Der heilige Vincenz von Paul, Priester und Ordensstifter von Paris, + 27.9.1660 - Fest: 27. September

 

Seitdem Jesus durch sein Wort und Beispiel und durch den Tod am Kreuz die Menschen die Nächstenliebe gelehrt hat, ist die lange Reihe jener Christen nicht mehr abgerissen, die im Dienst der christlichen Barmherzigkeit Großes und Herrliches vollbracht haben. Und einer der größten und herrlichsten unter ihnen ist sicherlich der heilige Vincenz von Paul. Allein die bloße Aufzählung dessen, was der Heilige für die Armen, die Waisen, die Schwerstkranken, die Sträflinge, die Geisteskranken, die alten Leute und so weiter getan hat, gäbe eine Aufstellung, die fast so lang ist wie die Allerheiligenlitanei.

 

Wie aber kann einer nur Vincenz von Paul heißen?

 

Paul ist der Familienname des Heiligen. Wie andere Leute den Namen Walter oder Werner oder Wilhelm als Familiennamen führen, so hieß Vincenz von Haus aus Paul. Und das Wörtchen „von“ bei dem Namen Paul zeigt an, dass es sich um eine adlige Familie handelte.

 

Als Vincenz geboren wurde, waren der Familie von dem Adel allerdings nur noch Name und Edelsinn übriggeblieben. Von Wohlstand konnte keine Rede sein. Die Leute besaßen einen kleinen Bauernhof mit wenig Vieh und schlechtem Ackerboden. Alle im Haus, Vater, Mutter und Kinder, mussten schwer arbeiten, um durchzukommen. Als Fünfjähriger hat Vincenz das Vieh gehütet und als Zwölfjähriger den Pflug geführt. Früh hat er das Arbeiten gelernt, und was Faulheit war, blieb ihm zeitlebens unbekannt. Deswegen hat Vincenz auch viel geschafft und geleistet.

 

Weil Vincenz studieren wollte, um Priester zu werden, verkaufte der Vater, der anders die Studienkosten für den Sohn nicht aufbringen konnte, die zwei Ochsen, die er hatte. Da musste er mit der Mutter und den anderen Kindern auch noch die Arbeit der beiden Zugtiere auf sich nehmen. Gern haben er und die Seinen sich der zusätzlichen Mühe unterzogen, denn als gute Christen wussten sie, dass die Ehre, einen Priester in der Familie zu haben, alle Opfer aufwiegt.

 

Als Vincenz später die heilige Priesterweihe empfangen hatte, versuchte er als dankbarer Sohn und Bruder die Eltern und Geschwister zu entschädigen. Alles wollte er daran setzen, dass seine Familie wieder zu Reichtum komme. Damals wusste er nämlich noch nicht, dass das Glück nicht in Geld und Gut, sondern in der Rechtschaffenheit und in dem Erfüllen von Gottes Willen besteht. Und weil diese Tugenden ohnehin in der Familie Paul blühten, so war sie ohne Reichtum glücklich genug. Reicher brauchte sie gar nicht zu werden.

 

Es wäre auch schade gewesen, wenn Vincenz sich in der Sorge für die Seinen verloren hätte, denn dann wäre er nicht der Vater aller Armen vom kleinsten Kind bis zum ältesten Menschen geworden.

 

Um den jungen Priester von seinen falschen Gedanken und Plänen abzubringen, ließ Gottes Weisheit es zu, dass er auf einer Schiffsreise von Seeräubern gefangen und als Sklave an die Mohammedaner in Nordafrika verkauft wurde. Damit begann für Vincenz eine harte Zeit. Weil der priesterliche Sklave durch Krankheit geschwächt war und deshalb nur wenig arbeiten konnte, war kein Besitzer mit ihm zufrieden und einer verkaufte ihn an den anderen. Unaufhörlich wurde er zur Arbeit in der mörderischen Hitze Afrikas angetrieben. Man schlug ihn und ließ ihn hungern. Ganz arm und elend und krank und verachtet und verstoßen und verlassen war Vincenz geworden. Aber all das musste nach Gottes Fügung so sein, denn damals lernte der spätere Apostel der christlichen Nächstenliebe am eigenen Leib kennen, wie bittere Not und Armut schmecken.

 

Als Vincenz daher nach zwei unbeschreiblich schweren Jahren mit Gottes Hilfe aus der Sklaverei entfliehen konnte, hatte er eine neue Familie gefunden. Er fand die große Familie Jesu Christi, zu der die Armen, die Behinderten, die Kranken, die Waisen und alle gehören, die an Leib oder an der Seele in Not sind.

 

Unglaublich viel ist es, was Vincenz von Paul im Dienst der christlichen Barmherzigkeit geleistet hat. Und heute noch, dreihundertfünfzig Jahre nach seinem Tod, setzt er in Tausenden von Barmherzigen Schwestern sein Wirken segensreich fort. Er war der Stifter dieser Gemeinschaft von Frauen, die ihm zu Ehren den Namen Vincentinerinnen führen. Aller Segen, der seitdem bis heute von den Krankenhäusern katholischer Ordensschwestern ausgeht, hat seine Quelle im Herzen des großen Caritasapostels Vincenz von Paul.