Der heilige Spiridion, Bischof der Insel Zypern, + 14.12.348 - Fest: 14. Dezember

 

Spiridion, berühmt in der Kirche Gottes durch seine große Glaubenseinfalt, den Geist der Weissagung und viele Wundertaten, wurde gegen Ende des dritten Jahrhunderts auf der Insel Zypern von einfachen Bauersleuten geboren. Als Junge hütete er die Schafe des Vaters und benützte die Einsamkeit zum Gebet. Er ging fleißig in den Gottesdienst der Gläubigen, hörte gern Erbauliches erzählen, las mit Herzensfreude in den göttlichen Schriften, hasste Zank und Unfrieden, wehrte alles Böse ab, wo er nur konnte, vermied unnötiges Reden, verabscheute alles zuchtlose Wesen und liebte die Stille des Gemütes und des Ortes. Er war und blieb die lautere kindliche Einfalt vor Gott und Menschen. Nach dem Willen der Eltern verehelichte er sich mit einer ihm an Gesinnung gleichen Bauerntochter. Ihre Ehe war heilig, ihr Haus stand jedem offen, der Fremdling und der Arme labten sich von den Früchten ihrer Arbeit. Sie bekamen eine Tochter namens Irene, die war das treue Bild der Eltern und widmete sich dem jungfräulichen Stand. Spiridion enthielt sich nach ihrer Geburt mit Einwilligung der Frau des Ehebettes, und als sie starb, ertrugen er und die Tochter ihren Verlust mit großer Geduld. Gott wollte nun diese Glaubenseinfalt mehr bekannt machen. Einst kamen in der Nacht Diebe in seinen Schafstall, wurden aber gebunden von unsichtbarer Hand. So fand sie am Morgen Spiridion, als er zur Herde kam. Er löste die Bande, machte den Dieben Vorwürfe, dass sie lieber stehlen, als sich von ihm ein Schaf erbitten wollten, und fügte hinzu: „Ihr sollt doch nicht vergeblich so viel Mühe gehabt, nicht umsonst die Nacht durchwacht haben. Da, nehmet diesen Widder mit euch.“ So machte es seine christliche Sanftmut, dass er Böses mit Gutem vergalt. Es geschah auch, dass Spiridion, dessen Name und Glaube auf der Insel bekannt waren, teilnahm an der Ehre für Jesus Christus Zeugnis abzulegen; denn er wurde unter der Verfolgung des Kaisers Galerius Maximinus gefangengenommen, ihm das rechte Auge ausgestochen, die linke Kniescheibe abgeschnitten, und zum Erzgraben verurteilt. Nach dem Sieg des Konstantius und der darauf folgenden Befreiung der Christen, kehrte Spiridion zu seiner Herde zurück und verdoppelte seine Gebete, die Werke der Nächstenliebe und gewann so einen großen Ruf der Gottseligkeit, so dass er nach dem Tod des Bischofs zu Trimithus in seiner ländlichen Hütte zum Bischof erwählt wurde. Alle Menschen dieser Gegend waren darüber froh, nur Spiridion nicht, aus Furcht Gottes. Da half aber keine Entschuldigung, er wurde geweiht und musste das Amt übernehmen. Der einfältige Glaubensmann blieb aber nach wie vor derselbe in seiner äußeren Lebensweise, trieb, so viel es sein Amt erlaubte, die ländliche Arbeit fort, seine Tochter besorgte ihm das Hauswesen, lebte einfach von dem Ertrag seines Landgutes, seine anderen Einkünfte waren gering, und verteilte sein Einkommen in drei Teile, davon einer für den Hausbedarf, der andere für Arme und der dritte zum Darlehen an Hausarme und redliche Gewerbsleute bestimmt war. Seines Amtes pflegte er mit aller Liebe und Treue, predigte mit Gottes Weisheit zur Verwunderung aller, befestigte den Glauben, stärkte die Frömmigkeit, und wurde ein Werkzeug göttlicher Gnade für gar viele. Am liebsten und öftesten ermahnte er zur Vermeidung der Sünde oder zur Buße. Denen, die zum Geldleihen kamen, pflegte er nur den Ort zu zeigen, wo sie es nehmen, und wenn sie es wieder brachten, wohin sie es legen sollten, ohne selbst mitzugehen; so ohne alles Misstrauen war er. Einer missbrauchte sein Vertrauen, nahm das zurückgebrachte Geld wieder mit sich und behielt es lange Zeit. Hierauf kam er wieder zum heiligen Bischof, um Geld zu leihen. Er wurde wie gewöhnlich zur Kiste gewiesen, fand sie aber leer. Als er das dem heiligen Spiridion meldete, sagte er zu ihm: „Das ist wunderlich, dass du allein nichts darin findest, denke nach, ob du das vormals Geliehene wieder hingelegt hast.“ Der Betrüger sah sich ertappt und bekannte dem Bischof reuevoll seine gebrauchte List.

 

Im Jahr 325 verteidigte Spiridion auf der Kirchenversammlung zu Nizäa, mit allen anwesenden Bischöfen, die Gottheit Jesu Christi. Nach Beronius begründeter Meinung war er es, der durch seinen gesalbten Vortrag einen auf dem Konzil anwesenden heidnischen Philosophen für Jesus Christus gewann. Nachdem der Philosoph lange die Gründe der gelehrtesten Bischöfe mit scharfsinnigen Vernunftgründen zu vereiteln versucht hatte, redete ihn der ungelehrte Bischof also an:

 

„Im Namen Jesu Christi höre mich und vernimm die Wahrheit! Es ist nur ein Gott, der Himmel und Erde erschuf, und der dem Menschen, welcher aus Leim der Erde gebildet wurde, eine unsterbliche Seele gab. Er hat alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge durch die Kraft seines Wortes erschaffen, und durch die Heiligkeit seines Geistes bestätigt. Dieses Wort und diese Weisheit, die wir den Sohn nennen, trug Mitleid über die Verirrung der Menschen, und wurde darum von einer Jungfrau geboren. Dieser Sohn Gottes hat uns durch seinen Tod vom Tod erlöst, und durch seine Auferstehung uns das ewige Leben gegeben. Und wir glauben, dass er einst kommen wird, uns wegen aller unserer Handlungen zu richten. Glaubst du, Philosoph, dass dem so sei?“ Dieser, getroffen durch die göttliche Kraft dieses Vortrages, wusste nichts zu antworten. Da sagte Spiridion: "Wenn du dieses alles glaubst, so komm mit mir in die Kirche, um das Kennzeichen und das Siegel des Glaubens zu empfangen.“ Herauf wendete sich der Philosoph zu seinen Anhängern und erklärte: „Höret alle, die ihr euch mit Wissenschaften brüstet! Den Worten und Gründen der Vernunft widerstand ich mit gleichen Waffen. Da aber eine mehr als menschliche Kraft gebraucht wurde, vermochten menschliche Worte nichts mehr; der Mensch konnte Gott nicht widerstehen. Hat einer von euch empfunden, während dieser sprach, was ich erfahren habe, der glaube an Jesus Christus, und folge diesem Alten, aus dem Gott sprach.“

 

Nach etlichen Jahren wohnte Spiridion noch dem Kirchenrat zu Sardis bei, und starb um das Jahr 348.