Der heilige Stephan, Bekenner und König von Ungarn, + 15.8.1038 - Fest: 2. September

 

Mit Stephans Vater, dem Fürsten Geisa, war nicht viel los. Zwar hatte er sich kurz vor Stephans Geburt im Jahr 969 die christliche Taufe spenden lassen, aber das Leben änderte er deswegen nicht, sondern blieb wie ein Ungläubiger, so wie er es bisher gewesen war. Protzig meinte er: „Ich bin reich genug, um den Göttern zu opfern und zugleich dem Christengott zu dienen.“ Dass aus solch einem Stamm ein Heiliger kommt, geschieht nicht alle Tage, aber bei Geisas Sohn war es der Fall.

 

Wegen der religiösen Gleichgültigkeit des Vaters empfing Stephan erst im Alter von fünf Jahren die Taufe, aber auch bei ihm war das Taufwasser scheinbar wirkungslos geblieben, denn wie Geisa, so war Stephan, wenigstens bis zum beginnenden Mannesalter, ein Heide.

 

Früh übte der junge Mann Stephan sich in den ritterlichen Künsten, im Reiten und Jagen und Kämpfen, wurde sehr groß, stark wie ein Bär und schnell wie eine Gämse, die wie der Wind durch die Alpenländer streicht. Bald überragte Geisas Sohn herrlich und herrisch alle Männer im Land. Von seinen Heldentaten in Kampf und Krieg redete man rühmend an den Lagerfeuern der Hirten, in den Waldhütten der Jäger und bei den Zelten der Krieger. Aber etwas Christliches war bis auf den Namen an Stephan nicht, bis er als Sechsundzwanzigjähriger einem Heiligen begegnete.

 

Es war dieser Heilige der Bischof Adalbert von Prag. Adalbert reiste damals durch Ungarn. Stephan war ausersehen, den berühmten Bekennerbischof auf dem Zug durch das Land sicher zu geleiten. Lieber hätte der junge Fürst anderes getan. Kaum aber hatte er kurz mit dem Heiligen gesprochen, da merkte er und merkten alle, dass eine Änderung in ihm vorging. Und als ihm Adalbert das Sakrament der Firmung spendete, war nach wenigen Wochen aus dem Namenschristen ein wirklicher Christ des Herzens und des Willens geworden. Noch im gleichen Jahr, als die denkwürdige Begegnung stattfand, heiratete Stephan die Prinzessin Gisela von Bayern, deren Bruder später als der heilige Kaiser Heinrich II. ruhmvoll in die Geschichte einging. Als zwei Jahre später Geisa starb, folgte ihm in der Regierung ein Heiliger, der gerecht und gut, aber auch zielbewusst und streng war. Sehr wichtig war es ihm, dass die Menschen in seinem Land bis auf die letzte Hütte nicht nur äußerlich, sondern auch von innen her Christen wurden.

 

In wenigen Jahren ließ Herzog Stephan sechzig Kirchen im Land erbauen, gründete Klöster in Menge und richtete zehn Bistümer ein. Da ernannte der Papst den Herzog zum König und schickte ihm eine goldene Krone, mit der Stephan genau im Jahr 1000 nach Christi Geburt, am Mariä Himmelfahrtstag, feierlich gekrönt wurde. Diese Krone war die Stephanskrone mit dem geneigten Kreuz, die nach ihm alle Könige in Ungarn trugen und die heute noch wie eine heilige Reliquie vom ungarischen Volk verehrt wird.

 

Als der heilige König Stephan über dreißig Jahre lang regiert hatte, wollte er im Jahr 1031, am Tag von Mariä Geburt, seinen Sohn Emmerich zum Nachfolger krönen lassen. Emmerich war ein Heiliger wie sein Vater, er war der Liebling des Volkes und die Hoffnung des Landes. Wie schwer mag es da den alten Vater getroffen haben, dass Emmerich wenige Tage vor der Krönung, am 2. September, schnell und plötzlich starb. Gottes Wege sind oft unergründlich.

 

Sieben Jahre später, wieder am Tag von Mariä Himmelfahrt, starb auch Stephan, der nicht nur der erste König, sondern auch der Apostel seines Landes war. Er war also ein apostolischer König, der ein halbes Jahrhundert später zugleich mit seinem Sohn Emmerich heiliggesprochen wurde, was in der zweitausendjährigen Geschichte der katholischen Kirche ein einmaliger und einzigartiger Fall ist.