Der heilige Timotheus, Diakon, und seine Ehegattin Maura, Märtyrer in Mauretanien, + 305 - Fest: 19. Dezember

 

Timotheus, zu Deutsch „Fürchtegott“, wurde im Flecken Perape in der ägyptischen Thebais geboren. Mit Recht trug er den schönen Namen Fürchtegott, denn die heilige Gottesfurcht, die seine frommen Eltern ihm frühzeitig ins Herz gepflanzt hatten, war die Richtschnur seines Lebens. Unter der Obhut dieser schönen Tugend brachte er seine Kindheit in lauterer Unschuld zu. Der Glaube an Jesus und die Liebe zu ihm, so er mit der Muttermilch eingesogen hatte, war sein größter Schatz, die heiligen Schriften zu lesen und zu betrachten seine Freude. Vom Bischof deshalb zum Lektor gewählt, erbaute er alle seine Glaubensgenossen durch sein tugendhaftes Leben, und seinen heiligen Eifer für die Ausbreitung des heiligen Glaubens machte ihn auch den Heiden bekannt. Erst drei Wochen mit einer 17jährigen frommen Jungfrau, Maura mit Namen, vermählt, wurde er vor den Statthalter der Provinz gerufen. Kaiser Diokletian hatte seine grausame Christenverfolgung begonnen. Im ganzen Römerreich sollte der christliche Name vertilgt werden. Timotheus wurde als eifriger Christ angegeben und vom Statthalter aufgefordert, den Herrn Jesus zu verleugnen.

 

Festen Mutes entgegnete ihm Timotheus, dass er dies nie tun werde. Da gebot ihm der Statthalter, die heiligen Bücher auszuliefern. Timotheus gab ihm die schöne Antwort: „Die christlichen Bücher sind meine lieben Kinder. Wäre ich nicht ein Unmensch, wenn ich meine Kinder den Mördern in die Hände liefern würde?“ (Den Lektoren waren die heiligen Bücher zur Aufbewahrung anvertraut.) Voll Zorn über diese Antwort befahl der Tyrann, dem heiligen Bekenner glühende Eisen in die Ohren zu stecken. Furchtbar war der Schmerz, aber Timotheus wankte nicht. Mit lauter Stimme hob er an, Gott den Herrn zu loben. Wütend hierüber, ließ ihn nun der Statthalter an eine Säule hängen, ihm einen Stein an den Hals binden und einen Knebel in den Mund stecken, damit er den Gott der Christen nicht mehr lobpreisen könne.

 

Während der heilige Märtyrer solche unmenschliche Pein litt, hinterbrachte man dem Statthalter, dass Timotheus erst seit drei Wochen mit einer jungen Frau, die er sehr liebe, verehelicht sei. Alsbald kam der Tyrann auf den Einfall, diese junge Gattin rufen zu lassen, um durch sie ihren Gatten zum Verrat zu bewegen. Maura kam. Der Statthalter nahm sie beiseite und drang bald schmeichelnd, bald drohend in sie, ihren Gatten dahinzubringen, dass er wenigstens zum Schein den Göttern opfere. Würde sie ihn dazu bewegen, so erhielte er die Freiheit, sonst müsse er des grausamsten Todes sterben. Maura, zitternd und bebend über das, was sie gehört hatte, vom tiefsten Schmerz ergriffen über die Leiden ihres lieben Gatten, den sie überaus liebte, und von Angst und Furcht, ihn durch den Tod zu verlieren, ganz betäubt, ließ sich überreden. Timotheus wurde von der Säule losgebunden und ihm der Knebel aus dem Mund genommen, damit er mit seiner Gattin reden konnte. Und sie versuchte ihn wirklich zu bewegen, dem Statthalter zu gehorchen. Wie sehr erschrak Timotheus über das Verhalten seiner Frau! Er liebte Maura zwar aufrichtig und herzlich, aber mehr noch als sie und alles Jesus Christus, seinen Heiland. Voll heiliger Entrüstung sprach er daher zu ihr: „Wie, Maura! Bist du eine Christin und eine christliche Frau oder eine Heidin? Ist das die Sprache eines Menschen, der im christlichen Glauben erzogen wurde? Du solltest mir vielmehr zureden, dass ich mutig leide und ausharre bis ans Ende, und nun willst du mich zum Verrat an Jesus bewegen? Soll ich wegen einer kurzen Glückseligkeit auf der Welt die ewige Seligkeit im Himmel verscherzen? Oder um einer bald vorübergehenden Marter zu entgehen, mich leichtfertigerweise in die ewige Pein der Hölle stürzen?“

 

Von der Kraft dieser im heiligen Ernst gesprochenen Worte im Innersten erschüttert, fiel Maura ihrem Gatten zu Füßen und sprach voll Reue über ihre Untreue dem Heiland gegenüber: „O mein Timotheus! Was soll ich tun, um meinen begangenen Fehler zu büßen?" "Gehe zum Statthalter“, sprach Timotheus, „und sage ihm, dass du, anstatt deinen Gemahl zur Verleugnung des Glaubens zu bringen, selbst bereit bist, mit ihm deshalb alle Marter zu leiden“. Maura wankte. Noch hatte die Liebe Christi nicht über die Liebe zu ihrem Gatten gesiegt. Entsetzt über das Verlangen ihres Mannes, sprach sie: „Ach, ich bin noch jung, erst 17 Jahre alt, schwach von Natur aus. Ich wage es nicht, dem Tyrannen unter die Augen zu treten, viel weniger die harte Marter zu erdulden!“ Doch Timotheus, bereit, dem Heiland alles zum Opfer zu bringen, sprach zu ihr: „Maura! Erinnere dich an Felizitas und ihre sieben Söhne, von der du gehört hast, gedenke der zarten Jungfrauen Agnes und Cäcilia, von denen du gelesen hast! Waren sie stärker als du? Und doch haben sie ihr Blut für Jesus hingegeben, und du fürchtest dich, ein Gleiches zu tun? Wird Christus dich nicht stärken im Kampf? Siehe, die Krone winkt. Bald sind wir bei Jesus ewig vereint!“ Bei diesen Worten fiel er auf die Knie und betete, und während des Gebets fühlte Maura jede Furcht schwinden. Ja, es erwachte in ihrem Herzen sogar ein heftiges Verlangen, für Christus mit ihrem Gatten zu sterben.

 

Ohne Verzug begab sie sich zum Statthalter und erklärte ihm festen Mutes, dass sie ihren Gemahl nicht zum Verräter machen wolle, und auch sie bereit sei, für ihren heiligen Glauben Blut und Leben hinzugeben. Der Statthalter sah sich in seinem Plan getäuscht. Von Wut wie außer sich, ließ er der jungen Frau den Schleier vom Haupt ziehen und ihr alle Haare aus dem Kopf reißen. Damit noch nicht zufrieden, befahl er, ihr die Finger abzuschneiden und sie in einen mit siedendem Wasser gefüllten Kessel zu werfen. Doch Gott erhielt sie wunderbar am Leben. Nun ließ er sie mit brennendem Pech und Schwefel peinigen, ohne ihr jedoch einen Klagelaut zu entlocken. Endlich gab der Tyrann den Befehl, beide Ehegatten an das Kreuz zu schlagen, und zwar so, dass beide am Kreuz hängend, einander zu ihrer größten Qual anschauen sollten. Doch gerade dieser Umstand gereichte ihnen zum größten Trost. Das Urteil wurde vollzogen, die beiden Märtyrer hingen am Kreuz. Entsetzlich war ihre Pein. Aber beide munterten sich zuerst mit Worten, und als sie vor Schmerz und Schwäche nicht mehr reden konnten, mit Blicken zum standhaften Ausharren und zum Vertrauen zu Jesus auf. Und so blieben sie am Kreuz hängen, bis sie wie Jesus ihr Haupt neigten und starben. Es war am 19. Dezember des Jahres 305, als Timotheus und Maura in ewiger Liebe vereint eingingen zur himmlischen Hochzeit des Lammes Jesus.

 

Beide Märtyrer werden abgebildet Arm in Arm, ein Kreuz umschlingend.