zu führen. So sehr sich Zita auch mühte, den Forderungen und Wünschen ihrer Herrschaft nachzukommen, so versuchte sie jedoch dabei Gott mehr zu gefallen, als den Menschen. Ihr Wahlspruch war von Kindestagen an: „Die Hand bei der Arbeit, das Herz bei Gott!“ und an jedem Morgen erinnerte sie sich an sie. Hatte sie ihre Gebete zu Gott in ihrer Kammer und der ganz nahe gelegenen Kirche des heiligen Frigidian verrichtet, ging sie mit erneuerter Liebe, Achtsamkeit und Freude an ihre Arbeit, die sie mehr aus Liebe zu Gott, als des Dienstlohnes wegen verrichtete. So erfüllte sie die Lehre Jesu und des großen Völkerlehrers: „Betet ohne Unterlass!“

 

Zita gehörte unter die Dienstboten, die ihren Herrschaften in allen normalen Forderungen zu gefallen suchen, ihren Nutzen befördern, sie vor Schaden warnen, mit ihrem Stand zufrieden sind und ihr Herz nicht hängen an vergängliche Güter dieser Zeit. Daher geschah es auch, dass sie vierzig Jahre lang, ohne zu wechseln, im Dienst des Hauses der Familie Fatinelli blieb. Aber auch die Familie wusste die treue, unermüdet fleißige und gottesfürchtige Magd zu schätzen. Sie behandelte die nun schon alt gewordene Zita mehr als Hausfreundin. Sie verlangte keine Dienstleistungen mehr von ihr; pflegen und schonen sollte sie ihren unter der anhaltenden Arbeit mürbe gewordenen Körper. Dem Gottesdienst, ihrer Lieblingsbeschäftigung, sollte sie, wann sie nur immer wollte, nach Gefallen beiwohnen. So angenehm ihr das zwar war, so war Zita doch andererseits an Arbeit zu gewöhnt, als dass sie nach der Rückkehr aus der Kirche unbeschäftigt hätte bleiben können. Wurde sie von ihrer Herrschaft an das Ausruhen erinnert, antwortete sie dankbar: „Sie werden doch nicht haben wollen, dass der Tod mich im Müßiggang überrascht!“

 

Doch endlich nahte sich die Stunde ihres Heimgangs. Zita wurde von einem anfangs mäßigen Fieber überfallen, das aber immer mehr zunahm und gefährlicher wurde. Sie fühlte bald selbst das herannahende Ende ihres Lebens und zögerte nicht, sich zu diesem wichtigen Übergang durch den andächtigen Empfang der heiligen Sterbesakramente vorzubereiten.

 

Keine Furcht, keine Angst, kein Zagen war bei ihr zu bemerken. Denn Christus war ihr im Leben und im Sterben Gewinn. Mit hoher Sehnsucht verlangte sie vielmehr zu sterben und mit Christus zu sein. Mit diesen Gefühlen entschlief sie sanft am 27. April 1172 im Beisein einiger frommer Frauen der Familie Fatinelli.

 

Kaum erscholl am frühen Morgen die Nachricht von dem erfolgten Tod der wegen ihren seltenen und großen Tugenden schon im Leben heilig geachteten Zita, so riefen sich unaufgefordert die Kleinen auf den Straßen zu: „Kommt, lasst uns in die Kirche des heiligen Frigidian eilen, denn die heilige Zita ist gestorben!“ Wirklich wurde auch ihr Leichnam auf allgemeines Verlangen in dieser Kirche öffentlich ausgesetzt, und es versammelte sich dabei ununterbrochen eine unzählbare Menge Volkes, um die Verklärte noch einmal zu sehen und von ihrer Kleidung sich ein Stückchen abzuschneiden, weswegen ihr Leichnam öfter neu bekleidet werden musste. Erst nach mehreren Tagen war es möglich, sie zu begraben. Das Begräbnis geschah unter dem Zulauf der ganzen Stadt und Umgegend mit großem Gepränge und mit tiefer Rührung. Später wurde ihre sterbliche Hülle, die immer ihre blühende Gestalt behielt, auf Verordnung der Kirchenvorsteher in einen steinernen Sarg gelegt und i Ehren aufbewahrt, weil an ihrem Grab und durch die Fürbitte häufige Wunder geschahen, bis endlich mit höchster Genehmigung der Kirche, unter der Regierung des Papstes Leo X., Zita als eine Heilige öffentlich verehrt werden durfte und zu ihrem Andenken an mehreren Orten Italiens Kirchen und Kapellen erbaut wurden.