Der heilige Virgilius, Abt und Bischof von Salzburg, + 27.11.784 - Fest: 27. November

 

Virgilius entstammte einer angesehenen Familie in Irland. Als Jugendlicher widmete er sich mit rastlosem Eifer den Wissenschaften, unterließ jedoch nicht, seine Seele mit den herrlichsten Tugenden zu schmücken. Bald glänzte er unter den gelehrtesten und frömmsten Männern seines Vaterlandes als bewundertes Vorbild. Zum Priester geweiht, zog ihn eine flammende Sehnsucht zu den heiligen Stätten Palästinas und zum Mittelpunkt des kirchlichen Lebens, in das ewige Rom. Auf Golgatha und am Grab der heiligen Apostelfürsten wollte er glühende Begeisterung für einen Entschluss schöpfen, sein Leben der Verkündigung des Evangeliums unter heidnischen Völkern zu weihen. In Begleitung von Lullus, Alto und mehreren anderen frommen und gelehrten Männern trat er seine Pilgerreise an, fand am Hof des fränkischen Reichshofmeisters Pipin die gastlichste Aufnahme und wurde wegen seiner Gelehrsamkeit dort zwei Jahre aufgehalten. In den gelehrten Gesprächen, die Pipin sehr liebte, stellte Virgilius die damals unerhörte Behauptung auf, die Erde sei nicht eine flache Scheibe, wie man noch allgemein glaubte, sondern eine Kugel, die ringsum von Menschen bewohnt werde, eine Behauptung, sie 700 Jahre später die Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus zur Gewissheit erhob. Seine Zuhörer verstanden ihn nicht, einige verdächtigten ihn gar als Ketzer beim Papst. Virgilius verteidigte seine Ansicht vor dem Papst so einleuchtend, dass dieser ihn in Ehren entließ.

 

Damals lebte am fränkischen Hof als Gefangener der bayerische Herzog Odilo. Virgilius bot all sein Ansehen bei Pipin auf, um dem Herzog eine gute Behandlung und wahrscheinlich auch die Freiheit zu verschaffen. Als in der Folge Virgilius nach Bayern kam, nahm ihn Odilo sehr wohlwollend auf und übertrug ihm die Abtei St. Peter und das Bistum Salzburg im Jahr 745. Der demütige Diener Gottes weigerte sich indes, die bischöfliche Würde anzunehmen, er begnügte sich mit der Abtei und ließ die bischöflichen Amtsverrichtungen durch seinen Landsmann, den Chorbischof Dobda, vornehmen. Die Beschwerden der Verwaltung des Bistums trug er freudig und eifrig zum Segen des Volkes.

 

Erst nach 22 Jahren ließ er sich durch die dringenden Bitten der umliegenden Bischöfe und des gläubigen Volkes bewegen, sich zum Bischof weihen zu lassen. Seine erste bischöfliche Verrichtung war die Einweihung der später so berühmt gewordenen Muttergotteskirche zu Altötting, die Graf Günther von Chiemgau hatte erbauen lassen. Im Jahr 767 begann er den Bau einer prächtigen Domkirche mit vier Türmen, leitete selbst den Bau und ermunterte die Hunderte von Arbeitern zum Fleiß. An jedem Samstag ließ er ein Gefäß mit Geld hinstellen, aus dem jeder Handwerker seinen Lohn nahm, aber, wunderbar! keiner konnte mehr daraus entnehmen, als ihm zukam. Im Jahr 773 weihte der Heilige das herrliche Gotteshaus, das als ein Wunder der Baukunst angestaunt wurde, unter großen Feierlichkeiten ein und ließ die Gebeine des heiligen Rupert und zweier seiner Schüler von der Klosterkirche St. Peter in das neue Münster übertragen, wo sie noch jetzt ruhen. Zur Besorgung des Gottesdienstes stellte er zwölf Weltpriester an, damit die Mönche in St. Peter ungehinderter das Christentum verbreiten könnten.

 

Nachdem Virgilius die Angelegenheiten seines Bistums geordnet hatte, drängte ihn die Liebe zum Heil der Seelen, sich mit allen Kräften dem Missionswerk zu weihen und den Heiden das Licht des Glaubens anzuzünden. Seinem Wunsch kam der Herzog Chitomar von Kärnten entgegen, der früher am bayerischen Hof die christliche Religion kennen gelernt hatte und nichts sehnlicher begehrte, als auch seinem Volk die Segnungen des Christentums zuzuwenden. Der heilige Virgilius schickte sich gerade selbst zu einer anderen Missionsreise an und sendete deswegen statt seiner den vortrefflichen Landbischof Modestus nebst mehreren anderen Priestern nach Kärnten mit der Vollmacht, nach Gutbefinden Kirchen zu bauen und Priester zu weihen. So wurde das schöne Kärntnerland für den Glauben gewonnen. Unterdessen zog Virgilius bis an die Grenzen von Ungarn, verkündete den Heiden das Evangelium, stärkte die Getauften im Glauben und bewog den bayerischen Herzog Thassilo, das Kloster Kremsmünster zu gründen und mit Benediktinern zu bevölkern, die noch heute segensreich für das ganze Salzkammergut wirken. Zwei seiner Mönche entdeckten die Heilquellen von Gastein, in denen schon so viele Kranke und Presshafte Genesung gefunden haben. Um den Wohlstand des Volkes zu fördern, ließ er die alten Erzgruben des Landes wieder ausbeuten. Eine blühende Schule errichtete er auf der Insel im Chiemsee und scheute keine Mühe, das zeitliche und geistige Wohlergehen seiner Untergebenen zu fördern.

 

Am Abend seines tatenreichen Lebens unternahm der greise Bischof noch einmal eine Visitationsreise durch sein ausgedehntes Bistum und zeichnete seine Schritte mit Wohltun. Er hatte seinen Kräften zu viel zugetraut. Erschöpft und krank kehrte er heim. Als er die Stadt Salzburg von fern sah, rief er im Vorgefühl seines nahen Todes aus: „Dies ist meine Ruhe, hier will ich wohnen ewiglich!“ Vereint mit seinem göttlichen Erlöser in der letzten Wegzehrung, legte er sein todmüdes Haupt nieder und entschlief sanft am 27. November 784. Papst Gregor IX. versetzte ihn im Jahr 1233 unter die Zahl der Heiligen. Zu seinem wunderreichen Grab pilgern noch heute die dankbaren Bewohner des Salzburger Landes.