Der heilige Wilhelm Firmatus, Priester und Einsiedler in der Normandie, + 24.4.1090 - Fest: 23. April

 

Der heilige Wilhelm Firmatus wurde in der Stadt Tours geboren und gelangte wegen seiner Auszeichnungen in den Wissenschaften bald zu einem reichen Kanonikate.

 

Weil aber sein Einkommen, wie es bei Pfründen der Art damals allgemein der Fall war, zumeist aus liegenden Gütern floss, war er dem Landesherrn lehenspflichtig und musste seinem Lehensherrn in den Krieg folgen. Die Kirche eiferte freilich stets gegen dieses Herbeiziehen der Geistlichen zu dem ihrem Stand gänzlich widerstrebenden Waffenhandwerk, aber vergeblich. Wilhelm ging nun ebenfalls ins Feld, nach seiner Heimkehr aber ergriff er die friedliche Kunst der Arznei und machte sich durch glückliche Kuren bei hohen Standespersonen bald so berühmt, dass er großen Zulauf erhielt. Hierdurch sammelte er sich ein ansehnliches Vermögen, das er immer mehr zu vergrößern suchte. Die Liebe zum Geld hätte noch ganz sein Herz eingenommen, wenn ich Gott nicht durch ein besonderes Mittel davon geheilt hätte. Als er eines Tages nach verrichtetem Gottesdienst heimkam, war es ihm, als säße der böse Feind in Gestalt eines Affen auf seinem Geldkasten, und er glaubte von ihm die Worte zu hören: „Ich hüte mein Geld, ich bewahre meinen Schatz!“ Wilhelm nahm sich dies so zu Herzen, dass er von diesem Augenblick an ganz umgeändert war und den festen Entschluss fasste, nicht mehr nach zeitlichen Gütern, sondern einzig nach den ewigen zu trachten. Er verteilte sein Geld unter die Armen und zog sich mit seiner Mutter in eine nicht weit von Tours entfernte Einöde zurück, wo beide mehrere Jahre hindurch ein heiliges Leben führten. Nach dem Tod der Mutter schloss er sich einem Zug eifriger Christen an, die in das gelobte Land pilgerten.

 

Auf dieser Reise war Wilhelm für seine Gefährten ein wahrer Schutzengel; sie erfuhren, was das Gebet des Gerechten bei Gott vermöge. Einmal ging der Weg durch eine große, wasserlose Sandwüste, und die übermäßige Sonnenhitze erweckte bei allen den brennendsten Durst. Da fiel Wilhelm auf die Knie nieder, betete inbrünstig und berührte sodann mit seinem Reisestab den Boden. Und siehe – es quoll ein kristallhelles Brünnlein hervor, an welchem die halb Verschmachteten sich labten und ihre erschöpften Kräfte wiederherstellten. Zu einer anderen Zeit verloren die Pilger die Richtung und wussten nicht mehr, wohin sie sich wenden sollten. Da flog auf das Gebet des Heiligen ein Rabe vor ihnen her und führte sie auf die rechte Bahn. Als sie schon nahe der heiligen Stadt waren, wurden sie von Räubern überfallen und gefesselt. Wilhelm ermutigte die verzagenden Pilger und kündigte ihnen baldige Befreiung an. Und in der Tat, nach kurzer Gefangenschaft fanden sie Gelegenheit, den Räubern zu entrinnen und konnten Jerusalem besuchen und an den heiligen Orten ihre Gelübde lösen.

 

Nach seiner Rückkehr in das Vaterland baute sich Wilhelm in der Nähe eines normannischen Städtchens eine Einsiedelei und unterwarf sich dort einem sehr strengen und bußfertigen Wandel. Die Zeit, die ihm seine gottseligen Übungen frei ließen, füllte er mit Handarbeiten aus, die ihm den Lebensunterhalt verschafften. Gott verlieh seinem treuen Diener die Gabe, verborgene Dinge zu erkennen, zukünftige vorherzusagen und Wunder zu wirken. Einer geizigen Frau verkündete er, dass sie noch an den Bettelstab kommen werde, beifügend, solches sei ihr zum Heil, indem sie dadurch aufgefordert würde, nach den ewigen Gütern zu streben. Ein andermal kam ein Junge zu ihm, um ein Almosen zu erlangen, verbarg aber erst seinen mit erbetteltem Brot gefüllten Sack hinter einer Hecke. Da sagte der Heilige: „Mein Kind, gehe hin und genieße zuvor das Brot, das du schon gesammelt hast; dann komme wieder, und du sollst nach deinem Begehren empfangen.“ Ebenso erging es einem jungen Mann, der von einer Frau zu Wilhelm geschickt wurde, ihm einige Fische zu bringen. Derselbe nahm unterwegs die besten heraus und versteckte sie in einem hohlen Baum; die schlechteren aber brachte er dem Heiligen. Wie war er beschämt, als dieser zu ihm sprach: „Ich werde weder diese Fische nehmen, noch jene, welche du aus Eingebung des bösen Geistes versteckt hast. Trage nur alle wieder der Frau zurück.“ Durch sein Gebet befreite Wilhelm einmal auch einen Gefangenen aus dem Kerker.

 

Diese und andere ähnliche Begebenheiten machten den Namen des Heiligen in der ganzen Gegend berühmt. Man schätzte ihn schon in seinem Leben als einen Mann, dessen Fürbitte große Kraft bei Gott habe. Nach seinem Tod aber, der um das Jahr 1090 erfolgte, stieg die Verehrung noch höher, und seine Grabstätte wurde die Zuflucht aller Kranken und Notleidenden weit und breit.