Der heilige Viktor und Genossen, Martyrer von Karthago (afrikanische Martyrer), + 24.2.259 - Fest: 24. Februar

 

Die Leidensgeschichte der afrikanischen Martyrer Lucius, Montanus u.a. ist so schön und erhebend, dass sie noch etwas ergänzt werden sollen. Besonders schön sind die Visionen, mit denen Gott seine Getreuen in ihrer qualvollen Kerkerhaft tröstete.

 

Unter den Mitgefangenen war auch der Priester Viktor. Er war ein anderer, als der oben erwähnte Viktorius, der mit Montanus enthauptet wurde, während Viktor schon vorher, bald nach der ihm gewordenen Erscheinung, gelitten hat. Er erzählt: Ich sah einen Knaben in den Kerker eintreten, dessen Angesicht in einem unbeschreiblichen Glanz leuchtete. Er führte uns in allen Winkeln des Kerkers herum, als wollte er einen Ausgang suchen; doch konnten wir nicht hinausfinden. Da sprach er zu mir: „Ihr müsst jetzt noch etwas Beschwerden leiden und werdet noch zurückgehalten; aber vertraut auf mich, ich bin bei euch. Sage ihnen (den Mitgefangenen), dass ihr eine desto herrlichere Krone haben werdet. Der Geist eilt schon zu seinem Gott, und dem Leiden nahe sieht die Seele sich um nach ihrer Heimat.“ Da fragte ich: „Wo ist denn das Paradies, unsere Heimat?“ Der Knabe antwortete: „Es ist außerhalb der Welt.“ – „So zeige es mir!“ – „Wenn ich es dir zeigte, wo wäre dann der Glaube?“ Wenn wir jetzt schon all das Zukünftige sähen, dann gäbe es keinen Glauben. Dann hätten wir aber auch kein Verdienst. Denn dadurch, dass wir auf Gottes Wahrhaftigkeit vertrauen, dass wir glauben, was wir nicht sehen, weil es Gott gesagt hat, verdienen wir die Seligkeit als Lohn für unsere vertrauensvolle Hingabe an Gott.

 

Um unseren Bekenner Flavian entspann sich ein eigenartiger Streit zwischen der himmlischen und irdischen Liebe, wobei er, der Gegenstand des Streites, mit der ganzen Sehnsucht seines Herzens die Partei Gottes ergriff. Das Edikt des Kaisers Valerian bedrohte nur die Bischöfe, Priester und Diakone mit dem Tod, während gegen die übrigen Gläubigen keine so harte Strafe ausgesprochen war. Als nun die Martyrer zur endgültigen Verurteilung vorgeführt wurden, beteuerte Flavian wohl immer wieder, dass er Diakon sei; allein seine zahlreichen Freunde und Schüler, schwache Christen und zumeist noch Heiden, von falscher Liebe bewogen, behaupteten immer, er sei nicht Diakon, und setzten es durch ihren Einfluss durch, dass er wieder ins Gefängnis zurückgebracht wurde, während Montan und seine Genossen zum Martertod geführt wurden. Aber unerschüttert war Flavians Bekennermut, unbesiegt seine Glaubenskraft, des kommenden Leidens gewiss seine Zuversicht, ruhig sein Geist und ob des Hindernisses nicht bekümmert. Wer allein sich grämte und wen er beruhigen musste, das war seine Mutter. Diese unvergleichliche Frau, die sich als wahre Tochter Abrahams bewährte, da sie wünschte, ihr Sohn möchte im Gehorsam gegen Gott geopfert werden, war im Innersten schmerzlich ergriffen, dass er noch zurückbleiben musste. O wahrhaft fromme Mutter, auch neben den großen Vorbildern des Altertums noch ehrwürdig! Du makkabäische Mutter, wenngleich du nicht so viele Söhne hast, so hast du doch in diesem einzigen Kind all deine Mutterliebe dem Herrn zum Opfer gebracht! Und dieser Sohn, sich glücklich preisend ob der hochherzigen Gesinnung seiner Mutter, tröstete sie: „Du weißt ja, Mutter, aller Liebe wert, wie ich immer verlangt habe, wenn ich einmal Gelegenheit haben sollte, meinen Glauben zu bekennen, doch die Marter recht auszukosten, mich recht oft in Ketten zu sehen und recht lange darin gefangen gehalten zu werden. Wenn mir nun das alles zuteilwird, was ich gewünscht habe, so ist ja mehr Ursache, sich zu freuen als zu betrüben.“ So erwartete der Martyrer Gottes mit größter Zuversicht, nicht zuletzt auch im Vertrauen auf die Fürbitte seiner vorausgegangenen Brüder den dritten Tag nicht als den Tag des Todes, sondern der Auferstehung. Auch das Heidenvolk, das eben vorher Montans weithin tönendes Gebet mitangehört hatte, wartete voll Begierde auf diesen Tag.

 

Noch einmal bot sich das Schauspiel eines heißen Kampfes zwischen Erde und Himmel um eine Menschenseele, wie er sich ja öfters, unbeachtet von der Außenwelt, in der Menschenbrust abspielt. Flavian wurde wieder vor Gericht geführt. Beim Eintritt in den Gerichtshof schlossen sich seine Freunde aus den Christen fest an ihn an, so dass sie seine Hände in den ihrigen hielten, und erwiesen ihm alle Ehre und Liebe, wie sie einem Martyrer, mit dem sie zusammengelebt hatten, gebührte. Auch seine heidnischen Schüler kamen und suchten ihn wiederum unter Tränen zu bereden, dass er doch jetzt opfere, um das Leben zu erhalten. Den sicheren Tod zu wählen, sei doch töricht. Aber liebreich dankte er für die bewiesene Freundschaft. „Wir Christen, sprach er, leben, auch wenn wir getötet werden. Wir werden durch den Tod nicht besiegt, sondern wir siegen durch ihn.“ Nun stand Flavian vor dem Richter. Dieser schien ihn selbst gerne retten zu wollen und machte ihm zum Vorwurf, dass er lüge, wenn er sich als Diakon ausgebe. Doch der unüberwindliche Bekenner des Herrn beteuerte immer wieder, dass er es sei. Da überreichte ein Hauptmann dem Richter eine Schrift, in der mehrere Personen mit Namensunterschrift bezeugten, dass er noch nicht Diakon sei. Die Erregung des Volkes wuchs, und der Prokurator erging sich in noch bittereren Vorwürfen. Auch Flavians Antlitz erglühte in heiliger Erregung: „Was hätte ich denn davon, mich einer Lüge schuldig zu machen, die mir den Tod bringt? Den vielmehr klage ich der Lüge an, der diesen falschen Bericht geliefert hat.“ Nun schrie das Volk, er solle gefoltert werden, nicht um ihn zu peinigen, sondern in der Hoffnung, ihn dadurch zur Leugnung seines kirchlichen Standes zu zwingen und so zu retten. Wozu doch irdische Liebe führt! Nun zeigte es sich aber offenkundig, wie Gott die Herzen lenkt. Der Prokurator verurteilte jetzt den siegreichen Bekenner ohne weiteres zum Tod durchs Schwert.

 

Wonne und Seligkeit war dem lange Gequälten diese Entscheidung. Von vielen Priestern begleitet, in geordnetem Zug all seiner Schüler, geehrt wie ein Fürst, schritt würdevoll der glorreiche Sieger im Zweikampf der Liebe zur Richtstätte. Ein milder Regen war während des Zuges gefallen, reichlich genug, um die neugierigen heidnischen Zuschauer zu zerstreuen und so den Christen ungehindert Gelegenheit zu geben, die letzten Worte der Liebe mit dem Martyrer zu tauschen und den Friedenskuss zu wechseln. „Es muss regnen“, meinte in sinniger Weise der fromme Jünger Christi, „damit, wie beim Tod des Herrn, sich Blut mit Wasser mische.“ Dabei erzählte er seinen Freunden, dass ihm in den letzten Tagen Offenbarungen zuteil geworden seien über seinen bevorstehenden Tod. Von einem erhöhten Ort aus sprach er dann noch die Abschiedsworte: „Ihr habt den Frieden, geliebteste Brüder, wenn ihr den Frieden der Kirche und die Einheit der Liebe bewahren werdet. Glaubt nicht, dass es etwas Geringes sei, was ich da gesagt habe. Unser Herr Jesus Christus hat, als er dem Leiden nahe war, dasselbe empfohlen, da er sagte: Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ Nachdem ihm mit dem Stück Tuch, das Montan vor zwei Tagen für ihn aufbewahren ließ, die Augen verbunden worden waren, kniete er sich wie zum Gebet nieder, und betend ging er ein in die so lang ersehnte Herrlichkeit der Blutsfreunde Christi.

 

Der Tod vermag die in christlicher Liebe Verbundenen nicht zu trennen. Der Fromme, gewöhnt an die Betrachtung des Übernatürlichen, sieht dem Tod mit Freuden entgegen. Die ihm vorausgegangen sind, kommen nur einige Tage früher ans Ziel und erwarten dort froh die Zurückgebliebenen. Wie die in den Martyrerakten nicht seltenen Vorkommnisse lehren, können die Heiligen mit Gottes Zulassung auch durch Gesichte und ähnliche Erscheinungen mit uns in Verbindung bleiben. Von solchen Dingen hat der glaubenslose Mensch keine Ahnung, da er nur im Irdischen lebt und am Sinnlichen klebt; er hat aber auch keine Ahnung von der Liebe über den Tod hinaus.