Der heilige Wigbert, Priester und Abt von Fritzlar, + 13.8.747 – Fest: 13. August

 

Unter den heiligen Glaubensboten, die den Segen des Christentums unter die heidnischen Deutschen trugen, nimmt eine hervorragende Stellung der heilige Wigbert ein, ein Freund und Mitarbeiter des heiligen Bonifatius. Als dieser Apostel Deutschlands mit unermüdlichem Eifer die deutschen Länder durchwanderte und zahllose Heiden dem Licht des Christentums zuführte, lag ihm alles daran, feste Säulen zu gründen, auf denen die errungenen Erfolge sicher und dauernd ruhen sollten. Als solche Säulen erkannte er die Klöster, von denen erfahrungsgemäß ein lebendiger Glaube, religiöse Gesittung und Bildung sich in die weitesten Kreise verbreitete. Deshalb stiftete er die Klöster Hamelburg, Ohrdruf, Amöneburg und Fritzlar. Da sich nun seine Wirksamkeit immer weiter über Deutschland ausdehnte, suchte er neue Mitarbeiter zu gewinnen. In Fritzlar insbesondere beabsichtigte er eine Bildungsanstalt zu gründen, die die Vorschule der berühmten Klosterschule sein sollte, die er später in Fulda ins Leben rief. Um nun einen erfahrenen, in klösterlicher Zucht aufgewachsenen, und durch Wissenschaft und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Mann zu gewinnen, wandte er sich an den Vorsteher des Klosters Glastonbury in England, woher er schon mehrere Mitarbeiter erhalten hatte, mit der dringenden Bitte, ihm den Wigbert, der früher in dem Kloster Winbrunn gewesen war, senden zu wollen, denn seine häufige Abwesenheit und vielfältigen Arbeiten und Sorgen gestatteten ihm nicht, den Unterricht und die klösterliche Zucht zu überwachen, wie er es eine Zeitlang selbst getan hatte. Wigbert folgte dem Ruf und kam mit mehreren anderen Geistlichen um das Jahr 734 nach Deutschland.

 

Hocherfreut über diesen Gewinn, reiste ihm Bonifatius eine Strecke entgegen, sagte ihm herzlich Willkommen, führte ihn nach Fritzlar und übergab ihm die Leitung des Klosters und der Schule. Bonifatius hatte alle Ursache, sich über den Gewinn dieses Benediktinermönches zu freuen, denn schon in kurzer Zeit zeigte seine Wirksamkeit einen wunderbaren Erfolg. Seine Gelehrsamkeit, seine Sittenreinheit, seine klösterliche Strenge, verbunden mit gewinnender Milde, sein unverdrossener Eifer entwickelte das Kloster bald zu einer solchen Blüte, dass es nicht bloß belebend und erweckend für die nächste Umgebung wirkte, sondern auch eine Pflanzschule für neue Missionare wurde.

 

Ein Zeitgenosse unseres Heiligen, der berühmte Servatus Lugus, hat uns ein anmutendes Bild von ihm entworfen. Er sagt unter anderem: „Wigbert war ein äußerst eifriger, in seinen Sitten strenger und in den Wissenschaften wohlbewanderter Mann, und wohin er kam, erweckte er den gleichen Tugendeifer und gleiche Liebe für die Wissenschaften. Seine Rede, seine Haltung und seine ganze äußere Erscheinung waren bedeutend. Die Pflichten seines Berufes waren ihm so heilig, dass er sich in Erfüllung derselben durch keine äußeren Begegnungen stören ließ. Im Umgang mit Menschen war er freundlich und leutselig. So lange das Gespräch sich in gleichgültigen Dingen bewegte, war er schweigsam. Ganz unvermerkt wusste er dasselbe von alltäglichen Dingen zu bedeutenden, belehrenden und erbauenden Gegenständen hinüber zu lenken, so dass er durch jede Unterhaltung geistig anregend, erweckend und belehrend wirkte.“

 

Bonifatius weilte gern in Fritzlar und brachte die wenigen Tage der Ruhe und Sammlung, die ihm sein vielbewegtes Leben vergönnte, im Umgang mit seinem geliebten Mitarbeiter zu, dem er mit seinem Rat und seiner Hilfe stets zur Seite stand. Die talentvollsten jungen Männer führte er zur weiteren Ausbildung dem Wigbert zu. Wie Fritzlar die Vorschule für Fulda war, so wurde auch Sturm, der Mitbegründer und erste Abt von Fulda, hier gebildet, und die bedeutendsten Männer, wie Megingoz, der spätere Bischof von Würzburg, und Lullus, der Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem erzbischöflichen Stuhl zu Mainz, waren mit Wigbert in Fritzlar verbunden. In einem Brief an seine Ordensbrüder in Glastonbury schildert Wigbert den reichen Segen, der trotz Mühen und Gefahren auf seinem Kloster ruhe, bittet sie um ihre Gebete, indem er ihnen beteuert, dass er sich mit ihnen in der Liebe Christi verbunden fühle, soweit sie auch durch die Räume der Erde voneinander getrennt wären.

 

Als das Kloster Fritzlar sich zu herrlicher Blüte entfaltete und eine bedeutende Schar strebsamer Schüler zählte, sollte Wigbert auch das Kloster zu Ohrdruf zu gleicher Blüte erheben. Auf die inständigen Bitten des heiligen Bonifatius verließ er seine liebe Schule und ging nach Thüringen, um auch dort im Weinberg des Herrn zu arbeiten und Diener des Altares heranzubilden. Indem er seine Lehre überall zuerst durch seine Tat bewährte und seinen Schülern jederzeit mit dem besten Beispiel voranging, zog er die Schar der Brüder glücklich mit sich fort, räumte alle Hindernisse aus dem Weg und förderte alles, was gut war. In Ohrdruf blieb er mehrere Jahre, bis auch diese Pflanzschule sich unter seiner Leitung glücklich entwickelt hatte. In seinem vorgerückten Alter und von schweren Krankheitsanfällen gebrochen, wünschte er nach Fritzlar zurückzukehren. Bonifatius willigte gern in sein Verlangen ein, und mit Jubel wurde der zurückkehrende Greis von seinen Schülern in Fritzlar empfangen. In ihrem Kreis verjüngte er sich wieder. Wenn auch sein Körper litt, sein Geist arbeitete jugendfrisch und trug wesentlich zur herrlichen Blüte des Klosters bei. Wo bei seiner Ankunft neben einem einzelnen Gehöft nur das Kloster sich eben erst erhoben hatte, da war jetzt schon eine Stadt entstanden und weiter und weiter wurde die Gegend urbar gemacht und bebaut. Sogar einen Weinberg legte er dort an. Als ihm einst beim heiligen Messopfer der Wein fehlte, drückte er aus reifen Trauben den Saft in den Kelch und erlangte von Gott den reichsten Segen seines Weinberges.

 

War das Leben Wigberts durch seine Tugenden und seine Wirksamkeit verherrlicht, so entfaltete sich der Segen noch nach seinem Tod, und durch viele Wunder wurde die Verehrung, die er in seinem Leben genossen, zur Verehrung eines Heiligen gesteigert. Reich an Verdiensten, starb er im Jahr 747, wahrscheinlich am 13. August. Sein Leichnam wurde zu Fritzlar bestattet. Als aber die Sachsen im Jahr 774 in Hessen einfielen und alles mit Feuer und Schwert verwüsteten, flüchteten die Bewohner Fritzlars mit dem Leichnam des heiligen Wigbert nach der befestigten Buraburg auf der anderen Seite der Edder. Die Peterskirche zu Fritzlar, die die Sachsen in Brand stecken wollten, wurde wunderbar errettet, wie der heilige Bonifatius bei der Einweihung prophetisch vorausgesagt hatte, sie solle nicht durch Feuer zerstört werden. Als die Kirche schon rings mit brennbaren Stoffen umgeben war, sahen die Sachsen zwei Jünglinge in blendendweißen Gewändern schützend über ihr schweben. Die Krieger, die das Feuer schüren wollten, wurden tot vor der Kirche gefunden, die übrigen entflohen schleunigst, ohne dass sie ein Mensch verfolgte. Dieser Schutz wurde dem heiligen Wigbert zugeschrieben. Nach einiger Zeit wurde der Bischof Alboin von Buraburg durch eine Traumerscheinung gemahnt, die Reliquien Wigberts von Fritzlar, wohin sie zurückgebracht waren, nach dem Kloster Hersfeld zu übertragen. Er zeigte es dem Erzbischof Lullus von Mainz an und mit Genehmigung Karls des Großen wurden dieselben im Jahr 780 dorthin versetzt und ehrenvoll bestattet. Viele Wunder an der Grabstätte des heiligen Wigbert zogen eine Menge Pilger herbei, so dass Hersfeld sich zu einer blühenden Stadt entwickelte, die im Jahr 850 eine Kirche zu Ehren des heiligen Wigbert erbaute.