Der heilige Stephanus der Jüngere, Abt, Einsiedler und Martyrer von Konstantinopel, + 28.11.764 - Fest: 28. November

 

Der heilige Stephanus, mit dem Beinamen der Jüngere, einer der vorzüglichsten Märtyrer, die unter der Verfolgung der Bilderstürmer ihr Blut für den katholischen Glauben vergossen haben, wurde zur Zeit des Kaisers Anastasius, im Jahr 714, zu Konstantinopel geboren. Seine wohlbemittelten und sehr frommen Eltern gaben ihm eine sehr gottesfürchtige Erziehung. Er wurde von Jugend auf sorgfältig in der Lehre unseres heiligen Glaubens unterwiesen und früh mit den heiligen Schriften, so wie besonders auch mit den Schriften des heiligen Chrisostomus bekannt gemacht, und durch ihre Lesung nicht nur in der wahren Glaubenslehre befestigt, sondern auch gleicherweise zu einem gottseligen Leben ermuntert. Ungefähr in seinem 16. Lebensjahr übergaben ihn seine Eltern der Leitung eines frommen Einsiedlers auf dem nicht weit entfernten Berg St. Aurenzius, Johannes mit Namen, der dort der Vorsteher vieler Einsiedler war, die in kleinen, auf dem Berg zerstreuten Zellen wohnten, und zusammen eine klösterliche Gemeinde bildete. Stephanus wurde von Johannes bald in diese Anzahl aufgenommen, und sein besonders geliebter Jünger. Er übte sich streng in innerlicher und äußerlicher Abtötung, ging zwar, da indessen sein Vater starb, wieder auf einige Zeit nach Konstantinopel, verkaufte aber dort seine Güter, teilte das Erlöste unter die Armen, versorgte seine Mutter und eine Schwester in ein Kloster nach Pythinien, und kehrte dann wieder zu seinem lieben Lehrmeister Johannes in die Einsamkeit zurück. Nachdem aber auch dieser, gleichsam in seinen Armen verschieden war, ihm vorhin noch die Drangsale der Bilderstürmer vorhergesagt hatte, wurde Stephanus, jetzt beiläufig 30 Jahre alt, von den Einsiedlern zum neuen Vorsteher erwählt. Er versah sein Amt auf eine Weise, dass er seinen Untergebenen vorzüglich durch das Beispiel eigener Gottseligkeit voranleuchtete. Er wohnte, wie sein Vorgänger, auf dem Gipfel des Berges in einer engen Zelle, bedeckt mit einem Schafsfell, mit einem Bußgürtel umwunden, teilte seine Zeit zwischen Gebet, frommen Übungen und Handarbeit mit Bücherabschreiben und Netzemachen, und erwarb sich nicht nur seinen dürftigen Unterhalt, sondern auch noch etwas zur Unterstützung anderer. Als sich aber in der Folge die Menge seiner Jünger bedeutend vermehrte, übergab er in der Demut seines Herzens sein Vorsteheramt einem gottesfürchtigen Mann, Marinus mit Namen, und verfügte sich in eine entlegene Zelle, die nicht einmal ein Dach hatte. Seinen Jüngern, die ihn über seine strenge Lebensweise befragten, gab er zur Antwort: „Meine Kinder, glaubt mir, der Weg zum Himmel ist schmal, und eng die Tür“, und da sie ihm wenigstens ein Obdach machen wollten, lehnte er es mit den Worten ab: „Es ist mein Trost, allezeit den Himmel zu sehen.“

 

Um diese Zeit brach aufs Neue eine heftige Verfolgung gegen die Katholiken aus, wegen der Verehrung der heiligen Bilder. Der bilderstürmerische Kaiser Konstantin Kopronymus hatte ein unrechtmäßiges Konzilium von den Bischöfen seiner Partei versammeln lassen, um die Verehrung der Bilder zu verdammen, und bemühte sich auf allerlei Art, und selbst auf die grausamste Weise, den falschen Beschluss des Kaisers durchzusetzen. Da der heilige Stephanus bei den Mönchen und Einsiedlern in großem Ansehen stand, und diesen, da sie ihn darüber nach Rat fragten, anriet, in die Wüste zu entweichen, um dem Ungewitter zu entgehen, so versuchte der Kaiser auch ihn auf seine Seite zu bringen. Er schickte einen vornehmen Mann zu ihm, um ihn zur Annahme dessen, was das falsche Konzilium beschlossen hatte, zu bewegen, und ließ ihm zum Zeichen seiner Hochachtung und Freundschaft Datteln und Feigen überreichen. Allein Stephanus erwiderte herzhaft: „Ich kann die Entscheidung des unrechtmäßigen Konziliums nicht unterschreiben. Ich will mir den Fluch des Propheten nicht zuziehen, und süß nennen, was bitter ist. - - Das Öl des Sünders soll mein Haupt nicht fett machen; hätte ich auch nur noch so viel Blut, als ich in meine hohle Hand fassen kann, so will ich es für die Verehrung der Bilder vergießen.“

 

Der Kaiser ergrimmte über diese Antwort und ließ den Heiligen durch hingesendete Soldaten aus seiner Zelle reißen und in ein Kloster unten am Berg gefangen setzen, wo er mit anderen zugleich mit ihm Verhafteten sechs Tage lang ohne Speise, am siebenten aber wieder frei gelassen wurde, weil der Kaiser eben jetzt gegen die Bulgaren zu Felde ziehen musste. Stephanus kehrte in seine Zelle zurück. Seine Heiligkeit gebot auch den Soldaten Ehrfurcht, sie empfahlen sich beim Abschied seinem Gebet.

 

Indessen schien man entschlossen, alle Mittel anzuwenden, um unseren, für den wahren Glauben so wichtigen, bei dem Volk höchst angesehenen Heiligen in bösen Ruf zu bringen und eine scheinbare Ursache zu seinem Tod zu finden. Man bestach eine Sklavin, ihn eines schändlichen Umgangs mit einer vornehmen, gottseligen Witwe anzuklagen. Diese Witwe wurde grausam gegeißelt, um sie zum Geständnis des angeblichen Verbrechens zu zwingen, und da sie dessen ungeachtet hoch beteuerte, dass sie unschuldig und Stephanus ein Heiliger sei, sperrte man sie in ein Kloster, wo sie bald darauf starb. Hierauf beredete der Kaiser, der verboten hatte, Novizen in die Klöster aufzunehmen, einen jungen Menschen aus seinen Vertrauten, durch eine niederträchtige, höchst unwürdige Betrügerei bei dem heiligen Abt um das Ordenskleid anzuhalten. Der Betrüger, der seine Rolle unvergleichlich gut zu spielen wusste, gab sich für einen verfolgten Menschen aus, dessen Heil in größter Gefahr wäre, und sagte zu dem Diener Gottes, er würde dem höchsten Richter für seine Seele Rechenschaft geben müssen, wenn er ihm den Zufluchtsort sich zu retten, verweigerte. Der heilige Stephanus, der die Kunst zu betrügen nicht verstand, ließ sich durch das verstellte Flehen des Heuchlers betrügen, und nahm ihn schließlich an. Aber bald nach seiner Aufnahme entwich er verabredeter Weise mit dem Ordenskleid zum Kaiser. Dieser machte nun Gebrauch von dem Betrug; Er führte den vermeinten Mönch ins Amphitheater, beklagte sich beim Volk über den Ungehorsam gegen sein Verbot, ja über die Verwegenheit sogar seine treuen Dienstleute zu entführen, wessen sich Stephanus schuldig gemacht habe. Diese Beschuldigung verfehlte nicht ihren Zweck. Der Pöbel wurde aufgebracht, dass er das Ordenskleid des Betrügers in Stücke zerriss und mit Füßen trat. Indessen schickte der Kaiser auf den Berg St. Aurenzius eine Schar Bewaffneter, die die Mönche und Einsiedler verjagten, die Gebäude und die Kirche plünderten, anzündeten und bis auf den Grund zerstörten. Den heiligen Stephanus aber rissen sie aus seiner Zelle, schlugen, verhöhnten, bespuckten und misshandelten ihn vielfach auf unmenschliche Weise. Darauf wurde er unweit von Konstantinopel in ein Kloster eingesperrt und mehrere Bischöfe von der bilderstürmerischen Partei nebst anderen Beamten zu ihm hingesendet, um ihn zu verhören und eines andern zu bereden. Stephanus antwortete ihnen aber auf alles, was sie vorbrachten, mit solcher Weisheit und mit solchem Mut, dass sie beschämt dem Kaiser die Antwort zurückbrachten: „Herr, wir sind überwunden. Man kann der Wissenschaft und den Gründen dieses Mannes nicht widerstehen. Überdies verachtet er Drohung und Tod.“ Hierauf verbannte der Kaiser ihn ins Elend und bestimmte zu dessen Verbannungsort die Insel Prokones am Hellespont. Vor seiner Abreise dahin heilte der heilige Stephan noch den von den Ärzten aufgegebenen Obern des Klosters. An seinem Verbannungsort wählte er sich eine entlegene Höhle zu seinem Aufenthalt und nährte sich von Kräutern. Bald versammelten sich auch seine vertriebenen Jünger wieder um ihn her und bildeten bei ihm eine neue klösterliche Gemeinde, wo ihn auch seine Mutter und Schwester besuchten. Der Diener Gottes übte sich immer mehr in außerordentlicher Strenge, wirkte viele Wunder, gab der Wahrheit Zeugnis, und erklärte sich bei allen Gelegenheiten für die Verehrung der heiligen Bilder. Daher ließ ihn der Kaiser nach zwei Jahren wieder eilfertig zurück berufen, zu Konstantinopel mit Banden und Eisen geschlossen in einen schon mit sehr vielen Mönchen angefüllten Kerker werfen und nach einigen Tagen vor sich führen, wo er mit Unwillen zu ihm sprach: „Tritt man denn Jesus mit Füßen, wenn man die Bilder mit Füßen tritt? Warum hältst du uns denn für Ketzer?“ Anstatt der Antwort nahm der Heilige eine Münze mit dem Bild des Kaisers und fragte die Umstehenden: „Was verdiente wohl der, der dies Bildnis des Kaisers mit Füßen treten würde?“ – „Die härteste Züchtigung!“ riefen sie. „O Blinde“, sagte darauf der Heilige, „wer das Bild eines irdischen Fürsten entehrt, ist strafwürdig; und der soll nicht strafwürdig sein, der das Bild des himmlischen Königs ins Feuer wirft?“ – Obgleich man hierauf nichts zu antworten vermochte, so wurde doch sein Tod beschlossen; er sollte enthauptet werden. Aber gleich darauf befahl der Kaiser, ihn zu Tode zu geißeln. Da aber denen, die dazu den Auftrag hatten, der Mut fehlte, diese grausame Tat ganz zu vollziehen, und der Kaiser hörte, dass Stephanus noch lebe, sprach er wütend: „Kann ich denn diesen Mönch nicht los werden?“ Hierauf liefen einige zum Kerker, schleppten den Heiligen mit Stricken an den Füssen durch die Gassen der Stadt, schlugen ihn und warfen mit Steinen auf ihn. Als der Heilige bei der Kirche des heiligen Theodorus sein Haupt aus Ehrfurcht neigte, rief einer: „Sehet, er will noch ein Martyrer werden“, und schlug ihm mit einem Stück Holz das Hirn ein. Und so gab er, als ein Opfer und Blutzeuge für die katholische Wahrheit, seinen Geist in die Hände des Heiligen aller Heiligen den 28. November um das Jahr des Herrn 768.

 

Später hat das Konzil von Trient hat für die katholische Kirche genau bestimmt: „Die Bildnisse Christi, der Gottesmutter Maria und anderer Heiligen soll man vorzugsweise in den Kirchen haben und beibehalten, ihnen die gebührende Ehre und Ehrerbietung erweisen. Nicht als glaube man, es wohne in ihnen die Gottheit, oder eine Kraft, weshalb sie verehrt werden sollen, oder als solle man etwas von ihnen erbitten, oder sein Vertrauen auf die Bildnisse heften, wie es sonst bei den Heiden geschah, die auf die Götzen ihre Hoffnung setzten, sondern weil die Ehre, die ihnen erwiesen wird, auf die Urbilder, die sie vorstellen, zurückfällt, so dass wir durch die Bildnisse, die wir küssen und vor denen wir unser Haupt entblößen und uns niederwerfen, Christus anbeten, und die Heiligen, die sie vorstellen, verehren.

 

Durch die Geschichten der Geheimnisse unserer Erlösung, die man durch Gemälde oder andere Vorstellungen ausdrückt, wird das Volk unterrichtet in den Glaubensartikeln, zu deren Erbauung und beständiger Ausübung wir verpflichtet sind. Dann entspringen aus allen Heiligenbildern große Früchte, nicht nur weil das Volk an die Wohltaten und Gunstbezeigungen, die ihm von Christus erteilt werden, erinnert wird, sondern auch weil die göttlichen Wunder durch die Heiligen und heilsamen Beispiele den Augen der Gläubigen vorgestellt werden, auf dass sie für dieselben Gott danken, nach dem Beispiel der Heiligen ihr Leben und ihre Sitten einrichten und zur Anbetung und Liebe Gottes und Übung der Frömmigkeit angefeuert werden.“