Der heilige Theophanes, Abt und Martyrer von Konstantinopel, + 12.3.818 – Fest: 12. März

 

Theophanes wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Konstantinopel aus einer der reichsten und vornehmsten Familien geboren. Seine Eltern, Isaacius und Theodota, standen am kaiserlichen Hof in so großem Ansehen, dass der Kaiser die Erziehung ihres Sohnes ganz übernahm und ihn wie sein eigenes Kind behandelte. Theophanes erhielt eine fürstliche Bildung und wurde teils wegen seiner körperlichen Schönheit, teils wegen der glänzenden Fortschritte, die er in den Wissenschaften machte, allgemein bewundert. Aber der allenthalben ausgezeichnete junge Mann bewahrte sein Herz bei allen Schmeicheleien der Großen vor dem Stolz auf Menschengunst und vergängliche Würden und strebte in seiner Demut nach christlicher Weisheit. Ganze Nächte hindurch las er in den heiligen Schriften und in den Werken der Kirchenväter und hielt in einsamen Stunden ernsthafte Betrachtungen darüber, um den Willen Gottes in Hinsicht der Heiligung und Vervollkommnung des Menschen deutlich zu erkennen. Dadurch, und besonders durch innerliches Gebet, wurde er bekräftigt, gegen die Laster des Zeitgeistes und gegen die Verführungen eines ausschweifenden Hofes zu kämpfen und sein Gemüt in englischer Reinheit zu bewahren. Als er ein Mann geworden war, musste er sich auf eindringliches Bitten seiner Eltern entschließen, sich zu verehelichen. Aber im Angesicht Gottes machte er dabei den Vorsatz, dass er dieses Opfer des kindlichen Gehorsams nicht auf Kosten seiner Seelen-Reinheit bringen wolle. Nachdem das feierliche Hochzeitsfest vollendet war, begab er sich mit seiner jungfräulichen Braut in ein einsames Zimmer, wo er sich auf die Knie warf und Gott im stillen Gebet um seinen Beistand zu seinem Vorhaben anflehte. Dann sprach er mit heiliger Begeisterung von der Hinfälligkeit des menschlichen Lebens, von der Kürze und Eitelkeit des irdischen Genusses und schilderte schließlich das Glück, die Seelenruhe eines reinen, keuschen Herzens mit so lebendigen Farben, dass ihm seine Gemahlin an die Brust sank und unter Freudentränen ausrief: „Ja, Mann der Liebe, wir wollen Enthaltsamkeit geloben und einst als reine Seelen vor dem Thron des heiligsten Gottes erscheinen!“ Plötzlich erleuchtete ein glänzender Lichtstrahl das Zimmer, himmlische Wohlgerüche verbreiteten sich in ihm und die Heiligen fielen auf ihr Angesicht und beteten den gegenwärtigen Gott an.

 

Schon am folgenden Tag verteilten sie ihr ganzes Vermögen unter die Armen und machten heimlich Anstalten, Konstantinopel zu verlassen und entweder in einem Kloster oder in einer Einöde sich dem Dienst Gottes zu weihen. Mit Schrecken vernahm der Vater der Braut, der durch das Ansehen des Theophanes den einstigen Glanz seines Hauses wieder herzustellen sich Hoffnung gemacht hatte, diese Nachricht. Sogleich ging er zum Kaiser Leo und bat ihn unter Tränen, durch seine Macht den so erniedrigenden Entschluss seines Schwiegersohnes zu verhindern. Der Kaiser, der die Gelehrsamkeit und hohen Tugenden des Theophanes als sein Werk ansah und für ihn schon die höchsten Würden bestimmt hatte, geriet in Zorn und drohte seinem Liebling, wenn er von seinem unsinnigen Vorhaben nicht abstehen würde, ihm die Augen ausstechen zu lassen. Zugleich sandte er ihn wegen wichtiger Staatsgeschäfte nach Cyzicum, einer asiatischen Stadt in Mysien, damit er der Einsamkeit entrissen, unter häufigen und anstrengenden Arbeiten seinen vorigen Entschluss vergessen möchte. Mit Freude machte sich Theophanes auf die Reise, denn er sah sie als eine günstige Gelegenheit an, aus der Nähe des Kaisers zu kommen und so seinem heiligen Beruf desto ungehinderter folgen zu können. Als er in Mysien angelangt war, begab er sich dort in das Kloster Sigrianes und eröffnete sein Herz einem heiligen Mönch, Gregorius mit Namen. Aber der ermahnte ihn, zuerst die Geschäfte seines Kaisers zu vollenden und unterdessen dem Willen Gottes alles anzuvertrauen.

 

Nach drei Jahren starb Kaiser Leo IV. und Theophanes erhielt seine Entlassung aus dem Staatsdienst. Voll Sehnsucht eilte er nach Konstantinopel, um seine geliebte Braut aus dieser verführerischen Stadt abzuholen. Nachdem er ihr ein Kloster erbaut und sie den heiligen Schleier genommen hatte, ging er wieder nach Sigrianes zurück und wählte das klösterliche Leben. Die Ordensmänner staunten über seine Enthaltsamkeit und Demut, über seinen tiefen Gehorsam und ununterbrochenen Eifer, mit dem er die heiligen Schriften las. Seine Tugenden erwarben ihm die Ehrfurcht und Liebe aller und nach dem Tod des Abtes wählten sie ihn zu dessen Nachfolger. Aber der Heilige floh diese Würde und wählte seinen Aufenthalt in der Nähe vom Kloster auf einem Berg, wo er sich von der Handarbeit ernährte und durch sein heiliges Beispiel viele Landleute zur Gottseligkeit führte. Erst dann, als ein anderer Abt erwählt war, kehrte Theophanes wieder in sein Kloster zurück, wo er sich Tag und Nacht dem Dienst der Kranken und Armen widmete und viele ihm anvertraute Jünglinge in den Heilswissenschaften und in der christlichen Frömmigkeit erzog, bis sich das große Unglück für die Kirche Jesu ereignete, das Leo V., einer der schändlichsten Regenten, auf dem morgenländischen Kaiserthron kam. Mit List und Betrug suchte er die Gläubigen zur Irrlehre zu verführen, denn er war einer der wütendsten Bilderstürmer und zerstörte Altäre und Kirchen. Alles zitterte vor dem Ungeheuer und wer es wagte, seiner Gottlosigkeit Einhalt zu tun, der verschmachtete entweder in den Gefängnissen vor Hunger oder er verurteilte ihn zu einer gewaltsamen Todesart.

 

In diesem jammervollen Zeitpunkt der Verfolgung entschloss sich der heilige Theophanes, obwohl er sehr schwach und krank war, eine Reise nach Konstantinopel zu machen, um den Kaiser entweder auf andere Gesinnungen zu bringen, oder sein Blut im Kampf für die Wahrheit zu opfern. Als Leo seine Ankunft vernahm, ließ er ihm durch einen Gesandten eröffnen, dass, wenn er die kaiserlichen Verordnungen gegen den Bilderdienst unterzeichnen würde, er nicht nur sein Kloster mit Reichtümern, sondern auch alle seine Anverwandten mit Ämtern und Würden überhäufen wolle. Würde er sich aber zum Gegenteil entschließen, so sei Schande und Unglück sein und seiner Freunde Los. Der Heilige antwortete auf diesen Antrag, dass ihn weder Reichtümer noch Strafen von der Liebe zu Gott trennen können. In einer mündlichen Unterredung überzeugte sich Leo vollkommen von der Standhaftigkeit des Theophanes und da weder Versprechungen noch Drohungen auf ihn den geringsten Eindruck machten, verurteilte er ihn zum ewigen Gefängnis, wo ihm nur so viel Brot und Wasser gereicht werden durfte, dass er im immerwährenden Hunger schmachten musste, aber doch nicht sterben konnte. Zwei Jahre ertrug der fromme Dulder bei seinem kränklichen Körper diese grausame Strafe, als ihn der Tyrann nach der Insel Samothracien verwies, wo er am 23. Tag nach seiner Ankunft am 12. März des Jahres 818 selig verschied und von Gott sowohl im Leben, als nach seinem Tod mit unzähligen Wundern verherrlicht wurde.