Der heilige Vitus, Knabe und Martyrer von Selo, Italien, + 15.6.305 - Fest: 15. Juni

 

Der heilige Vitus oder Veit, ein zwölfjähriger Junge, ist dem Alter nach der jüngste unter den heiligen „Vierzehn Nothelfern“, aber der Verehrung nach nimmt er von allen Vierzehn die erste Stelle ein. Man bedenke nur, dass er der Haupt- oder Nebenpatron von etwa dreizehnhundert mittelalterlichen Kirchen und Kapellen ist. Darüber hinaus gilt er als der himmlische Schutzherr der Länder Böhmen, Sachsen und Sizilien. Man ruft ihn an gegen Epilepsie, gegen Tollwut, Schlangen- und Hundebiss, gegen Blitz, Unwetter und Feuersgefahr, gegen Blindheit und andere Augenkrankheiten, um Schutz für die Haustiere und bei Aussaat und Ernte. Nicht weniger zahlreich sind auch die Leidens- und Berufsgruppen, die Sankt Vitus als Patron verehren. Da sind zu nennen die Körperbehinderten, die Tauben und die Stummen, die Schauspieler, die Kupfer- und Kesselschmiede, die Bergleute, Apotheker, Winzer und Bierbrauer. Auch besorgt der Heilige das Wecken am Morgen, wenn man am Abend vorher zu ihm betet: „Heiliger Veit, wecke mich zur rechten Zeit, nicht zu früh und nicht zu spät, wenn die Uhr auf sieben steht.“

 

Es ist also nicht zu leugnen, dass Sankt Veit bei unseren Vorfahren in hoher Achtung stand, und man begreift die Wertschätzung, wenn man sieht, was die Legende von ihm berichtet.

 

Die große und schöne Mittelmeerinsel Sizilien, die wie ein großer Ball vor der Spitze des italienischen Stiefels liegt, ist die Heimat des heiligen Vitus. Die Eltern waren reiche Leute und lebten herrlich und in Freuden, und weil ihnen bei den ewigen Festlichkeiten, die sie veranstalteten, das kleine Kind überall im Weg stand, gaben sie es zu dem Ehepaar Modestus und Kreszentia zur Erziehung, ohne zu wissen, dass die Leute Christen waren. Dass Vitus bei ihnen gut aufgehoben war, versteht sich von selbst. Und als er etwas älter geworden war und das schöne christliche Leben der Pflegeeltern beobachtete, gefiel es ihm sehr, betete immer mit ihnen und empfing die Taufe.

 

Es scheint, dass der liebe Gott seine helle Freude an dem Jungen hatte, denn er wirkte durch ihn viele Wunder: Blinde sahen wieder, Stumme redeten, und Kranke wurden geheilt. Als sein Vater von den Vorgängen hörte, ließ er den Sohn zu sich rufen und fragte ihn, ob er tatsächlich den christlichen Glauben angenommen habe, und als Vitus die Frage bejahte, misshandelte ihn der Vater auf unmenschliche Art, aber der Junge war stark genug, die Schmerzen auszuhalten. Es war aber noch nicht genug, denn nun brachte der Vater den eigenen Sohn, den standhaften Bekenner zur Polizei. Dies geschah um das Jahr 303, zur Zeit der letzten römischen Christenverfolgung. Wieder wurde Vitus geschlagen und danach in das Gefängnis geführt. In der folgenden Nacht jedoch öffneten sich von selbst die Kerkertüren, und ungesehen und ungehindert ging Vitus an den Wachen vorüber ans Meer, wo die Pflegeeltern Modestus und Kreszentia ihn schon erwarteten. Ein Boot lag auch bereit, die drei stiegen ein und entkamen nach Neapel in Italien.

 

Weil Vitus auch dort Wunder an den Kranken wirkte, wurde die Polizei bald auf ihn und die Pflegeeltern aufmerksam, so dass die drei schließlich ins Gefängnis gesperrt wurden. Man warf sie wilden Tieren vor, und die Tiere taten ihnen nichts. Man warf sie in einen Kessel mit glühendem Blei, und sie blieben unverletzt. Man spannte sie auf die Folter, und die Erde bebte. Da flohen die Folterknechte vor Angst und Grauen, ein Engel erschien und führte die drei Bekenner an einen Fluss, wo sie niederknieten, betend starben und zusammen in den schönen Himmel zogen.