Der heilige Thietmar, Bischof und Bekenner von Minden, Westfalen, + 6.3.1206 – Fest: 6. März

 

Die ausgezeichneten und leuchtenden Tugenden des heiligen Thietmar sind mehr dem Himmel bekannt, als der Erde, denn aus seinem Leben ist uns nur wenig überliefert, aber dieses Wenige reicht hin, uns eine hohe Verehrung zu diesem Heiligen einzuflößen.

 

Thietmar war von Geburt ein Bayer und zeichnete sich durch ein umfangreiches Wissen und durch große Frömmigkeit derart aus, dass er nach dem Tod des Bischofs Anno, des Grafen von Blankenburg, im Jahre 1185 zu dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl zu Minden ernannt wurde. Anfangs regierte er in Ruhe und Frieden, als aber nach dem Tod Kaiser Heinrichs IV. der Herzog Philipp von Schwaben und Otto, der Sohn Heinrichs des Löwen, sich um die Kaiserkrone stritten, wurde Westfalen und das ganze Römische Reich in Mitleidenschaft gezogen. Diese Streitigkeiten begannen im Jahr 1198 und setzten sich unter mancherlei Wechselfällen fort bis 1207, wo nach vielen beklagenswerten Verwüstungen Philipp unter dem Mordstahl fiel.

 

In dieser bewegten Zeit führte Thietmar die Herrschaft der Kirche von Minden mit solcher Umsicht, Treue und Festigkeit, dass er zu den ausgezeichnetsten und heiligsten Bischöfen Westfalens gezählt werden muss. Seine Gefühle und Neigungen zügelte er mit dem Zaum der Vernunft, so dass er den Menschen abgelegt zu haben schien. Seine besondere Sorge im Hirtenamt ging dahin, dass er sein Leben nicht nur von jedem Fehler rein erhielt, sondern auch mit dem Glanz der vorzüglichsten Tugenden schmückte, denn er wusste, dass auch die Bischöfe das Wort des heiligen Bernhard angehe: „Bedenke, dass du sein musst ein Bild der Gerechtigkeit, ein Spiegel der Heiligkeit, ein Muster der Frömmigkeit, ein Bekenner der Wahrheit, ein Verteidiger des Glaubens, ein Lehrer der Völker, ein Führer der Christen.“

 

Seinem Leib gestattete Thietmar auch im vorgerückten Alter nicht viel, ja er quälte ihn durch häufiges Fasten und Enthaltung von Speise und Trank so sehr, dass er vor der Zeit aufgerieben wäre, wenn ihn Gott nicht auf wunderbare Weise gestärkt hätte. Als er einst am Karfreitag den heiligen Dienst vollendet hatte und diesen Tag nach seiner alten Gewohnheit bei Wasser und Brot fasten wollte, obgleich seine herabgekommenen Körperkräfte eine solche Strenge nicht mehr ertragen konnten, verwandelte sich das aus dem Brunnen geschöpfte Wasser in Wein. Er wies diesen köstlichen Trank zurück und verlangte Wasser. Wieder und wieder verwandelte sich das frisch geschöpfte Wasser in Wein. Der heilige Bischof meinte, der Diener betrüge ihn, stand deshalb vom Tisch auf, beobachtete den Diener genau und ließ von neuem vor seinen Augen Wasser aus dem Brunnen schöpfen, damit keine Täuschung unterlaufen könnte. Als er wieder bemerkte, dass sich das Wasser in Wein verwandelt habe, nahm er den Trank als eine Himmelsgabe mit tiefster Gemütsbewegung und dankte Gott, dass er ihn trotz seiner Unwürdigkeit mit einem so wunderbaren Getränk gestärkt habe.

 

Während der Amtsführung Thietmars und ohne Zweifel unter seiner tätigen Beihilfe gründete sein Blutsverwandter Simon, Propst an der Kathedralkirche zu Minden, das Nonnenkloster in Neudorf. Nachdem er 21 Jahre unter schwierigen Zeitverhältnissen sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich geführt hatte, starb der heilige Thietmar am 6. März 1206 und wurde in der Domkirche begraben, wo viele Wunder sein Andenken verherrlichten.