Der heilige Tharzisius, Akolyth und Martyrer von Rom, + 15.8.258 - Fest: 15. August

 

Papst Zephyrinus war der vierzehnte Nachfolger des heiligen Petrus und starb als Martyrer im Jahr 217. Als man später sein Grab wiederfand, stellte es sich heraus, dass sich darin außer den Reliquien des heiligen Papstes noch andere Überreste befanden. Nach den Knochen zu urteilen, mussten sie von einem Jungen stammen, der, wie die Inschrift auf der marmornen Grabplatte angab, Tharzisius hieß.

 

Es war das Jahr 258 nach Christi Geburt. In Rom regierte Valerian, der in der Reihe der Christenverfolger auf dem römischen Kaiserthron an achter Stelle steht. Den Christen ist jeglicher Gottesdienst unter schweren Geld- und Freiheitsstrafen untersagt. Bischöfe und Priester macht man, sobald man sie erwischt, sogleich einen Kopf kürzer. Wieder fließt Martyrerblut in Menge.

 

Am 5. August 258 verlieren zwei Christen, deren Namen wir nicht kennen, für ihren Glauben das Leben. Als am Tag darauf über ihrem frischen Grab in den Katakomben der Bischof von Rom die heilige Messe feiert, da überraschen zum Schluss laut lärmend die Häscher des Kaisers die kleine Schar der Christen. Papst Sixtus II. und die beiden Diakone Felizissimus und Agapitus, die bei ihm sind, werden auf der Stelle am Altar getötet. Und schon vier Tage später wird ein weiterer Christ Martyrer, der heilige Diakon Laurentius, der auf einem glühenden Rost zu Tode gebraten wird.

 

Aber dann kam der 15. August 258, der Tag, an dem man der Himmelfahrt der Gottesmutter Maria gedenkt. Trotz der Gefahr hat sich in einer der Katakomben des unterirdischen Rom eine Handvoll mutiger Christen versammelt. Sie hatten sich um einen alten ehrwürdigen Priester geschart, der die heilige Messe feiert und die Gläubigen mit der heiligen Kommunion speist und stärkt. Als die Feier beendet ist, beraten die Anwesenden, wer aus ihrer Mitte den Christen im Gefängnis, die auf die Hinrichtung warten, die heilige Kommunion bringen soll. Der alte Priester will es tun, selbstverständlich, denn er ist doch Priester. Und schon lange sehnt er sich danach, den Martertod zu sterben, um zu Christus ins ewige Leben zu gelangen. Doch dem widersetzten sich die übrigen. Zu viele Priester sind bereits ein Opfer der Verfolgung geworden, und man muss vorsichtig sein, damit die Gemeinde nicht bald ohne alle Priester ist. Nein, der Alte kommt überhaupt nicht in Frage.

 

Aber da meldet sich ein Zwölfjähriger, Tharzisius, einer von den Messdienern. Er will es tun. Wegen seines jungen Alters sei er von allen wohl derjenige, der am wenigsten Verdacht erregt. Übrigens, so sagt er den anderen, kennt er einen Gefangenenwärter ganz gut, und es würde ihm leicht fallen, durch die Kerkertüren bis zu den Christen durchzudringen. Sollte ihm etwas zustoßen, so dürften alle sicher sein, dass er eher sterben als die heiligen Geheimnisse hergeben wolle.

 

So spricht der mutige Junge, kühn und tapfer, und es geschah, wie er es sich gewünscht hat. In einer silbernen Kapsel, die umwickelt ist in ein weißes Leinentuch, übergibt der Priester dem Messdiener das Höchste Gut. Er bekommt den ehrenvollen Auftrag, die heilige Kommunion den Christen im Kerker zu überbringen. Gleich macht sich der Zwölfjährige auf den gefahrvollen Weg.

 

Tharzisius hat den Auftrag aber nicht ausführen können. Auf dem Weg in das Gefängnis wurde er von einer Klicke kampflustiger Jungen umringt. Er wurde von ihnen als Christ erkannt und mit Stöcken und Steinen totgeschlagen.

 

Gleich nach der grausigen Tat fand ein Christ den kleinen Helden und brachte ihn in Sicherheit. Als man den Leichnam untersuchte, stellte es sich heraus, dass die verkrampfte Hand des Toten fest die Silberkapsel mit dem Allerheiligsten umschloss. Tharzisius hatte sein Wort wahr gemacht, dass er eher das Leben lassen als die heiligen Geheimnisse hergeben werde.

 

So starb Tharzisius, weil er tapfer und treu zu Jesus Christus stand. Der heilige Tharzisius ist der Patron der Messdiener (Ministranten).