Der heilige Waltger, Graf und Stifter von Kloster Herford, Westfalen, + 16.11.825 - Fest: 16. November

 

Waltgers Wiege stand auf dem uralten Ahnensitz Dornberg in der Nähe von Bielefeld, wo er frühzeitig unter den Augen seines Vaters Dedda und seiner Mutter Hedwig in guten Sitten und Heiligkeit aufwuchs. Sein Großvater Adolf gehörte zu jenen Edelingen Westfalens, die vom heiligen Bonifatius auf seiner Durchreise nach Friesland im Evangelium unterrichtet und getauft worden waren. Der Glaube Adolfs ging auf seinen Sohn Dedda über, der zur Zeit der Kämpfe Widukinds für den alten heidnischen Götzendienst seine christliche Religion mit seiner Gemahlin standhaft hielt, aber nur im Verborgenen, um nicht in den feindlichen Fehden seine Güter und sein Leben zu verlieren. Von der Frömmigkeit seiner Eltern wich Waltger nicht ab. Weder die Berühmtheit seines erlauchten Geschlechtes, noch der Glanz und die Würde seines ererbten Grafenstandes, noch seine sehr reichen Besitztümer konnten ihn zum Stolz oder zur Ausschweifung verleiten. Je mehr ihn der Himmel mit Glücksgütern überhäuft hatte, desto geringer schätzte er die Erdengüter, indem er beständig den Ausspruch Davids erwog: „Glücklich der Mann, der seine Hoffnung auf den Namen des Herrn setzt und nicht achtet auf die Eitelkeiten und Torheiten!“

 

Als der Westfalen- und Sachsenherzog Widukind den katholischen Glauben angenommen hatte, schloss Waltger mit ihm das innigste Freundschaftsbündnis und gründete auf seinen Rat die Kirche zu Herford nebst dem berühmten Frauenstift, das eine vorzügliche Pflanzschule der heiligsten Frauen wurde.

 

Nach dem Tod seiner Eltern beschloss Waltger im ehelosen Stand zu verbleiben und sein reiches Erbe zum Bau und Unterhalt eines Klosters zu verwenden. Nachdem Kaiser Ludwig ihm um das Jahr 816 die Erlaubnis dazu erteilt hatte, warf er sich auf die Knie nieder und flehte zu Gott, er möge ihm einen passenden Platz zeigen, wo er zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter eine Kirche bauen solle. Kaum hatte er sich vom Gebet erhoben, so erschien ihm eine schneeweiße Kuh, die auf jedem Horn eine brennende Kerze trug, dem Waltger voran ging und ihm den Platz für den zu erbauenden Tempel zeigte. Sogleich wurden dort die Bäume gefällt, die Felsen geebnet und in kurzer Zeit war dort eine Kirche gebaut, wo jetzt noch die Waltgers-Kirche mit der Überschrift steht: „Waltger, der Fürst dieses Landes, ist der Gründer der Kirche zu Herford.“

 

Um seinem edlen Werk den Schutz des Himmels zu sichern, sann er darauf, die Reliquien einiger Heiligen zu gewinnen. Da England einst eine große Menge Heiliger hervorbrachte, und der König dieses Landes ihm geneigt war, so ergriff er den Pilgerstab und kam glücklich nach England. Der König ging bereitwillig auf seinen Wunsch ein und als Unterpfand seiner vorzüglichen Verehrung schenkte er seinem Gast die Reliquien des heiligen Oswald, des ehemaligen englischen Königs und Märtyrers, zugleich mit dessen Schwert, das sich im Kampf gegen die Feinde des christlichen Glaubens bewährt hatte. Wer war froher, als Waltger, den die empfangenen Unterpfänder reicher machten, als alle Schätze und Reichtümer seiner Ahnen. Voll Dang gegenüber dem gütigen König beschleunigte er seine Rückreise in die Heimat, errichtete ein Stift für 14 gottgeweihte Jungfrauen, gab ihnen all sein Vermögen und behielt für sich selbst nur zwei Präbenden, aus deren Einkünften der um Christi willen arm Gewordene sein Leben anständig fristen konnte. Die erste Äbtissin, die er dem neuen Kloster vorsetzte, war seine blutsverwandte Swala, eine Frau vom höchsten Adel und ausgezeichneter Klugheit, unter deren weiser Leitung das neue Jungfrauenstift bald in allen Tugenden leuchtete.

 

Der neuen Kirche fehlte nur noch der kaiserliche Schutz, um sie vor den Geierklauen der Feinde zu sichern. Deshalb begab sich Waltger zu Fuß und im schlichten Reiseanzug zum Kaiser Ludwig dem Frommen, der sich gerade in Westfalen aufhielt, um einen Schutzbrief von ihm zu erbitten. Als der Kaiser ihn sah, hielt er ihn anfangs für einen Bettler, als er ihn aber genauer ansah, wunderte er sich, und fragte, warum er, ein Mann von so hohem Adel, in einem so gewöhnlichen Anzug erscheine? Waltger beugte sein Knie und entgegnete: „Mein Kaiser, ich habe nur Eine Tochter, die Kirche in Herford, der ich all mein Vermögen übertragen habe. Ich bitte, dass du sie mit deinem kaiserlichen Ansehen befestigst, und was meine Schwäche nicht vermag, aus dem Schatz deines Vermögens freigebig hergebest.“ Gern sicherte der Kaiser der Genossenschaft seinen beständigen Schutz und verlieh ihr dieselben Rechte und Privilegien, deren sich das Jungfrauenstift zu Soissons in Frankreich erfreute. Von der Zeit an blühte in Herford die Religion in dem Maße, dass zahlreiche Töchter von Fürsten und Grafen dort zusammenströmten, um mit Verachtung weltlicher Dinge Gott allein zu dienen.

 

Was soll ich noch von den übrigen Tugenden Waltgers hinzufügen? Nachdem er alle Sorge für seine Stiftung aufgewandt hatte, brachte er den Rest seines Lebens in frommen Übungen zu. Sein ganzes Bestreben war, in Nachtwachen und Gebeten Gott zu dienen, sein Fleisch mit Fasten und Enthaltsamkeit zu kreuzigen, den Gelüsten einen Zaum anzulegen, den Bedrückten und Leidenden zu helfen, das Irdische zu verachten, das Himmlische zu betrachten, der Welt abzusterben, Gott zu leben und das Feuer göttlicher Liebe durch fortwährende Betrachtungen zu entzünden. Was die Welt an Freude bot, wollte er nicht berühren, nur die Herrlichkeit des Himmels war sein Streben. Und weil man nur durch die Pforte des Todes zum ewigen Leben gelangt, war es sein einziges Sehnen, bald von den Banden des Fleisches befreit zu werden und die weltabgewandten Augen im erwünschten Tod zu schließen. Als ihn ein hitziges Fieber befiel und von Tag zu Tag zunahm, stärkte er sich frühzeitig mit der heiligen Wegzehrung und den übrigen Sakramenten der Kirche und krönte den irdischen Lebenslauf mit einem seligen Ende am 16. November 825. Sein Leib wurde während der Heiligen Messe in der von ihm erbauten Kirche zu Herford beigesetzt. Häufige Wunder und Zeichen verherrlichten sein Grab. Nur zwei will ich hier nennen.

 

Ein Wolf hatte einer vornehmen Frau, namens Bebeca, den Sohn geraubt. Die geängstigte Mutter, die öfters die himmlische Hilfe Waltgers erfahren hatte, erhob ihre Hände zum Himmel und beschwor den Heiligen, sie und ihren Sohn zu beschützen. Ihr Vertrauen täuschte sie nicht. Denn wie sie später aus dem Mund ihres Sohnes erfuhr, ließ ihn der Wolf zu derselben Stunde aus seinen Zähnen los, bewachte ihn drei Tage mit mütterlicher Sorgfalt und brachte ihn ohne die geringste Wunde zurück. – Ein glaubensloser Mensch spottete über dieses und andere Wunder des heiligen Waltger und nannte sie Altweibergeschwätz. Gott schlug ihn zur Strafe in der nächsten Nacht mit höchst schmerzlichen Geschwüren, gegen die sich alle ärztliche Hilfe fruchtlos erwies. Da kam er zur Einsicht, dass sein pestartiges Leiden die Strafe für seinen Frevel sei. Er bereute sein Unrecht, rief den heiligen Waltger inbrünstig um Hilfe an und versprach Besserung. Sogleich verließ ihn der Schmerz, und in wenigen Tagen erhielt er seine volle Gesundheit wieder.