Der selige Tuto, Abtbischof von Regensburg, + 10.10.930 - Gedenktag: 10. Oktober

 

Der selige Tuto wird zum ersten Mal in einer Urkunde vom Jahr 889 aufgeführt als Mönch und Diakon des Klosters St. Emmeram in Regensburg. Die Jahrbücher nennen ihn einen ganz frommen Mönch und heiligen Mann. In den weltlichen Gegenständen und herkömmlichen Kenntnissen gebildet, hatte er bald ein Leben voll Unruhe und Gefahren, wie die Welt es ihm bot, verlassen, um sich ganz allein der Wissenschaft des Heils zu widmen. Einen edlen Geist ziehen die ewigen Wahrheiten an. Ausgezeichnete Tugenden empfahlen ihn bald zu wichtigen Diensten. Tuto verwaltete die Stelle eines Kustos (Bewahrer) in seinem Kloster. Als solcher hatte er zwar keine eigentliche klösterliche Würde inne, war aber als Vorstand der Sakristei, Schatzkammer, Bibliothek, des Archivs, als Aufseher über die Reliquien, Stiftungsgefälle usw. jedenfalls nach außen neben dem Klostervorstand die hervorragendste Persönlichkeit des Stiftes.

 

Noch höher sollte das Licht auf den Leuchter gehoben werden. Nach dem Tod des Abtbischofs Aspert (im Jahr 894) wurde Tuto zum Bischof von Regensburg erwählt. Er sträubte sich, seine stille Zelle zu St. Emmeram zu verlassen. Aber König Arnulf wandte sich an den Stiftsvorsteher und der befahl Tuto in kraft des klösterlichen Gehorsams die neue Würde anzunehmen.

 

Als Bischof lebte der selige Tuto für das Wohl der ihm anvertrauten Herde, aber auch für das Wohl der gesamten deutschen Kirche. An den Bestrebungen, sie zu verbessern, nahm Tuto lebhaften Anteil. Als bester Gönner und Helfer in diesem edlen Streben stand ihm König Arnulf zur Seite, der am liebsten und längsten in Regensburg Hof hielt. In allen wichtigen Reichsangelegenheiten nahm Arnulf seine Zuflucht zum frommen und weisen Regensburger Kirchenfürsten.

 

Arnulf hatte im Krieg gegen Swatopluk von Mähren die Hilfe des heiligen Emmeram erfahren. Nach seiner Rückkehr schenkte der König der Kirche St. Emmeram aus Dankbarkeit einen kleinen viereckigen Altar von einer Goldplatte bedeckt und mit Edelsteinen besetzt, von acht Säulen getragen, dazu einen silbernen Untersatz und ein kostbares Evangelienbuch, das einst Karl der Kahle 870 von zwei Brüdern, Berengar und Liuthard, mit Gold auf Purpurpergament hatte schreiben lassen. Die Zeitgenossen berichten, dass man damals kein Buch gekannt habe, das an Kunstwert und an Schönheit mit diesem Schatz hätte verglichen werden können. Dieses vorzügliche Werk westfränkischer Kunstfertigkeit wird zurzeit unter den Kleinodien der Münchener Staatsbibliothek aufbewahrt.

 

Um dem geistlichen Fürsten, dem kräftigsten Stützen des Thrones, größere Ansehen zu verschaffen, berief der König auf den 6. Mai 895 eine Synode nach Tribur bei Mainz. Tuto war anwesend. Diese Reichssynode, deren Vorsitzender Hatto von Mainz war, erließ 58 heilsame Vorschriften. Es wurde unter anderem bestimmt, dass ein Mönch zur Rettung seiner Seele oder um Seelen anderer zu gewinnen, mit Erlaubnis seines Bischofs, seines Abtes und seiner Mitbrüder sein Kloster verlassen und in ein anderes sich begeben dürfe. Wenn aber ein Mönch der geistlichen Zucht zu entfliehen trachte und deswegen den Abt verlassen wolle, so solle er von allen Brüdern gemieden und nirgends aufgenommen werden, damit er beschämt wieder zu seiner Pflicht zurückkehren müsse. Bei Gelegenheit der Triburer Reichssynode kam ein Gütertausch zwischen Tuto und einem Kleriker Heinrich zustande. Tuto überließ ihm durch seine Vögte Avo und Gundpert Güter zu Ittling und Denchling, erhielt aber dafür für „das Hochstift“ St. Emmeram und St. Peter die Güter zu Biebing und Denchling.

 

Nach Beendigung der Synode erlebte Tuto die Freude, tschechische Häuptlinge unter Führung des Spitihniev in Regensburg begrüßen zu können. Dieser Spitihniev, Sohn der heiligen Ludmilla von Böhmen (+ 927), war ein eifriger Förderer des Christentums. Bei dieser Gelegenheit wurden die Rechte des Regensburger Bischofstuhles auf Böhmen, die durch die mährisch-slavische Herrschaft gefährdet waren, wieder aufs Neue befestigt.

 

Tuto zeigte großen Eifer, in seinem weit ausgedehnten Sprengel neue Kirchen und Seelsorgstellen zu errichten, wobei ihn sein kaiserlicher Freund Arnulf treu unterstützte. Zu Roding (Rotagin) hatte Arnulf eine königliche Kapelle bauen lassen. Tuto weihte sie zu Ehren des heiligen Jakobus Minor und des heiligen Pankratius ein. Es war dies zweifelsohne eine Votivkirche des Kaisers für die auffällig rasche und glückliche Erstürmung Roms an der Kirche St. Pankratius.

 

König Arnulf starb 899 am 8. Dezember. Auch bei seinem Sohn, dem König Ludwig, zubenannt Ludwig das Kind, nahm Tuto eine einflussreiche Stelle ein. Nach dem frühen Tod Ludwigs, der 911 zu Regensburg erfolgte, wurde im selben Jahr Konrad der Salier zum deutschen König gewählt. Derselbe kam 916 nach Regensburg und wollte den Leib eines heiligen Dionysius, den er selbst von einer Reise nach Frankreich in der Begleitschaft Arnulfs mitgebracht haben soll, und das kostbare Evangelienbuch Karls des Kahlen mit sich nehmen. Den heiligen Leib fand er nicht. Von Tuto forderte der König auf den Rat seiner Kapläne, den Codex aureus (Das goldene Rechtsbuch) auszuliefern. Mit Freimut erklärte der Selige, dass er ihn nicht übergeben werde. Auf die Drohungen Konrads hin legte Tuto das Buch auf den Altar und rief zugleich den heiligen Emmeram um Rache über den Räuber des Schatzes an. Konrad ließ sich durch solche Worte nicht abschrecken. Er befahl seinen Dienern es zu nehmen und entfernte sich. Aber kaum hatte Konrad sich aufs Pferd gesetzt, da wurde er von heftigen Leibschmerzen befallen. Er erkannte dies als Strafe für den frevelhaften Raub und brachte das entwendete Buch wieder zurück. Allein die Krankheit ließ, wie erzählt wird, dessen ungeachtet nicht nach. Der Kaiser starb zwei Jahre später an einer Wunde, die er bei einem Feldzug erhalten hatte.

 

Von Tuto erhielt St. Emmeram einen goldenen Altarschmuck mit goldenem Kreuz aus Kronen Karls des Großen, Karlmanns und Kaiser Arnulfs gefertigt. Tausend Edelsteine haben ihn geziert. Derselbe war im Jahr 1633 noch vorhanden. In diesem Jahr wurde er zur Zahlung einer großen, vom Herzog Bernhard von Weimar auferlegten Brandsteuer verwendet.

 

Damals gehörte das Kloster Mondsee zum Bistum Regensburg. Es war ein Lieblingsaufenthalt des Bischofs Tuto. Als Tuto in Mondsee (Lunalacum) weilte, verkündete er den Mönchen einen schrecklichen Brand, durch den an einem gewissen Tag Regensburg vernichtet worden sei, so genau und umständlich, als wenn er ihn mit leiblichen Augen gesehen hätte. Die später ankommenden Boten bestätigten die Aussage des Bischofs.

 

In seiner letzten Lebenszeit erblindete Tuto. Dieses Leid ertrug er voll Ergebung in Gottes heiligen Willen. Er pflegte zu sagen: „Es sei ein kleiner Verlust, das leibliche Augenlicht zu entbehren, das wir mit den Mücken gemein haben; er sei zufrieden, wenn er die Augen des Geistes besitze, mit denen er Gottes Majestät betrachten könne.“

 

Der Selige starb im Kloster Mondsee am 10. Oktober 930 (931). Sein Leichnam wurde nach Regensburg gebracht und in St. Emmeram begraben. Sein Grabdenkmal steht im Südschiff der Kirche in nächster Nähe des Grabdenkmales des heiligen Wolfgang und ist eine einfache Steinplatte auf vier kleinen Pfeilern. Tuto hat den Regensburger Hirtenstab vierzig Jahre geführt. Arnold von Vohburg, um 1035 Prior von St. Emmeram, dessen Bücher über Leben, Tugenden und Wunder des heiligen Emmeram eine sehr wertvolle Quelle für die älteste Geschichte Regensburgs und Bayerns sind, nennt Tuto „einen Mann von großer Sanftmut und Frömmigkeit und von erleuchtetem Verstand“. Der gelehrte Abt Trithemius zählt ihn unter die Heiligen des Benediktinerordens; in der Regensburger Kirche wird aber kein Offizium von ihm gefeiert. Sein heiligmäßiges Leben beweist jedoch Arnold hinlänglich.

 

Sei ein treuer Kustos, ein Wächter und Bewahrer der Gnadengaben Gottes! Lasse sie nicht durch Trägheit im Guten, durch Halbheit und Gleichgültigkeit dir entschwinden, durch hochfliegenden Stolz sie nicht rauben. Die Tugenden, die Folgen beharrlicher Auswirkung der Gnaden, sind Kleinodien, deren Wert die Zeit überdauern.