Der heilige Vicelin, Bischof und Bekenner von Oldenburg, + 12.12.1154 - Fest: 12. Dezember

 

Schon Kaiser Otto I. hatte um das Jahr 967 das Bistum Aldenburg oder Oldenburg in Holstein gestiftet und dem Erzbistum Hamburg unterstellt. Der erste Bischof von Aldenburg war Egward. Sein fünfter Nachfolger Bernhard floh, von den Slaven vertrieben, zum Bischof Bernward von Hildesheim, wohnte am 24. September 1022 der Einweihung der St. Michaelskirche bei, wurde im Volksgedränge verletzt und gab einige Tage später seinen Geist auf. Unter dem zehnten Bischof von Aldenburg, namens Enzo, brach eine Empörung der Slaven aus, in der der Bischof entfloh. 84 Jahre blieb der Oldenburger Bischofssitz unbesetzt. Da erschien, wie von Gott gesandt, ein schlichter, frommer Priester, der das verfallene Bistum zu neuer Blüte erhob und sich den Ehrentitel „Apostel der Holsaten und Wagrier“ eroberte. Sein Name ist Vicelin.

 

Vicelin war in Hameln an der Weser, im Sprengel des Bistums Minden, geboren und erhielt seinen ersten Unterricht von gelehrten Kanonikern. Als junger Mann geriet er in große geistige und leibliche Not. Der berühmte Gelehrte Hartmann zu Paderborn nahm ihn als Haus- und Tischgenossen an. „Hier studierte er gar viele Jahre lang mit unbeschreiblichem Fleiß und Eifer“, übertraf bald alle seine Studiengenossen und unterstützte seinen Lehrer im Unterricht an der berühmten Domschule. Unter den Heiligen verehrte er besonders den heiligen Nikolaus, dessen Dienste er sich opferwillig widmete. Sein Oheim Ludolph, Pfarrer von Feule, unterstützte seinen strebsamen Neffen in allem Guten. Von Paderborn wurde Vicelin als Vorsteher der Schule nach Bremen berufen, und wirkte zur höchsten Zufriedenheit des Bischofs Friedrich. Später ging Vicelin nach Frankreich und genoss den Umgang mit den gelehrten und berühmten Lehrern Radulph und Anselm von Laon. Je tiefer er in die Wissenschaften eindrang, desto demütiger bekannte er: „Zu spät habe ich angefangen; ich muss eilen, um noch tüchtiger zu werden.“

 

Nach Deutschland zurückgekehrt, empfing er vom heiligen Norbert, Erzbischof von Magdeburg, die Priesterweihe. Voll glühenden Seeleneifers beschloss er, die Holsaten, Rugier und Obotriten zum Christentum zu bekehren. Mit den Priestern Rodolph und Ludolph, Domgeistlichen zu Hildesheim und Verden, reiste er zunächst nach Lübeck, dann nach Holstein und übernahm 1126 die Pfarrei von Faldera oder Neumünster, an der Grenze der slavischen Wagrier. Seine Predigt wirkte unter den Nordalbingiern so mächtig, dass das Volk, zum großen Teil noch heidnisch und roh, sich willig seiner Leitung zu einem christlichen Leben überließ. Auch der Wendenfürst Zwentepolch nahm ihn in seiner Residenz Lübeck freundlich auf. Als aber im Jahr 1138 die Rugier mit einem starken Raubgeschwader Lübeck überfielen und die Burg und die ganze Gegend verwüsteten, mussten die christlichen Einwohner mit ihren Geistlichen die Flucht ergreifen.

 

Auf Vicelins Rat ließ Kaiser Lothar die Burg Sigeberg (Segeberg) im Land Wagrien bauen und stiftete am Fuß des Berges eine reich dotierte Kirche. Aber schon bald verwüsteten die Obotriten von Lübeck aus das Land mit Feuer und Schwert, verbrannten die Münsterkirche, durchbohrten den frommen Priester Volker, und metzelten nieder, was nicht entfloh. Die Geistlichen flüchteten zum Hafen von Faldera, wo Vicelin alle liebreich aufnahm.

 

Unter vielen Mühseligkeiten und Gefahren drang der eifrige Missionar nach allen Seiten vor, predigte mit dem glücklichsten Erfolg, trieb Teufel aus, heilte Kranke aller Art, baute Kirchen und verzehrte sich im Dienst Gottes. Seitdem die Sachsen die Slaven aus dem größeren Teil von Holstein verdrängten, stellte Vicelin gemeinsam mit dem frommen Priester Thetmar von Bremen die verwüsteten Kirchen wieder her und gründete neue Kirchen und Klöster.

 

Um dem lange verwaisten Bistum Aldenburg wieder einen Oberhirten zu geben, weihte der Erzbischof Hartwig von Bremen den ehrwürdigen und hochverdienten Vicelin am 11. Oktober 1149 in Horseveld zum Bischof dieses Sprengels. Heinrich der Löwe schenkte ihm für sein Bistum die Insel Bozon nebst Dulzaniza, der Graf Adolf von Wagrien trat die Hälfte des Zehnten an das verjüngte Bistum ab. Vicelin baute in Bozon eine Kirche zum Gedächtnis des Apostels Petrus. Während er sich um Pfingsten 1152 in Merseburg aufhielt, starb in Sigeberg sein treuer Gefährte und Freund, der Propst Thetmar. Vicelins letzte Lebensjahre trübte der Kummer über den Streit Heinrichs des Löwen mit dem Erzbischof Hartwig über die Gerichtsbarkeit in seinem Sprengel. Auf einer Missionsreise traf ihn in Faldera ein Schlaganfall, der ihm die Zunge und Glieder lähmte. Zwei und ein halbes Jahr konnte er weder sprechen, noch ein Glied rühren. Denn och ließ er sich von seinen Geistlichen in die Kirche tragen und stärkte sich durch die Besuchung des heiligsten Sakramentes und durch den Blick auf den gekreuzigten Erlöser. Wie er im Leben Christus den Gekreuzigten gepredigt hatte, so opferte er sein schweres Leiden dem Gekreuzigten auf und verschied sanft und selig am 12. Dezember 1154, nachdem er 35 Jahre als Priester und fünf Jahre als Bischof unermüdlich für das Heil der Seelen gearbeitet hatte.

 

Viele Wunder an seinem Grab bestätigten die Heiligkeit des treuen Dieners Gottes. In der Reformationszeit wurde der Glaube an die schönen Werke christlicher Frömmigkeit in jenen Gegenden verwüstet, aber 1866 ist wieder ein katholischer Priester in Neumünster eingezogen, um der jungen Gemeinde die Wahrheit zu verkünden und das Brot des Lebens zu brechen. Nach 300 Jahren Unterbrechung wurde in dem bescheidenen katholischen Kirchlein wieder das Opfer des Neuen Bundes dargebracht, und am 12. Dezember jeden Jahres erschallt dort aus dem Mund des Priesters und der kleinen katholischen Herde laut und feierlich das Lob des heiligen Holsten-Apostels Vicelin.