Der heilige Sturm, Gründer-Abt von Fulda, + 17.12.779 - Fest: 17. Dezember

 

Man muss überlegen, ob man richtig gelesen hat. Dieser Heilige heißt wirklich Sturm. Zwar wird er in alten Büchern Sturmius genannt, aber diese Endung „ius“ ist nur ein lateinisches „Hintendran“, das man dem Namen angehängt hat und der nicht einmal so schön ist. Und wenn man das unnatürliche „Hintendran“ abschlägt, dann bleibt wieder Sturm übrig, und das ist doch gar nicht mal so ein schlechter Name, irgendwie ein Name, an dem noch Hand und Fuß ist, ein rasanter Name.

 

Eigentlich ist es schade, dass der Name kaum noch Träger hat, denn auf manche Kinder würde er wie zugeschnitten passen, auf jene Jungen und Mädchen nämlich, die, wenn sie eine Treppe hinaufgehen, immer drei oder noch mehr Stufen zugleich nehmen, und auch die, wenn sie die Treppe hinunter wollen, auf dem Treppengeländer hinabrutschen. Diese und andere, die es ähnlich tun und die dem heiligen Schutzengel dadurch viel Arbeit und Sorge bereiten, die müssten von Rechts wegen alle Sturm heißen.

 

Genau so einer war auch der heilige Sturm als Kind. Der Schutzengel hatte es wirklich nicht so leicht bei ihm und musste haarscharf aufpassen, damit kein Unglück geschah. Der wilde Junge war wie ein richtiger Sturm, er tobte und turnte, er ritt, rannte, schwamm und sprang, so als wäre es seine liebste Beschäftigung. Gegen den jungen Sturm hätten es auch die Stars im heutigen Sport schwer gehabt, denn die sind ja oft nur noch Spezialisten in einer Sportart, entweder im Fußball oder im Handball oder im Rad- und Motorradrennen oder im Hoch- und Weitsprung, der junge Sturm dagegen war in allen Arten des damaligen Sports in gleicher Weise geübt.

 

Sturm war ein Bayer und seine Eltern, die aus einem alten Adelsgeschlecht stammten, waren gute Christen. Sie schickten ihren Sohn nach Fritzlar in Hessen auf die Domschule. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte dort der heilige Bonifatius die Donnereiche niedergehauen und die Leute zum christlichen Glauben bekehrt. Und Bonifatius, dieser prachtvolle Hüne, der die Furcht nicht kannte, der war nun so recht nach Sturms Geschmack. So einer wollte er auch werden, ein draufgängerischer Held. Aber er wollte nicht einem Herrscher dieser Welt gehorchen, sondern er wollte dem König Christus dienen und nachfolgen. Bonifatius hatte jedenfalls seine helle Freude an dem quirligen Jungen und weihte ihn selbst nach der Lehr- und Studienzeit zum Priester.

 

Am Anfang war Sturm als Seelsorger bei den bekehrten Hessen tätig, aber dieses Leben gefiel ihm mit jedem Tag weniger. Ihn befriedigte nicht die Ehre, die er als Priester von den Menschen erhielt, ihn zog es viel mehr zu Abenteuer und Gefahr. Schließlich gab Bonifatius dem Drängen des stürmischen jungen Mannes nach und schickte ihn als Missionar an die Grenzen Sachsens, wobei er sich von ihm versprechen ließ, sich nicht leichtfertig in Gefahr zu begeben, denn die Sachsen ließen mit sich weder spaßen noch spielen.

 

So zog Sturm mit zwei Freunden los und ließ sich in Hersfeld gleich vor der Nase der damals wilden Sachsen nieder. Was er dort erlebt hat, ist nicht berichtet, so wie es ein Junge überhaupt gerne verschweigt, dass er irgendwie in der Patsche saß. Es scheint aber doch, dass Sturm sich damals die Hörner abgestoßen hat, denn als Bonifatius den Tollkühnen zurückrief, folgte er sofort, und nach der Rückkehr merkte man ihm an, dass der Sturm nicht mehr ganz so stürmisch tobte wie zuvor, und wie sich übrigens mit der Zeit alle Stürme legen, so erging es auch dem heiligen Sturm.

 

Sturm gründete das Kloster Fulda und brachte es als Abt zu hoher Blüte und Ansehen. Von Fulda aus errichtete er weitum im Kreis eine Missionsstation nach der anderen, und als Karl der Große die Sachsen besiegen konnte, ging auch Sturm dorthin und erbaute überall Missionskirchen, die er mit tüchtigen Mönchen aus dem Kloster Fulda besetzte, so dass Sachsen allmählich christlich wurde.

 

Überall aber, wo im deutschen Wald, der damals noch das ganze Land bedeckte, ein Missionskirchlein entstand, da war dieses Gotteshaus wie eine brennende Kerze am Weihnachtsbaum, die der heilige Sturm und seine Mönche entzündeten.

 

Der heilige Sturm gehört mit dem heiligen Bonifatius, an dessen Seite er in Fulda die letzte Ruhestätte gefunden hat, zu den großen Missionaren unseres Landes.