Der heilige Volquin / Volkwin, 1. Abt von Sichem, Thüringen, + um 1170 - Fest: 13. November

 

Als der heilige Bernhard die deutschen Länder durchzog und mit seinem zündenden Wort die einen zum Kreuzzug gegen die Sarazenen begeisterte, um mit bewaffneter Hand das heilige Land zu befreien, die anderen zum Streben nach Tugend und Vollkommenheit entflammte, entschlossen sich viele fromme Männer und Frauen, die trügerische Welt zu verlassen, um in einsamer Klosterzelle alle Gedanken und Werke der Ehre Gottes und dem Heil der Seele zu weihen. Zu diesen gottbegeisterten Männern gehört auch der heilige Volquin.

 

Angezogen von der außerordentlichen Tugend und Gottseligkeit des heiligen Bernhard, der sehr viele Menschen zu seiner Nachfolge und zum Eintritt in den von ihm gegründeten Zisterzienserorden bewog, verließ Volquin die Pfarrstelle, die er bisher in Westfalen verwaltet hatte, um den Weg der Vollkommenheit zu beschreiten. Seine Probezeit legte er im Kloster Walkenried in Thüringen ab, und stieg in kurzer Zeit in allen Stufen der Heiligkeit zu einer solchen Höhe, dass er schon zu Lebzeiten des heiligen Bernhard zum ersten Abt des Klosters Sichem in Thüringen im Jahr 1141 erwählt wurde.

 

Die verschiedensten Tugenden traten bei Volquin in bewunderungswürdiger Weise hervor. Auch in seiner Abtwürde besuchte er fortwährend die Gefängnisse, die Krankenspitäler, die Hütten der Armen, die Wohnungen der Witwen und Waisen, und mit zuvorkommender Liebe traf er Fürsorge, dass den Bedürftigen nichts mangele. Die Pilger und Reisenden, die ihr Weg zum Kloster Sichem führte, nahm er nicht nur sehr gastlich auf, sondern wusch auch eigenhändig und demütig ihre Füße, indem er die Mahnung des göttlichen Heilandes auf sich bezog: „Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Für Gott und himmlische Dinge war er derart eingenommen, dass er alles Irdische verachtete und sein einziges Vergnügen nur in der Betrachtung und Erstrebung übernatürlicher und ewiger Güter fand. Reich an Tugenden und glänzend durch viele Wunder, ging er zur himmlischen Glückseligkeit ein am 13. November um die Mitte des 12. Jahrhunderts.

 

Die reichsunmittelbare Zisterzienser-Abtei Walkenried wurde gleich dem Kloster Sichem im Westfälischen Frieden säkularisiert und als Reichslehn dem Hause Braunschweig überlassen.